„ Ownership in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbei“

Mitschrift des Beitrages von Carlos Herz, RED Peru, bei der Entwicklungspolitischen Fachtagung „Verantwortung – Teilhabe – Ownership. Erfahrungsaustausch zu Proejkten der Entwicklungszusammenarbeit“, die am 18. November 2011 im Münchner Eine Welt Haus stattfand.

Wer sind die Eigner von Projekten?

Das  ist nicht einfach zu beantworten. Das „Eigentum“ hängt sehr davon ab, was oder wer die Initiative und mit welcher Art von Absicht formuliert. Häufig verstehen wir soziale Basisorganisationen als Projekteigner und die anderen als Teil des Prozesses. Das ist gut oder wir wollen, dass es so sei, aber das Spektrum ist vielfältiger, weil auch einige andere Akteure auf den Plan treten; hier seien einige genannt.

  • ·Die Institutionen der Zusammenarbeit, die auf unterschiedliche Weise und unterschiedlichen Ebenen beitragen (nur finanziell, technisch, direkte Begleitung, usw.)
  • ·Die Basisorganisationen in ihren verschiedenen Ebenen und Erscheinungsformen (sie sind niht homogen und können ländliche, städtische, ethnische, produzierende, gewerkschaftliche Gruppen etc. sein)
  • ·Es können Regierungen (lokal, reginal, national) beteiligt sein, je nach Anlage des Projekts und entsprechenden Zuständigkeiten und Abkommen
  • ·Die zwishengeschalteten NGOs, die oft die Arbeit einer Geldgeberorganisation mit der Basisorganisaion erleichtern (Management)
  •   Universitäten oder andere Bildungseinrichtungen, die inzwischen eine größere Rolle bei der Wissensbildung für die Projekte spielen

Ich glaube, dass es bei Ownership nicht nur um Eigentum oder Aneignung geht, sondern viel mehr darum, klare und transparente Beziehungen zwischen den verschiedenen am Projekt Beteiligten herzustellen und die Rolle, die jeder von ihnen dabei spielt oder spielen sollte, festzulegen. Die herausragende Rolle, die den sozialen Basisorganisationen zukommen soll, hebelt das Recht der Institutionen der Zusammenarbeit nicht aus, Prioritäten zu setzen oder ihre Unterstützungslinien zu begrenzen, ebensowenig wie es die Regierungen vom rechtsstaatlichen Handeln abhält oder die Basisorganisationen davon entbindet, mit den anderen Akteuren vereinbarte Vepflichtungen auch einzuhalten.

Zusammengefasst: Wenn der Ausgangspunkt die Suche nach protagonistischer Beteiligung der Basisorganisationen in den verschiedenen Phasen eines Projekts ist, vom Entwurf bis zur Auswertung, dann reicht der gute Wille allein nicht, sondern es müssen auch die Bedingungen dafür geschaffen werden, dass das erreicht werden kann. Deshalb handelt es sich um einen nicht immer raschen Prozess, der ein klares Rollenverständnis aller Beteiligten voraussetzt. Auf keinen Fall sollte man den Eindruck erwecken oder so tun, als läge die Ownership bei der sozialen Basisorganisation, wenn in Wirklichkeit hinter ihr NGOs oder Geldgeberinstitutionen agieren. Es gibt ein Ungleichgewicht an Macht, unterschiedliche Visionen, Wahrnehmungen und Erwartungen (manchmal bis hin zu unvereinbaren, aber versteckten) und es sind soziale, kulturelle und persönliche Interessen im Spiel.

Das Vernünftigste: transparente Beziehungen, interkultureller Dialog, klare inter-institutionelle Regeln und Pflichten, eindeutige Mechanismen für Begleitung, Auswertung und Konfliktlösung, Wille aller Akteure zur Zusammenarbeit.

 

Projekte oder Programme

Die Realität führt die Entwicklungsorganisationen zur Finanzierung punktueller Projekte, die mit den eigenen Ansätzen, Überlegungen und Schwerpunkten übereinstimmen, zeitlich meist sehr eng angesetzt sind und die immer innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nachhaltig sein sollen.

Die Erfahrung zeigt, dass Projekte dann effektiv und erfolgreich sind, wenn sie Teil von Prozessen oder größeren Zusammenhängen sind, an denen andere Projekte und Einrichtungen beteiligt sind und in denen Kräfte gebündelt werden, um bei unterschiedlichen, sich ergänzenden Zugängen gemeinsame Ziele zu erreichen. Ein einzelnes Projekt oder eine einzelne Institution kann nicht alles, aber so kann man einen gemeinsamen Blick auf die sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten werfen, in denen jeder tätig ist. Aus dieser Gesamtschau sollte sich die Funktion ergeben, die das Projekt – in welchem Zeitraum, unter welchen Bedingungen und mit welcher Art von Bündnis – erfüllt oder erfüllen soll. Wenn keine substanziellen Beiträge des Projekts für einen der Bereiche festgestellt werden können, sollte man es gar nicht erst beginnen, sondern gleich geeignetere Prozesse und / oder Ansätze suchen.

Sogar bei ganz kleinen Projekten sollte man sich immer fragen, was es zur Lösung der größeren oder grundlegenden Problematik beiträgt, die im jeweiligen Kontext vorhanden ist, und wie es sich mit anderen Initiativen ergänzen kann, auch wenn manchmal die erhofften Synergieeffekte ausbleiben.

Die Institutionen der Zusammenarbeit selbst sollten mit ihren Fragen und ihrer Begleitung dazu beitragen, dass die Beteiligten vor Ort ihre begrenzten oder isolierten Sichtweisen überwinden, die so oft zu wirkungs- und folgenlosen Projekten führen.

Das Wichtigste für Projekte ist, dass sie eine Entwicklungsperspektive haben, die sie in größere Prozesse einbettet. Hier muss deutlich herausgearbeitet werden, welche Komponenten vom Projekt selbst abgedeckt werden und welche Komponenten anderer Akteure dazu beitragen, dass – gemessen am Einsatz — Vernetzung, Erfolg, Wirkung, Öffentlichkeitswirksamkeit, etc. erreicht werden.

 

Die oberste Verantwortung der Projektbeteiligten

  • · Aufrichtigkeit und Transparenz als durchgängige Praxis um Vertrauen und belastbare Beziehungen zu schaffen
  • · Aufbau von Dialogmechanismen als Bestandteil eines permanenten Austauschs und des interkulturellen Lernens
  • · Aufstellen von klaren Regeln für die Projektdurchführung, Mittelverwaltung und die Erfüllung der auf beiden Seiten eingegangenen Verpflichtungen
  • · Exakte Aussagen zu Schwerpunkten und Projektkriterien der Geberorganisation und dazu, wie sich geförderte Projekte in die jeweils vorhandenen Entwicklungsprozesse einbinden sollten, damit sie größere Wirkung erzielen
  • · Auf der Grundlage der von Kooperationsstellen vorgelegten Standards für Projekte sollten Leitfragen zur Beantwortung durch die Begünstigten entwickelt werden
  • · Definition von, nicht nur formalen, realistischen Kriterien hinischtlich der geforderten Eigenleistung der Projekte vor Ort
  • · Projekte (und Kriterien) müssen die Arbeit in Netzwerken beinhalten um zu Prozessen größerer Reich- und Tragweite beizutragen

 

Carlos Herz Saenz, RED Peru (Netzwerk lokaler Entwicklungsprozesse)

Übersetzung: Trudi Schulze