Der Kurs beginnt mit einem indigenen Ritual. ©IDL

Indigene Rechte: Weiterbildungskurs für junge Jurist*innen

Jurastudierende in Peru lernen an der Uni kaum etwas über indigene Rechte. Dem will ein besonderer Weiterbildungskurs abhelfen.

In Peru leben mindestens sechs Millionen Indigene (Volkszählung von 2017), das ist ein Viertel der Bevölkerung. Logisch gedacht könnte man meinen, dass die indigenen Völker dank dieser hohen Bevölkerungszahl stark sind und ihre Bürgerrechte wahrnehmen, zum Beispiel auf Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit, Rente, usw. Doch die Lage ist anders.

Gegen die indigenen Rechte wird jeden Tag verstoßen. Indigene Völker sind durch illegale Unternehmen z.B. Holzfäller oder Bergleute bedroht. Aber auch durch legale Unternehmen, z.B. Bergbau- oder Ölkonzerne oder ebenso durch Beamte. Die Lage aber ist nicht neu. Seit dem Kolonialzeitraum (wahrscheinlich früher) werden die indigenen Rechte verletzt. Die jüngste Ölpest in Amazonasgebiet (siehe Video hier) im September ist nur ein Meilenstein inmitten einer langjährigen lokalen und globalen Kette von Angriffen gegen indigene Rechte.

Rechte zu schützen ist die Aufgabe von Anwält*innen.  Anwält*innen für die Indigenen fehlen jedoch. Es ist, als ob Shakespeares Spruch “Lasst uns alle Anwälte töten” nur für die Anwälte für indigene Rechte wahr geworden ist. In diesen Zusammenhang veranstaltete die peruanische NRO Instituto de Defensa Legal (IDL), die Interkulturelle Universität Quillabamba, die NRO Forest Peoples Programme und die Universität Coimbra (Doutoramento em Sociologia do Estado, do Direito e da Justiça) zwischen dem 11. September und 28. Oktober 2022 einen „Volkshochschulkurs Indigene Rechte für junge Jurist*innen: Beitrag für eine neue Generation von Verteidiger*innen der Rechte indigener und im Regenwald lebenden Völker“.

Die Ziele des Kurses waren:

  • Mit „Kopf und Bauch“ die sozialen Ungleichheiten der indigenen Völker in Peru im Weltsystem zu erkennen (sentipensar)
  • Die juristischen Verfahren, insbesondere der strategischen Prozessführung, zur Verteidigung der Rechte von Territorien und indigenen Völkern kennenzulernen
  • Die Ausübung der Verteidigung der Rechte indigener Völker durch die Praxis mit indigenen Organisationen zu erfahren

Neunzehn Studierende nahmen an einer dreiteiligen Schulung teil: eine Woche Präsenzschulung in Quillabamba (Amazonasgebiet in der Region Cusco), ein Praxismodul in Organisationen, die zu indigenen Rechten arbeiten, und zwei Wochen Online-Studium (siehe Videos hier). Das Team, das den Lernprozess förderte, setzte sich aus nationalen und internationalen Lehrkräften, Mitgliedern indigener Völker, Aktivist*innen und Expert*innen zusammen.

Die Studierendengruppe bestand überwiegend aus Frauen und wurde von Organisationen für indigene Rechte unterstützt. Das Training war kostenlos. Jede Studierende erhielt ein Stipendium, das die Kosten für den Kurs, die Beförderung, die Unterbringung und die Verpflegung während der Kurswoche abdeckte.

Im zweiten Jahr in Folge trug der Kurs damit zur Ausbildung einer neuen Generation von Verteidiger*innen indigener Rechte bei. Hier sind die Kommentare von zwei Studierenden:

„Ich denke, dass wir persönlich noch einen weiten Weg vor uns haben. Die Verteidigung der Rechte indigener Völker setzt nicht nur eine soziale Sensibilität für diese Rechte voraus, sondern auch ein technisches und fundiertes Wissen über das Rechtssystem und das Gesetz. Man muss psychologisch, technisch, juristisch und politisch vorbereitet sein.“

„Ich habe das Gefühl, dass diese Erfahrung ein Vorher und Nachher in meinem Leben markiert. Jetzt weiß ich, dass ich in diesem Kampf für eine bessere Welt nicht allein bin, und noch mehr habe ich jetzt das Gefühl, dass eine echte Revolution möglich ist. Die Schule hat mir die Inspiration gegeben, die ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben brauchte. Vielen Dank!“

Der Volkshochschulkurs Indigene Rechte für junge Jurist*innen ist inspirierend. Nicht nur für die Studierenden, sondern auch für diejenigen von uns, die an ihrer Umsetzung beteiligt sind. Er ist ein Ort für den Aufbau eines dekolonialen Rechts, um eine neue Generation von Menschenrechtsverteidiger*innen auszubilden.

César Bazán Seminario

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