„Heute kennen wir unser Klima nicht mehr wieder“, sagt Sonilda Atencio, aus Ilave, im Hochland von Puno, Bilanz.  Sie erzählt, dass in ihrer Region der Klimawandel kurze Spätsommerperioden in der Regenzeit verursacht. Dadurch verkommt die Ernte. „Früher hat uns die Sonne gewärmt, jetzt verbrennt sie uns“, fügt die Leiterin der Bauerngemeinschaft Pacha Ccaccapi hinzu. Auf der anderen Seite stellen Kälteeinbrüche eine Bedrohung für die Bewohner dar. In den letzten Jahren hat sich die Lage so verschärft, dass es schwer ist die Pflanzungen und Tieren durchzubringen. „Wir brauchen keine Hilfsprogramme. Wie sagt man: Wir wollen keine Fische, wenn man uns das Fischen nicht lehrt“, mein Atencio.

Sonilda Atencio sprach bei der Veranstaltung „Frauen für ein nachhaltiges Leben“, die von der  „Initiativgruppe der Frauen gegen den Klimwandel“ im Rahmen der alternativen Klimakonferenz organisiert wurde.  Dort berichteten Vertreterinnen nationaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen, sowie Führerinnen peruanischer indigener Gemeinschaften von den Auswirkungen des Klimawandels in ihren Regionen. Außerdem suchten sie nach nachhaltigen Alternativen und Möglichkeiten, diese  umzusetzen. Auf der Veranstaltung wird deutlich, wie wichtig der Beitrag der Frauen  für die ländliche Wirtschaft und die regionale Lebensmittelversorgung ist. Schließlich sind sie die Expertinnen für die Flora und Fauna ihrer Region, tragen Verantwortung für Aussaat und Ernte, ziehen Tiere groß und vermarkten ihrer Produkte auf den Märkten. Trotz ihrer immensen Wichtigkeit werden  gerade diese Frauen in der Öffentlichkeit nicht beachtet.
Elena Villanueva, Organisatorin des Programmes für ländliche Entwicklung des peruanischen Frauenzentrum Flora Tristán, erklärte, dass sie mit der Veranstaltung verschiedene Organisationen vernetzen will, um Vorschläge und Forderungen für Klimagerechtigkeit zu erarbeiten und so eine Grundlage für kommende alternative Klimakonferenzen zu schaffen. Renate Moreno, von der nationalen Koordination des weltweiten Frauenprotestes, aus Brasilien erinnert ihrerseits die Vertreterinnen der anwesenden Organisationen daran, dass sie nicht nur für die Frauen kämpfen, sondern auch ihr Land vor internationalen Großinvestoren schützen müssen.

Darüber, wie der Klimawandel ihr Leben beeinflusst, berichteten mehrere Frauen.

 Ivon Chunga, Zorritos: Fischfreie Fischereizon
Ivon Chunga, von der peruanischen Frauenbewegung Conamovidi berichtete von der aktuellen Situation in Zorritos (Provinz und Region Tumbes). Das Hauptproblem ist der starke Zurückgang des Fischbestandes, der jedoch nicht allein auf den Klimawandel, sondern ist erster Linie auf die Überfischung zurückzuführen ist. Jahrzehntelang hat die Fischindustrie die Bestände geplündert. Jetzt sind die ehemals selbstständigen Fischer auf den Weiterverkauf von Fisch angewiesen und so von den großen, kommerziellen Fischereien abhängig. „Es bestehen keine Produktionsalternativen.“, stellt Chunga fest. Eine der Forderungen ihrer Gemeinschaft ist die Wiederherstellung der Aquakultur und des Fischbestands durch gezielte Fischzucht.

 

Rosalía Yampis, Bagua: Die Verwundbarkeit des Amazonas
In Imaza, in der Provinz Bagua (Amazonasregion), betrifft der Klimawandel vor allem die Landwirtschaft. Rosalía Yampis, von der Organisation indigener Frauen Onamiaq, erzählt, dass die Hitze so stark ist, das die Männer immer weniger Zeit mit der Bewirtschaftung der Felder aus Furcht vor Hautkrebs verbringen können. Auf Grund der Ernteknappheit müssen die Frauen sich organisieren, damit sie ihre Kinder ernähren können. „Über das Qali Warma Programm der Regierung erhalten wir zwar Hilfe, aber die ist nicht ausreichend“, erklärt Yampis. Die Leiterin berichtet, dass sich ihre Gemeinschaft jetzt auf neue Betätigungsfelder ausweichen möchte. Zum Beispiel: Bioanbau und Erhaltung des Amazonasgebietes.

 

Text und Fotos: Emily Espinoza

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