Inés Rentería ist Ortsbeirätin in Wiesbaden und bringt Frauen und Mädchen bei, wie sie sich gegen Gewalt wehren können. Der Anfang in Deutschland war allerdings schwer.

 

In einer losen Reihe „Peruaner*innen in Deutschland“ stellen wir Migrantinnen und Migranten aus Peru vor, die sich in Deutschland für ihre neue Heimat engagieren.

Dieses Mal erzählt uns Ines Renteria aus Wiesbaden über ihre Erfahrungen in Peru und in Deutschland.

 

InfoPeru:  Wie war Dein Leben in Peru bevor Du vor 18 Jahren nach Deutschland kamst?

Ines Renteria: Ich bin in Nordperu geboren, in Ayabaca, in den Bergen von Piura. Im Herzen fühle ich mich immer noch als „Ayabaquina“.  Als ich vier war, zog meine Familie nach Piura. Dort bin ich aufgewachsen und habe Jura studiert. Eigentlich wollte ich Journalistin werden, aber mein Vater, der selber Richter war, und meine Mutter wollten doch, dass ich etwas „Richtiges“ mache.

In Piura war ich unter anderem Koordinatorin der Wahrheits- und Versöhnungskommission und habe viele Befragungen mit Opfern der Gewaltzeit durchgeführt. Drei Monate lang war ich auch  Richterin in Sullana, und habe das Justiz-System von innen kennengelernt.

In Piura lernte ich auch meinen deutschen Mann kennen, dann wurde mein Sohn geboren.

 

InfoPeru:  Wie war die Ankunft in Deutschland?

Vor 18 Jahren kamen wir mit einem 3-jährigen Sohn in Wiesbaden an. Damit begann ein neues Leben für mich. Ich musste Deutsch lernen, denn ohne die Sprache, das war mir klar, würde ich hier in Deutschland nichts machen können. Das war aber auch das Schwierigste, die Sprache. Wenn ich etwas nicht sagen kann oder es nicht so sagen kann, wie ich es will.

Und dann habe ich einfach bei allem mitgemacht, was für Migrant*innen angeboten wurde. Viele Jahre war ich ehrenamtliche Lotsin für Migrantinnen. Dann habe ich eine Fortbildung in Theater- und Erlebnispädagogik gemacht und bei verschiedenen Projekten für Kinder und danach für Frauen gearbeitet. Heute bin ich Lehrbeauftragte an der Hochschule Rhein-Main und bilde angehende Sozialarbeiter*innen in Gruppensozialarbeit, Theaterpädagogik, Beratung und Gewaltprävention aus.  Ich versuche einfach, das Beste aus dem zu machen, was mir das Leben bereit hält.

 

Infoperu: Letztes Jahr konnte man Dich dann auf einem Wahlplakat in Wiesbaden sehen. Wie kam es dazu?

 

Ines Renteria: Mich hat Politik schon immer fasziniert. Als Kind träumte ich davon, Bürgermeisterin von Ayabaca zu werden.

Als dann letztes Jahr ein mir bekannter Stadtrat mich um Unterstützung für seine Kampagne bat, habe ich ihm gesagt, dass ich mich auch aufstellen lassen will. Da ich den deutschen Pass habe, war das möglich. Fast hätte ich den Einzug in den Wiesbadener Stadtrat geschaft, und ich wurde mit einem sehr guten Ergebnis in den Ortsbereit von Wiesbaden-Mitte gewählt. Das war eine grosse Anerkennung  für mich, denn es hat mich soviel gekostet, es bis in ein deutsches Wahlamt zu schaffen.  Im Ortsbeirat  bin ich unter den 12 Beiräten die einzige mit Migrationshintergrund. Aber ich fühle mich nicht als Fremde, sondern ich bin ein Teil dieser Gesellschaft und habe die gleichen Pflichten und die gleichen Rechte wie alle Bürger*innen. In der Politik, in meiner Arbeit und meinem Leben sehe ich immer den Menschen zuerst.

Im Ortsbeirat beraten wir vor allem die Stadtgestaltung und haben auch ein eigenes Budget für Projekte. Ich setze mich vor allem für Frauenpolitik und Jugendliche ein.

 

 

Infoperu: Welche Aspekte Deiner peruanischen Kultur haben Dir hier in Deutschland geholfen?

Ines Renteria:  Zum einen die Offenheit für Neues und neue Menschen. Unser grosses Herz und die Gastfreundschaft. Und dann die grosse Kreativität bei der Suche nach Lösungen. Darin sind wir Weltmeister.  Und nicht zu vergessen unsere peruanische Küche: ich koche sehr gerne und gut und habe mit meiner Kochkunst viele Brücken bauen können.

 

InfoPeru: Was sind Deine weiteren Pläne?

 

Ines Renteria: Ich möchte weiter in der Gewaltprävention für Frauen tätig sein. Sehr gerne auch in Peru oder in Lateinamerika, das ist mein Spezialgebiet. Ich würde gerne eine bekannte und vertrauenswürdige Coach für Frauen in Lateinamerika und Deutschland werden; mein Traum ist es,  eine internationale Führungsschule für Frauen aufzubauen. Meine diesbezüglichen Pläne wurden durch die Corona-Pandemie gestoppt. Dafür gebe ich jetzt Online-Kurse für Jugendliche in Piura, darüber, wie sie ihre Liebesbeziehungen ohne Gewalt gestalten können.

Und in der Politik? Mal sehen, was noch kommt. Ich bin erst  mit 52 Jahren in die Politik gegangen, und es gefällt mir. Ich kann gut mit Leuten reden, die Leute vertrauen mir. Das ist in der Politik wichtig.

 

Das Interview führte Hildegard Willer

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