Bergbau: Bestechung als Teil der Unternehmenskultur

Der Bergbau-Multi Glencore bekennt sich der Bestechung schuldig.

 

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore scheint sich immer wieder Mühe zu geben, seinem schlechten Ruf gerecht zu werden. «Das Ausmaß dieses kriminellen Schmiergeldsystems ist erschütternd. Glencore zahlte Bestechungsgelder, um sich Ölverträge zu sichern [und] bestach Richter, um Gerichtsverfahren verschwinden zu lassen. […] und es tat dies mit der Zustimmung und sogar mit der Ermutigung seiner Topmanager», sagte der Staatsanwalt Damian Williams vom südlichen Distrikt von New York an der Pressekonferenz vom 24. Mai, an welcher der Vergleich mit der Firma bekannt gegeben wurde. «Bestechung war bei Glencore fester Bestandteil der Unternehmenskultur», schloss Williams.

Glencore gesteht seine Schuld ein und wird dafür Bussen und Entschädigungen von 1.1 Milliarden US-Dollar zahlen. Und dies allein in den Vereinigten Staaten. Dazu kommen weitere Bussen in Grossbritannien und Brasilien. Die Verfahren der niederländischen und der schweizerischen Staatsanwaltschaften laufen noch weiter.

Keiner der bekannt gewordenen Fälle betrifft Peru. Doch der Verdacht, dass Glencore auch dort in die Bestechungskasse griff, wenn es dem Geschäft dienlich war, wird von den Enthüllungen gestärkt. Und es gibt eine prominente personelle Verbindung, die aufhorchen lässt.

Die meisten dokumentierten Bestechungsfälle betreffen den Kauf von betrügerisch vergünstigtem Rohöl von (halb-) staatlichen Förderfirmen in Westafrika, Brasilien und Venezuela. Daneben gibt es einen Fall aus der Demokratischen Republik Kongo (DRC), der ganz anders gelagert ist und illustriert, wie die Korruption in der Firmenkultur verankert und von ganz oben mitgetragen wurde.

«Ohne politischen Druck werden wir verlieren», schrieb im November 2010 ein lokaler Agent von Glencore an seinen Chef in einer E-Mail, nachdem er sich mit einem Regierungsvertreter getroffen hatte. Aber mit «ausreichend Munition» könne er die Sache geradebiegen. Es ging um den Rechtsstreit mit einer Medizintechnikfirma, welche Glencore wegen Vertragsbruch für 16 Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagt hatte. In der Folge erhält er eine als Kommission deklarierte Zahlung über 500’000 Dollar und organisiert ein weiteres Treffen mit dem Regierungsvertreter und dem zuständigen Richter, nachdem er zurück rapportiert, «alles unter Kontrolle». Im Januar 2011 entscheidet der Richter den Fall zugunsten von Glencore.

In den Unterlagen der US-Staatsanwaltschaft, in denen der Fall beschrieben ist, wird der Empfänger dieser E-Mails als «Führungsperson Nummer 3» bezeichnet und beschrieben als griechisch-britannischer Doppelbürger, welcher von 1993 bis 2018 in der Kupfer-Zink Abteilung von Glencore arbeitete. Gemäss einer Meldung der Agentur Bloomberg kann es sich dabei nur um Telis Mistakidis handeln, der 1993 in dieser Abteilung einstieg und 2000 zu ihrem Co-Direktor ernannt wurde. Mistakidis trat 2018 zurück, unter Druck von den bereits laufenden Untersuchungen. Sein Vermögen, dass er sich über diese Zeit in Form von Glencore-Anteilsscheinen erworben hatte, wurde damals auf 2.5 Milliarden Pfund geschätzt.

Als Chef der Kupferabteilung hatte Mistakidis zwangsläufig viel mit Peru zu tun. Glencore ist weltweit einer der wichtigsten Händler des roten Metalls und wurde mit der Übernahme von Xstrata im Jahr 2013 auch (Mit-)Eigentümerin einiger der grössten peruanischen Kupfer- und Zinkminen: Tintaya-Antapaccay in Espinar, Antamina und Los Quenuales in Ancash und Lima, Volcan in der Sierra Central. Dazu kommen Lager- und Transportunternehmen im Callao und Handelsbüros in Lima. In Folge der Übernahme war Mistakidis auch verantwortlich für die sich im Bau befindliche Kupfermine Las Bambas und traf sich im April 2014 diesbezüglich mit der damaligen Vizepräsidentin Marisol Espinoza, bevor die Mine schliesslich das chinesische Konsortium MMG verkauft wurde. «Es gibt keine Beweise, aber auch keine Zweifel», sagt ein peruanisches Sprichwort.

Das Geständnis von Glencore wird von kritischen Beobachter:innen vor allem als Versuch interpretiert, sich aus dem Würgegriff der amerikanischen Staatsanwaltschaft zu befreien und damit zu verhindern, dass diese noch viel mehr Dreck aufwirbelt. «Wir sind nicht mehr die gleiche Firma”, liess der neue CEO Garry Nagle dazu verlauten. Es stimmt, dass neben Mistakidis noch andere Top-Kader ausgewechselt wurden. Nur, auch die neuen Chefs haben ihre Karriere innerhalb der Firma gemacht, deren Unternehmenskultur die Staatsanwaltschaft als «systematisch korrupt» bezeichnet. Ob sie wirklich einen Strich unter diese Praktiken setzen können, müssen sie erst noch beweisen.

Wie eine kleine, nicht datierte Anekdote aus dem Buch der Journalisten Javier Blas and Jack Farchy «The World for Sale» zeigt, geht die Verbindung zwischen Glencore und Peru bereits auf die 1960er Jahre zurück. Der peruanische Minenbesitzer Roque Benavides berichtet, wie er vom jungen Marc Rich (der später Glencore gründete) nach Hause eingeladen wurde: «Rich war ein grossartiger Gastgeber», der Wein sei reichlich geflossen und er sei «komplett betrunken» in sein Hotel zurückgekehrt. Rich habe auch bekommen, was er sich vom Treffen erhofft hatte: Einen 10-jahres Liefervertrag von Benavides’ Minen.

Thomas Niederberger (Cooperaccion/Comundo)

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