Im Jahr 2002 erließ Peru ein Gesetz, durch das die Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel um zehn Jahre aufgeschoben wurde.

Jetzt gibt es Bestrebungen im Landwirtschaftsministerium, unterstützt durch große Exportunternehmen, dieses Moratorium ab 2021 nicht mehr zu verlängern. Mit der Vorbereitung wurde INIA (Nationales Instituts für Landwirtschaftsforschung) beauftragt. Auf der anderen Seite gibt es heftige Kritik, gentechnisch veränderte Lebensmittel auf die Äcker zu bringen. Die Befürworter*innen behaupten, dass eine weitere Nichtzulassung die peruanischen Exporte grundlegend gefährden würden. Das ist nicht der Fall. Auch ohne die Zulassung von Gentechnik sind die landwirtschaftlichen Exporterlöse von 645 Millionen Dollar im Jahr 2000 auf 6,6 Milliarden Dollar im Jahr 2018 gestiegen.

Die Pro-Fraktion für Gentechnik argumentiert mit falschen Angaben:

Nein, die Einfuhr von gentechnisch verändertem Mais findet bereits heute statt und stellt die  Tieraufzucht nicht vor große Probleme. Außerdem wird  bereits, bekannt aber nicht geahndet, Genmais in Peru angebaut sowie genetisch veränderte Fische aufgezogen. Betroffen sind  im Prinzip die gentechnisch manipulierten Pflanzen die auf den Äckern freigesetzt werden. Und: Im Jahr 2019 wurde 60% des gelben Mais aus Mexiko eingeführt, nicht genetisch verändert.

Folgende Regionen (Bundesländer) haben sich als „gentechnisch frei“ erklärt: Ayacucho, Cusco, Huánuco, Junin,  Puno, San Martin und auch die Hauptstadt Lima.

Das Umweltministerium fordert, stärker eingeschaltet zu werden um seine Kenntnisse einzubringen.

 

Die Contra-Fraktion beruft sich auf die Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt von 1992, die  Peru ratifiziert hat und somit erfüllen muss. Das wurde durch das Gesetz Nr. 2681 beschlossen und verpflichtet Peru zum integralen Schutz der biologischen Vielfalt.

Untermauert wird die Kritik an der Zerstörung der biologischen Vielfalt durch die weltweit einzigartige Situation:

Von  weltweit 117 Lebenszonen gibt es 84 in Peru. Auch deshalb ist Peru ein Land mit sehr großer biologischer und genetischer Vielfalt. Es ist angesagt, daran zu erinnern, dass Peru weltweit führend ist bei der Artenvielfalt von Kartoffeln, Ají, Mais, Getreide… es gibt 787 unterschiedliche Lebensmittel, 1.300 unterschiedliche Heilkräuter etc.  All das würde weniger gelten, wenn Peru sich hin zu einem Gentechnik-Land verändert, wie Argentinien oder Paraguay.

 

Gegen die Zulassung von Gen-Produkten und damit verbundener Zunahme von Agrochemie wendet sich – auch – die fundamentalistische, religiöse Partei FREPAP, bekannt als „Israelitas“. Sie haben viele Siedlungen im amazonischen Regenwald. Sie argumentieren: Lebensmittel müssen nachhaltig erzeugt werden, damit die Natur geachtet und das  biologische Gleichgewicht geschützt wird. Hier haben sich die Abgeordneten aus den Anden und Regenwald gegen die von Lima und der Küste durchgesetzt.

 

Eine Stimme aus der Praxis:

Die kleine Exportfirma Glintgolbal (Lima) antwortete exklusiv für InfoPeru zu Fragen der möglichen Genehmigung der Gentechnik:

* Die peruanische Regierung hat überhaupt keine Kapazitäten zur Kontrolle dieser Technik in der Landwirtschaft und zur Sicherheit der Konsumenten und Konsumentinnen.

* Die Ausfuhren Perus wachsen wegen der guten Qualität der Produkte, nicht, wie die Großunternehmen behaupten, wegen billigster  Preise. Das Kriterium der guten Qualität betrifft kleinere Unternehmen (auch Genossenschaften). Sie profitieren vom Verbot der Gentechnik.  Peru ist bekannt und geschätzt für die gute Qualität der Produkte, die auch zum Teil Bioqualität haben.

* Die Wettbewerbsvorteile Perus liegen in der Produktvielfalt. Diese würde verloren gehen, wenn zum Beispiel gentechnisch veränderte Kartoffeln angepflanzt würden. Viele Bauern würden auf diese zunächst ertragreicheren Sorten zurückgreifen, aber die Vielfalt würde verloren gehen, ebenso die Vielfalt der Produkte wie  Quinua, Maca, Camu Camu, Sacha Inchi. Das würde die Bauern schädigen, die nur einen Teil ihrer Ernte durch kleine Exportunternehmen verkaufen und, weil diese von guter Qualität sind, dafür einen fairen Preis erzielen.

* Gentechnisch veränderte Produkte werden in großen Betrieben erzeugt, mit Arbeiter*innen, die miserabel bezahlt werden. Hier gilt nur noch die erzeugte Menge.  Solche Produkte sind „gesichtslos“ und konkurrieren nur über den niedrigsten Preis mit anderen Ländern.

* Dabei ist zu beobachten, dass der Wunsch nach gesunden, organischen Lebensmitteln zunimmt. Nur das kann die peruanische Landwirtschaft im internationalen Vergleich konkurrenzfähig halten. Die „Marca Perú“ taugt nur etwas, wenn sie auf gute, natürliche Produkte setzt.

 

In Ländern wie Bolivien, Chile und auch Guatemala gibt es starke Bestrebungen, die Gentechnik und die damit notwendigen Pestizide – Monsanto-Bayer lässt grüßen –zuzulassen  mit der Begründung, damit die wirtschaftlichen Probleme  aufgrund der Corona-Pandemie zu verringern.

Das würde Produkte wie Mais, Zucker, Baumwolle, Weizen und noch mehr Soja betreffen.

 

Heinz Schulze

 

unter Verwendung folgender Quellen: Fernando Eguren, Cepes, 13.7.20; Biocomopartiendo Nr. 3272020, 23.7.20, Lima; Foro Ecologico, 26.7.2020; frepap-presenta proyecto de ley 21998;  Juan Eduardo Gil Mora, Cusco, 16.7.20; A-. Gutierrez, Revista Latinoamericana de Genética, 2018; Luis Guerrero, glintglobal, mail. 24.7.2020

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