Máxima Acuña de Chaupe ist trotz ihrer 1,50m  die grösste Frau Cajamarcas. Dabei lernte sie nie schreiben oder lesen und verbrachte ihr Leben auf dem Land mit Handarbeiten, welche sie später auf den Märkten verkaufte.
Im Jahr 2011 sagte man ihr, dass ihre 25 Hektar Land nicht mehr ihr gehörten. Die Bergbaufirma „ Yanacocha“ kaufte alle Grundstücke im Gebiet auf und initiierte ein Megaprojekt, um Gold in dieser Region abzubauen.

Máxima wurde daraufhin mit den Folgen des Gerichtsprozesses konfrontiert, welchen sie verlor. Sie wurde festgenommen und zu acht Jahren Haft verurteilt. Man warf ihr die widerrechtliche Aneignung von Grund und Boden vor. Sie liess sich nicht einschüchtern, sie konnte nicht zulassen ihr Grundstück zu verlieren.
Stattdessen wurde sie zu einer Art Führerin im Zeichen des Widerstands gegen das Minenprojekt „ Conga“.
Sie will keine Entwicklung, keinen Fortschritt, wie das Projekt es verspricht; sie will nur ihre Ruhe.

Sie kam nach Lima, um an der  „ Cumbre de los Pueblos“ zu teilzunehmen. Ich traf sie, ihren Kopf mit dem typischen Cajamarca- Hut bedeckt, während sie mit ihrer Schwiegertochter durch den „Parque Castilla“ spazieren ging. Sie trug einen Korb gefüllt mit lilafarbenen Blumen, den hatten ihr Aktivisten aus Ecuador geschenkt. Sie wird nach Cajamarca zurückkehren, da jetzt am 17. Dezember das endgültige Urteil ihres Falles verkündet wird.

KLima-Reporteros: Máxima, können Sie uns etwas zu Ihrer Kindheit sagen ?

Máxima Chaupe: Ich wurde in Sorochuco, Cajamarca geboren. Dort bin ich aufgewachsen und habe mein ganzes Leben in der Region verbracht. In Tragadero Grande habe ich mein Stück Landbesitz seit 1994. In diesem Jahr verkaufte ein Onkel meines Mannes uns sein Grundstück.

KLima-Reporteros: Was bauen Sie auf diesem Stück Land an ?

Máxima Chaupe: Ich pflanze Kartoffeln, Yuca, Weizen, Heu und Hafer. Das restliche Land dient als Weide für das Vieh, die Kühe und Schafe.

KLima-Reporteros: Sie besitzen auch  Kühe?

Máxima Chaupe: Ich hatte welche. Jetzt nicht mehr. Seitdem die Probleme mit Yanacocha auftraten, hat mein Leben sich in ein Grauen verwandelt. Seit sie mich von meinem Land verdrängen wollen,  ist mir nichts geblieben. Ich muss verschiedene Behördenspesen, Wegegelder und Steuern zahlen. Wir leben mit acht Personen in meinem Haus und haben ca. 800 Soles (rund 210 Euro) im Monat zur Verfügung. Manchmal sogar weniger.
KLima-Reporteros: Ihr Haus steht in der Mitte des Gebietes, das dem Minenprojekt „Conga“ übergeben wurde…..

Máxima Chaupe: Ja, da alle Nachbarn mittlerweile verkauft haben. Ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben. Man wird nicht richtig informiert. Ich habe mein Land in der Hoffnung gekauft, mein ganzes Leben dort verbringen zu können. Um meine Kinder und die ganze Familie über Wasser zu halten. Außerdem bin ich auf dem Land geboren; Ich kann mich nicht daran gewöhnen in einer Stadt oder anderswo zu leben.

KLima-Reporteros: Weshalb erklärt Yanacocha, dass dieses Land ihnen gehöre ?

Máxima Chaupe: Es ist folgendes  passiert: Mein Schwiegervater baute sein Haus, und sein Sohn erlitt einen Unfall. Sie brachten ihn ins Krankenhaus. Er war verzweifelt. Die Ingenieure der Mine  kamen und gaben ihm 10 000 Soles im Tausch gegen sein Grundstück. In seiner Verweiflung nahm er das Geld an, ohne mit seiner Frau oder seinen Söhnen zu sprechen.

Dann zückte die Mine eine Mitteilung, nach welcher Herr Samuel, mein Schwiegervater, uns das Land vermacht habe, nachdem er es schon an Yanacocha verkauft hatte.  Aber das war falsch. Ich habe  mit meinen Dokumenten den Gegenbeweis erbracht. Das an Yanacocha verkaufte Gelände, liegt neben meinem Besitz.   Das sieht man klar in meinen Dokumenten. Yanaocha wollte uns nur verwirren.

KLima-Reporteros: Wie begann dieser Konflikt?

Máxima Chaupe: Im Jahr 2011 versuchten sie eine Straße durch mein Land zu bauen. Ich zeigte die Firma an, aber die Anzeige wurde bei der Staatsanwatlschaft von Celendín direkt ad acta gelegt. Danach, am 8. August 2011, wurden wir von unserem Land vertrieben. Sie misshandelten und schlugen uns.

KLima-Reporteros: Wie genau geschah diese Vertreibung ?

Máxima Chaupe: Der Richter ordnete die Räumung im Oktober 2011 an. Meine ganze Familie war zu Hause. Die Polizei kam und schlug auf alle ein. Sie packten mich mit drei Polizisten, schlugen mich nieder und ich blieb  am Boden liegen. Meinem 15 jährigen Sohn drohten sie mit einer Waffe. Er leidet bis heute darunter. Meinem Ehemann nahmen sie sein Handy weg und schlugen ihm in die Rippen.
Auch meinen ältesten Sohn schlugen sie so, dass er ins Krankenhaus eingewiesen werden musste.

KLima-Reporteros: Und nachdem das passierte, haben Sie  weitere Drohungen erhalten

Máxima Chaupe: Ja die Drohungen halten an. Seit 2011 bis heute können wir nicht in Ruhe leben. Vor meinen eigenen Augen haben sie die Schafe getötet. Sie erschossen sie von einem vorbeifahrenden LKW aus. Ich hatte einen Schäferhund, welcher das Grundstück bewachte, und er bellt,e als sie vorbei fuhren. Eines Tages haben sie auch ihn getötet. Bis heute stecken wir in diesem Konflikt, wir sind in Gefahr. Ständig stehen sie mit ihren Leuten um das Grundstück herum und überwachen uns. Ich habe Angst auf dem Land herumzulaufen, da sie jeden Augenblick losfeuern könnten.

KLima-Reporteros: Wenn ich es richtig verstanden habe, haben Sie Ihnen auch ein Bussgeld aufgebrummt ? 

Máxima Chaupe: Ja. Das war sehr ungerecht. Ich soll 5500 Soles an das Minenunternehmen zahlen und  eine vor zwei Monaten ausgesetzte Haftstrafe. In Cajamarca legte  ich Berufung ein, da der Richter die Räumung unseres Grundstückes anordnete.
So einfach werde ich mein Land jedoch nicht zurück lassen. Ich habe Einspruch erhoben.   Es ist ein letzter Einspruch, danach wird sich die Situation klären.

KLima-Reporteros: Kam  das Unternehmen jemals  auf Sie  zu, um mit Ihnen zu sprechen oder das Land offiziell abzukaufen?

Máxima Chaupe: Nie. Weder von den Minen, noch von der Regierung. Nie kam jemand um zu sagen „ wir würden gerne kaufen oder zahlen eine Ablöse“. Ich habe viele Dinge erst durch die Medien erfahren, viele Lügen über meinen Fall dort gelesen und gehört. Ich fühle mich von den Journalisten nicht fair behandelt, da sie unsere Aussagen und Positionen nicht veröffentlichen.

KLima-Reporteros: Sie mussten  viele schreckliche Dinge durchmachen, Máxima. Dachten Sie nicht manchmal daran, an einem anderen Ort neu zu beginnen und das Grundstück zurückzulassen?

Máxima Chaupe: Nein. Um Geld für dieses Grundstück zu erhalten, mussten mein Mann und ich zu Hause hart arbeiten: Wir wuschen Kleidung und kochten für andere…Wir hatten keine freie Zeit für uns. Wir arbeiteten Tag und Nacht, um das Grundstück kaufen zu können und einen Ort zum Leben zu haben. Das alles, damit ich mir das jetzt von diesen Unternehmen wegnehmen lasse? Nein ich werde dort nicht fortgehen.  Die Behörden können sagen was sie wollen, ich werde mein Land nicht verlassen.

Bei  ihren letzten Worten zeigte Máxima sich deutlich berührt. Die charismatische Frau,  die  den zweitgrößten Goldproduzenten der Welt herauszuforderte und an unzähligen Protesten und Konferenzen teilnahm, bricht nun in Tränen aus. „ Ich habe noch viel Liebe und Zuneigung an meine Erde, meine Lagune und meine Tiere zu vergeben. Ich werde nicht fortgehen“ erklärt sie schluchzend mit weicher Stimme.

Interview und Foto: Gloria Alvitres

Übersetzung: Luisa Donner

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