Neues aus der Arbeit der Infostelle Peru

 

ISP und neokoloniale Strukturen in der Entwicklungszusammenarbeit

Leonie Bröcheler hat in ihrer Masterarbeit über (neo)koloniale Strukturen und Diskurse in der internationalen Entwicklungspolitik geforscht. Dabei hat sie auch die Arbeit der Infostelle Peru daraufhin untersucht, inwieweit diese mit ihrer Arbeit neokoloniale Strukturen reproduziert oder verändert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ihrer interessanten Untersuchung kann auf unserer Homepage hier heruntergeladen werden.

 

Solidarität mit der Parlamentarierin Rocío Silva Santisteban

Rocío Silva Santisteban wurde als Kongressabgeordnete in vielen Medien angegriffen, beleidigt und bedroht. Im polarisierten Wahlkampf wurden viele politisch links stehende Personen in die Nähe des Terrorismus gerückt. Diese weit verbreitete und beliebte Technik ist unter dem Begriff des “terruqueo” bekannt (Terruco=Terrorist).

Am 17. und 18. Juni 2021 hat der TV-Journalist Humberto Ortiz Pajuelo, alias “Beto”, einen solchen Angriff in seiner Sendung “Beto a Saber” gegen Rocío Silva gestartet. Unter Rückgriff auf Fotografien aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Chorrillos, in dem Rocío in den Jahren 2006 bis 2010 als Seelsorgerin tätig war, wird ihr Freundschaft und Sympathisantentum mit der ehemaligen weiblichen Führungsriege von Sendero Luminoso unterstellt. Einige Gefangene dieser Terrororganisation hatten an den Literatur-Workshops von Rocío teilgenommen. Die Gefängnisleitung hatte offizielle Aufnahmen dieser Workshops mit den Teilnehmerinnen getätigt. “Beto” unterstellt, dass Rocío Silva die Gefangenen, die ihre “Freundinnen” seien, “besucht” und ihr Sympathisantentum bekundet habe. Seit der Sendung war Rocío Silva ununterbrochen intensiver medialer Hetze ausgesetzt.

Rocío Silva hat diese infamen Unterstellungen zurückgewiesen und in einem notariell beglaubigten öffentlichen Schreiben eine Richtigstellung und Entschuldigung gefordert. Die Infostelle Peru hat eine Unterstützungsaktion gestartet und zahlreiche deutsche und europäische Abgeordnete um Solidaritätsbriefe gebeten.

Beto Ortíz hat sich bis heute nicht entschuldigt. Als Castillo offiziell zum Präsidenten erklärt wurde, reiste er nach Mexiko und erklärte, er wisse nicht, ob er nach Peru zurückkehre. Dies hänge von den weiteren politischen Entwicklungen ab. Ortíz wurde schon vor Castillos Amtsübernahmen u.a. wegen Rebellion und Aufruf zur Gewalt angezeigt. Er werde „den Zirkus“, der mit anderen „politischen Feinden“ veranstaltet wurde, nicht mitmachen, sagte er  und bezog sich auf Alan García und Keiko Fujimori.

Sein Programm heißt jetzt “Beto a Saber Clandestino” und wird nun von Mexiko aus gesendet.

Wir danken allen, die Rocío Silva Santisteban mit Solidaritätsbriefen unterstützt haben!

(https://larepublica.pe/espectaculos/2021/07/21/beto-ortiz-viajo-a-mexico-tras-ser-investigado-por-sedicion/)

 

Arbeitsgruppen der ISP

Neben der Arbeitsgruppe „Jugend“, die sich schon mehrmals getroffen hat, starten im Herbst zwei neue thematische Arbeitsgruppen der ISP:

Die AG „Entwicklungszusammenarbeit – kritisch unter die Lupe genommen“ will Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, die Landeskonzepte für Peru und die „Einbettung“ der Entwicklungszusammenarbeit in die deutsche Außen(wirtschafts)politik kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Die AG “Coca in Peru – Droge für die Welt” will mehr öffentliches Bewusstsein über die desaströsen Folgen der Kriminalisierung der Coca-Pflanze herstellen, um langfristig politische Veränderungen zu erreichen. Die AG trifft sich am 21. September, um 19 Uhr zum ersten Mal.

Alle Treffen finden online statt. Interessierte sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen! Bei Interesse bitte in der Geschäftsstelle melden: info@infostelle-peru.de

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Hinweise

 

Virtuelle Bibliothek der GIZ Peru

Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ in Peru hat eine öffentlich zugängliche virtuelle Bibliothek mit vielen Publikationen eingerichtet:

https://cooperacionalemana.pe/Biblioteca/index/7

 

Treffen für peruanische Wissenschaftler*innen in Europa

Das “V Meeting of Peruvian Scientists in Europe – Synapsis 2021” wird vom 21. bis 23. Oktober in virtuellem Format von der Stadt Turku in Finnland aus stattfinden. Die Veranstaltung soll einen Raum für die Diskussion von Themen im Zusammenhang mit Wissenschaft, Technologie und Innovation bieten und hat den Anspruch, ein Mittel für den Kontakt und die Unterstützung der wissenschaftlichen Gemeinschaft der in Europa lebenden Peruaner zu sein, um die Verbindungen zwischen Forscher*innen und Studierenden aus verschiedenen Disziplinen zu stärken. Die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Details zur Veranstaltung finden Sie auf der Website: https://www.sinapsis-peru.org/

 

Neues Buch: Zwangssterilisierungen während des Fujimori-Regimes

Die Kulturwissenschaftlerin Inés Ruiz Alvarado hat eine Forschungsarbeit über die Zwangssterilisierungen zur Zeit des Fujimori-Regimes und über den Kampf der Opfer für Anerkennung veröffentlicht. Ein Interview mit der Wissenschaftlerin über ihre Arbeit ist auf der Seite der Kommunikationsplattform lamula zu sehen:

https://carlosmsotomayor.lamula.pe/2021/07/28/ines-ruiz-las-esterilizaciones-forzadas-son-un-caso-pendiente-que-urge-mirar/carlossotomayor/

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