An dieser Stelle bringen wir drei Zeugnisse von Menschen, die in Peru unterschiedlich von der Corona-Quarantäne betroffen sind: Hausangestellte, eine Schulleiterin aus Juliaca und eine venzolanische Migrantin.

 

  • Hausangestellte

Sofia Mauricio schätzt, dass in Peru rund 1 Million Frauen als Hausangestellte arbeiten. Sofia Mauricio hat selbst 45 Jahre lang, seit ihrem 12. Lebensjahr, als Hausangestellte gearbeitet und leitet heute die Beratungsstelle „La Casa de Panchita“. Eine Umfrage, die sie unter 300 Hausangestellten durchführte,  ergab, dass die allerwenigsten den staatlichen Corona-Zuschuss erhalten hatten. 

Hausangestellte in Peru standen mit der plötzlich einsetzenden Quarantäne vor zwei Optionen: entweder sie blieben zu Hause und verloren meist ihre Jobs; oder ihre Arbeitgeber verlangten von ihnen, dass sie während der gesamten Quarantäne in die Häuser der Arbeitgeber zogen. Beide Optionen haben weitgehende Folgen, wie diese Zeugnisse zeigen:

„Ich heisse Gloria, seit der Notstand ausgerufen wurde, arbeite ich nicht mehr. Ich wohne in einem gemieteten Zimmer, habe keine Ersparnisse mehr, meine Familie lebt weit weg und sie ist auch sehr arm. Bisher habe ich keine Hilfe erhalten. Meine Vermieterin will mich rausschmeissen, weil ich die Miete nicht mehr zahlen kann“ 

„Ich kann seit dem Beginn der Quarantäne nicht mehr arbeiten, meine Arbeitgeber zahlen mich nicht mehr, weder meine Ferien noch meine Sozialabgaben. Sie sagen mir, ich hätte noch kein ganzes Jahr bei ihnen gearbeitet, deswegen würde mir nichts zustehen“

„Ich arbeite normalerweise von Montag bis Freitag, und habe Samstag und Sonntag frei. Aber jetzt bleibe ich wegen der Quarantäne die ganze Woche dort. Ich habe mehr Arbeit als vorher, und arbeite auch an meinen freien Tagen“

„Ich bin vor der Quarantäne jeden Abend nach Hause gefahren, aber musste jetzt eine Arbeit „cama adentro“, also mit Übernachtung im Haus, annehmen. Weit weg von meinen Kindern und meinem Mann, der auch seine Arbeit verloren hat. Wenn ich nicht arbeite, würden wir Hungers sterben. Es ist sehr traurig, so weit weg von den Kindern zu sein“

„Meine Arbeitgeber boten mir an, dass ich bei ihnen wohne und arbeite. Seit einem Monat verlasse ich das Haus nicht und kann meinen Sohn nicht sehen. Ich weine, ohne dass meine Arbeitgeber es mitbekommen, ich muss durchhalten, denn ich bin alleinerziehend“.

 

  • Eine Schuldirektorin in Juliaca

 Ich leite eine private Grundschule mit 170 Schülern in Juliaca. Gleich zu Beginn der Pandemie hatten wir eine Notfallsitzung mit den Eltern, verschoben zuerst den Schulanfang um eine Woche.  Nachdem die staatlich verordnete Quarantäne immer länger wurde, mussten wir eine virtuelle Lösung suchen.  Das war nicht einfach, da viele unserer Eltern sehr einfach leben und kein Internet und keinen PC  zu Hause haben.  Da ist es gut dass der Staat das Schulprogramm „Aprende en casa“  via Fernseher und Radio ausstrahlt.  Wir haben beschlossen, da mitzumachen, und unseren Unterricht per whatsapp-Gruppen zu gestalten.  Von unseren 170 Schülern haben 160 ein Smartphone mit Whatsapp in der Familie.  Und jetzt nach 2 Monaten Fernunterricht, sind uns „nur“ 4 Schüler „abhanden gekommen“, die einfach nicht mehr reagieren.  Unsere Schule war eine der ersten, die den monatlichen Schulpreis von umgerechnet rund 25 Euro um die Hälfte gesenkt hat. Damit  konnten wir die Eltern halten. Denn viele Privatschulen verloren ihre Schüler während der Pandemie an die staatlichen Schulen. Dort sitzen zum Teil jetzt bis zu 55 Schüler in einer Klasse.  Leider mussten wir deswegen auch die Löhne der Lehrpersonen heruntersetzen, zahlen aber immerhin die vollen Sozialabgaben weiter. 

Die meisten unserer Eltern sind mit den Kindern in ihre Dörfer in der Umgebung gegangen, rund 50% der Kinder sind immer noch dort, bei Grosseltern oder Verwandten.  5 – 10 Schüler wohnen abgelegen, haben nur einmal in der Woche die Möglichkeit, die Aufgaben vom Netz herunterzuladen. 

Es ist viel anstrengender per whatsapp Unterricht zu machen, als wenn man die Schüler vor sich sitzen hat. Ich mache kleine whatsapp-Videos für meine Vorschulkinder, das braucht viel mehr Vorbereitung. Inzwischen machen auch die Schüler und ihre Mütter Videos und schicken mir, wie sie den Tag verbringen. Da merken die Eltern, wie schwierig es ist, solche ein Video herzustellen.

 Es sieht so aus, als ob das ganze Schuljahr nun mit Fernunterricht ablaufen wird. Aber insgeheim hoffe ich doch, dass wir im September unsere Schule wieder öffnen können.

Franziska Schilliger Almonte , leitet die Schule https://instutovida.jimdo.com/schulprojekt-kausana-wasi/

 

 

  • Eine Migrantin aus Venezuela

Vor der Quarantäne hatte ich eine guten Job, ich verkaufte Kaugummiapparate für grosse Geschäfte oder Veranstaltungssäle. Als der Laden dann mit der Quarantäne geschlossen wurde, stand ich ohne Arbeit da. Nicht nur, dass ich kein Geld hatte, ich muss ja Miete zahlen. Ich teile die Wohnung mit zwei weiteren Personen. Gott sei Dank ist unsere Vermieterin zuvorkommend, und stundet uns die Miete. Andere Venezolaner haben nicht so viel Glück und wurden auf die Strasse gesetzt. Wie ich überlebt habe in diesen fast vier Monaten ? Dank Freunden, die mich unterstützt haben.  Bisher musste ich nicht auf die Strasse gehen, um dort irgendeinen Job zu ergattern, trotz Ansteckungsgefahr.  Wenn ich einkaufen gehe, sehe ich vor dem Markt viele venezolanische Familien, die um Essen betteln oder Bonbons verkaufen. 

Ich versuche nun Putzmittel über Internet-Marketing zu verkaufen. Aber das ist ein schweres Geschäft, denn Du kannst ja nicht durch dein persönliches Auftreten überzeugen.

Unser Problem ist auch, dass wir jetzt kein Geld nach Hause nach Venezuela schicken können, obwohl unsere Familien darauf angewiesen sind. Ich hoffe, dass die Situation bald besser wird, dass ich rausgehen kann und Arbeit finden. Ich möchte gerne hier in Peru bleiben. Aber wenn ich bis Januar/Februar keine Arbeit finde, werde ich zurückgehen

Jhosneida (32 ), hat in Venezuela als Sonderpädagogin gearbeitet.

 

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