Korruption im Fischereisektor und Holzhandel, neue Fälle von illegalem Bergbau, großflächige Abholzung durch mennonitische Kolonien, Gewalt gegen indigene Gemeinden und Umweltschützer*innen – das Umweltportal Mongabay Latam hat eine Auswahl der wichtigsten Umweltgeschichten des Jahres 2020 zusammengestellt, die wir hier in gekürzter Version veröffentlichen.

 

  1. Der größte Fischerei-Skandal der letzten Jahre

Ein Korruptionsskandal, in den Beamte verwickelt waren, erschütterte dieses Jahr das peruanische Meeresinstitut Imarpe. Das Institut, das auf die wissenschaftliche Erforschung der Meeresressourcen spezialisiert ist, hatte berichtet, dass die verfügbare Sardellen-Biomasse während der zweiten Fangsaison des Jahres acht Millionen Tonnen betrug, obwohl es tatsächlich nur vier Millionen Tonnen waren. Eine Untersuchung des Produktionsministeriums gegen 15 Beamte ergab Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung der Biomasse sowie bei der Genehmigung der Fangquote zugunsten des Fischereisektors. Die Zahlen zur Sardellen-Biomasse wurden verfälscht, um eine höhere Fangquote festzulegen.

 

  1. Ein Korruptionsnetzwerk von Beamten: „Die Feinde des Amazonas“

Eine große Operation  am 25. August in Madre de Dios führte zur Festnahme von 17 Mitgliedern eines mutmaßlichen kriminellen Netzwerks, in das Beamte aus dem Forstsektor, der Regionalregierung, der Umweltstaatsanwaltschaft und der Polizei verwickelt waren und das sich dem Holzhandel verschrieben hatte. Die Ermittlungen dauerten fast zwei Jahre und wurden von der Abteilung für die Untersuchung von Verbrechen mit hoher Komplexität (DIVIAC) und einer Spezialabteilung für Korruptionsverbrechen der Staatsanwaltschaft durchgeführt, die die Funktionsweise dieser kriminellen Organisation aufdeckten.

Der illegale Holzhandel funktioniert nur deshalb so gut, weil es korrupte Beamte gibt, die mit den Kriminellen zusammenarbeiten. Sie erstellten Dokumente, die es ermöglichten, illegal beschafftes Holz als legales Produkt zu transportieren, und ließen die Transporte an den Kontrollpunkten ohne Probleme passieren.

 

  1. Der Holzhandel hört mit der Pandemie nicht auf

Während des Lockdowns in der Corona-Pandemie waren Holzfälleraktivitäten verboten. Viele Sägewerke arbeiteten jedoch weiterhin illegal und hinter verschlossenen Türen. Am 23. Mai folgte ein Polizeiteam einem Anhänger, der eine Lieferung aus einem Sägewerk im Bezirk Manatay in Pucallpa, Ucayali, abholte. Zwei Tage lang verfolgten die Polizeibeamten alle Bewegungen des Lastwagens, bis sie ihn anhielten und entdeckten, dass die Ladung eine falsche, von der Forstbehörde unterschriebene Genehmigung hatte.

 

  1. Umweltschützer in Madre de Dios zweimal angeschossen

Der Umweltschützer Roberto Carlos Pacheco Villanueva, Sohn des bekannten Umweltschützers Demetrio Pacheco, wurde am 10. September in Madre de Dios ermordet. Beide waren Opfer von Drohungen durch Landbesetzer und illegale Bergleute geworden. Sie hatten auch acht Beschwerden gegen illegale Besetzer und Holzfäller bei der Umweltstaatsanwaltschaft eingereicht. Der Tod von Pacheco war der fünfte Mord an einem Umweltschützer in Peru in diesem Jahr.

 

  1. Das gewaltsame Vordringen der Ölpalme in eine indigene Gemeinschaft

Seit 2012 ist das Palmöl-Unternehmen Plantaciones Pucallpa S.A.C. -heute Ocho Sur P S.A.C.- weniger als fünf Kilometer von der indigenen Gemeinde Santa Clara de Uchunya, in Ucayalli, aktiv. In dieser Zeit hat das Eindringen von Landhändlern zugenommen, berichten Shipibo-Anführer. Zuletzt entdeckten Bewohner*innen der Gemeinde Santa Clara am 17. August eine Gruppe von Personen beim Fällen von Bäumen innerhalb ihres Territoriums. Die indigene Gemeinschaft wehrt sich seit Jahren gegen Landhändler und die Interessen dieses Palmölanbauers, gegen den wegen Abholzung ermittelt wird.

 

  1. Cacataibo-Indianer leben umzingelt von Landinvasoren und Drogenhändlern

Die Plattform Global Forest Watch meldete 2020 mehr als 2000 Abholzungsalarme in der indigenen Gemeinde Santa Martha in der Region Huánuco. Illegale Kokapflanzungen, die Präsenz von kriminellen Drogenhändlern und kriminelle Gewalt haben in diesem Gebiet dieses Jahr das Leben eines indigenen Anführers gefordert und viele andere bedroht. Die indigene Vereinigung der Cacataibo-Gemeinden (Fenacoca) schätzt, dass in Santa Martha etwa 200 Hektar Regenwald abgeholzt wurden. Gemeindemitglieder schätzen dagegen, dass sie durch den Vormarsch des Drogenhandels mindestens 600 Hektar verloren haben.

 

  1. Millionenrabatte: der Rettungsanker für die sanktionierte Fischerei in Peru

Peru ist eine Fischereimacht in Lateinamerika und der Hauptproduzent von Fischmehl. Jedes Jahr werden zwischen zwei und fünf Millionen Tonnen Sardellen gefangen, die zu Mehl für die Viehzucht verarbeitet werden. Diese Industrie generiert jährlich mindestens zwei Milliarden Dollar für das Land. Damit die Sardellen nicht aussterben, müssen die Jungfische geschützt werden. Dazu muss der Fang begrenzt werden. Das Problem ist jedoch, dass diese Regel nicht immer durchgesetzt wird. Mongabay Latam überprüfte 339 Akten der letzten fünf Jahre im Ministerium für Produktion (Produce) und fand heraus, dass ein einziges Unternehmen 22.686 Tonnen Jungfische gefangen hatte, obwohl es laut Vorschrift nicht mehr als 10.347 Tonnen hätte fangen dürfen.

 

  1. Illegale ecuadorianische Bergleute in der Cordillera del Condor: die Grenze ist immer noch verletzlich

Die Übergriffe illegaler Minenarbeiter in der Cordillera del Condor sind seit dem 15. Oktober 2019 zurückgegangen, als Polizei- und Armeetruppen in das Gebiet Tambo in El Cenepa an der Grenze zwischen Peru und Ecuador eindrangen. Sie schütteten Stollen zu und hoben Absperrgräben über die Straße aus, auf der die illegalen Einwanderer das Material per LKW in die ecuadorianische Stadt La Herradura brachten. Monate später wurden diese Stollen jedoch wieder geöffnet. So wurde offensichtlich, mit welchen Methoden die illegalen Minenarbeiter auf peruanisches Gebiet eindringen und auf Land arbeiten, das eigentlich Teil eines Nationalparks sein sollte.

 

  1. Madre de Dios: neuer Schwerpunkt des illegalen Bergbaus bedroht indigenes Volk von Pariamanu

Boca Pariamanu ist eine von 37 indigenen Gemeinden in Madre de Dios, dem Amazonasgebiet Perus, das am stärksten vom illegalen Bergbau zerstört wird. Etwa 25 Familien leben in diesem 4.500 Hektar großen Gebiet, betreiben Landwirtschaft zur Eigenversorgung und ernten Kastanien. Das Gebiet der Gemeinde Boca Pariamanu besteht ausschließlich aus Kastanienbäumen. Hier agieren illegale Minenarbeiter am Pariamanu-Fluss. Der Fluss ist mit Quecksilber aus dem Bergbau verseucht. Die Familien mussten deshalb ihre Fischereiaktivitäten einschränken. Sie wurden Opfer von Schikanen und Morddrohungen durch illegale Bergleute.

 

  1. Die Mennoniten in Peru: Staatsanwälte aus Loreto und Ucayali untersuchen die Abholzung von 2.500 Hektar im Amazonasgebiet

Im peruanischen Amazonasgebiet ist es erneut zu großflächigen Abholzungen gekommen. Diesmal haben sich Mennonitenkolonien an drei Orten in den Regionen Loreto und Ucayali angesiedelt und bisher mehr als 2.500 Hektar Wald abgeholzt. Satellitenbilder zeigen, wie die Abholzung an den Orten fortschreitet, an denen diese Kolonien gegründet wurden: Masisea in Ucayali, und Tierra Blanca und Padre Márquez in Loreto. Das Schlimmste: Diese Abholzung wurde ohne Genehmigung der Forstbehörden durchgeführt.

 

Übersetzung und Zusammenfassung: Annette Brox

 

Original in Spanisch:

Perú: las 10 historias ambientales que marcaron el 2020

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.