Editorial InfoPeru Nr. 82

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Krieg in der Ukraine wirft seine Schatten nicht nur auf Europa, sondern in den hintersten Winkel Perus.

Das habe ich gemerkt, als ich Mitte März eine Bauerngenossenschaft in Madre de Dios besucht habe. Die Bauern waren so stolz, dass sie seit 2 Jahren ihre Copoazu-Bohnen (Copoazu ist eine Frucht  aus der Familie des Kakao) exportierten. Doch nun steht alles wieder auf der Kippe: ihre Abnehmerin ist nämlich eine Schokoladenmanufaktur in St. Petersburg, Russland.Die Angst vor einer möglichen Atombombe mag in Peru geringer sein als in Deutschland; die Gefahr einer Hungersnot ist dagegen sehr real.

Bereits während der Corona-Pandemie ist in Peru, wie in allen Ländern, die Inflationsrate gestiegen und damit auch die Preise für Benzin und Lebensmittel. Seit dem Ukraine-Krieg ist alles nochmal teurer geworden. Anfang April gingen deswegen Menschen in ganz Peru, besonders aber in Huancayo und Ica, auf die Straße und forderten Unterstützung von der Regierung. Pedro Castillo fiel nichts Besseres ein, als den Notstand auszurufen – den er kurz darauf wieder zurücknehmen musste. Die daraufhin angekündigten Steuererleichterungen für Lebensmittel dürften vor allem die Zwischenhändler freuen und kaum bei den armen Konsumenten ankommen.

Doch das Schlimmste steht erst noch bevor. 60% des Stickstoffs für Kunstdünger importiert Peru aus Russland und China. Dieser Import ist seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine praktisch zum Erliegen gekommen. Der einheimische Dünger aus Vogelmist (Guano) kann die entstandene Lücke nicht füllen. Die Hauptaussaatzeiten beginnen jetzt bis Mitte Jahr – bereits in zwei Monaten könnte Peru den Produktionsrückgang schmerzhaft spüren. Lebensmittel werden knapp und damit noch teurer, als sie bisher schon sind. Viele Menschen werden sich nicht mehr die Lebensmittel leisten können, die sie brauchen.

Eine gut organisierte Regierung könnte dieser voraussehbaren Entwicklung etwas entgegenhalten und den Schock abfedern – doch gerade daran mangelt es in Peru.

In diesem InfoPeru möchte ich Sie besonders hinweisen auf die neueste Studie aus der Bergbaustadt Cerro de Pasco. Erstmals wird hier bewiesen, dass die permanente Exposition gegenüber Schwermetallen zu einer verminderten kognitiven Leistung bei Kindern führt. Eine fatale Erkenntnis.

Auch wenn der Krieg in der Ukraine die Bedrohung durch den Klimawandel etwas in den Hintergrund gerückt hat: für die Infostelle geht es genau darum in ihrem jährlichen Peru-Seminar, das vom 29. April bis 1. Mai in Köln präsentiell und gleichzeitig online stattfindet. Ich hoffe, viele von Ihnen dort anzutreffen.

Hildegard Willer

Redakteurin InfoPeru

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