Im Grenzgebiet von Brasilien und Peru leben noch nie kontaktierte bzw. freiwillig isolierte Indigenas. Wie sollen Gesellschaft und Politik mit deren Wunsch nach Isolation umgehen ? Oder wie könnte eine Annäherung an die moderne Welt aussehen ? Heinz Schulze stellt die Argumente für und wider Kontaktaufnahme vor.Bei den in freiwilliger Isolation lebenden Indigenen im südlichen Peru, z.B den Mashco Piro oder den Nanti (Region Madre de Dios) handelt es sich nicht um Indigene, die seit der Besiedlung dort leben, sondern um Nachkommen derjenigen, die sich vor 150 Jahren vor den Gräueltaten der Kautschukhändler zurückgezogen haben. Geschätzt wird, dass während des Kautschuk-Booms  ca. 250.000 Indigene umgekommen sind. Ein Name taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf: Fitzcarrald, ein brutaler Menschenschinder. Der Film Fitzcarraldo von Werner Herzog mit Klaus Kinski trifft die Realität nicht. Allerdings wurden die als Film-Statisten angeheuerten Asháninka bei den Dreharbeiten in kolonial anmutender Manier behandelt. Rosa Montalvo macht auf eine weitere Tatsache aufmerksam: Die versklavten Mashco Piro ermordeten Carlos Sharff, der als einer der Aufseher von Fitzcarrald ca. 2.000 Indigene bei der Kautschukproduktion befehligte. Wenn ein einziger Aufseher so viele Sklaven hatte, wie viele waren es wohl im Hoheitsgebiet Fitzcarralds, am Fluss Purus und der Manú-Region? Nach der Ermordung von Sharff flüchteten die Mashco Piro tief in andere Teile des Regenwaldes bis weiter nördlich in das heutige Acre in Brasilien. Die in freiwilliger Isolation Lebenden verbrachten die ganzen Jahrzehnte im Wald; seit 2011 werden sie vermehrt gesichtet.
Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die Ursachen heutiger Probleme in Zusammenhang mit den Nicht- Kontaktierten und auf vorhandene Lösungsansätze.

Nicht-Kontaktierte in Peru
Der frühere peruanische Präsident Alan Garcia sagte sinngemäß, dass die Antikapitalisten die Figur der Nicht-Kontaktierten erfunden hätten um Peru am Fortschritt zu hindern. Dadurch würde Peru auf Millionen Dollar Einnahmen verzichten, die im peruanischen Urwald durch Resssourcenabbau erzielt werden könnten, nur, weil es angeblich einige Indianer dort gäbe. Alan Garcia erklärte später die Zerstörung von Regenwald zur Umwandlung in Palmölplantagen zur Angelegenheit von nationaler Bedeutung und führte mit der brasilianischen Baufirma Odebrecht Vorverhandlungen über den Bau zahlreicher Staudämme im Regenwald zur Stromgewinnung für die brasilianische Industrie. Der damalige Präsident von PeruPetro erklärte, es sei absurd zu behaupten, dass es Nicht-Kontaktierte gebe, da keiner sie gesehen habe.

Die jetzige Regierung von Präsident Humala leugnet nicht mehr die Existenz von Nicht-Kontaktierten. Sie wurden in letzter Zeit ja nicht nur mehrmals gesehen, sondern auch fotografiert. Schätzungen gehen von ca. 8.000 Nicht-Kontaktierten im peruanischen Regenwald aus, die peruanische Regierung spricht von „eher 5.000“.
Am 5.8.2015 erließ das peruanische Kulturministerium die Resolution 258-2015-MC, mit der der „Plan besonderer Aufmerksamkeit für die Mashco-Piro an den Ufern des Alto Madre de Dios bestätigt wurde, die das Leben der isolierten Bevölkerung schützen soll, die in den vergangenen Jahren unkontrollierten Kontakten ausgesetzt war.
Die Abteilung „Interkulturelle Angelegenheiten“ des Ministeriums sprach anfangs von „sporadischem Erscheinen“ dieser indigenen Gruppen, später aber waren diese so häufig, dass ein Plan entwickelt wurde, um das Leben dieser Bevölkerungsgruppen durch falsche Kontakte nicht zu gefährden. Die Zeitschrift Actualidad Ambiental sprach mit der Anthropologin Lorena Prieto Coz , Leiterin der Abteilung „Isoliert lebende indigene Völker und Anfangskontakte“ im Kultusministerium. Sie stellte klar, dass der früher, auch von ihnen benutzte Begriff „kontrollierter Kontext“ falsch sei, da das peruanische Ministerium nicht dasselbe machen würde wie die brasilianische „Indianerbehörde“ (FUNAI ), nämlich isoliert lebende indigene Bevölkerung zu suchen, um gegen ihren Willen Kontakt mit ihr aufzunehmen. Weiter betonte sie, dass der ursprünglich von ihrer Behörde ins Gespräch gebrachte Begriff „kontrollierte Kontaktaufnahme“ bedeuten würde, diese Indigenen zu „zivilisieren“, ihnen Personalausweise zu geben und Sozialprojekte zu initiieren, die eine Integration fördern würde. Das Konzept der Kontaktaufnahme würde speziell von Missionaren evangelikaler Religionsgemeinschaften gefordert, die die „unchristlichen Indigenen“ zum „wahren Glauben“ bringen wollen.
Der oben beschriebene Plan gilt als Notstandsplan bis zum Dezember 2015. Danach sollen die gemachten Erfahrungen analysiert und in einem umfassenden neuen Plan integriert werden. Wie der aussieht, ist noch nicht bekannt.

Für den Präsidenten der Region Madre de Dios, Luiz Otsuka S. stellt sich die ganze Angelegenheit so dar: „Die ganze Sache ist einfach… Die isolierten Gruppen haben Hunger und wollen da raus. Warum sollen wir sie nicht ein für alle Mal zivilisieren? Warum sie nicht in die Gesellschaft integrieren? Dafür sind wir als Regionalregierung zuständig“. Dieses Konzept wollte er auch sofort in die Praxis umsetzen, indem er durch das dortige Naturschutzgebiet den Bau einer Straße genehmigte. Hier ging aber die zuständige Umweltbehörde (Sernap) dazwischen. Sie nahm die Vorermittlungen gegen Otsuka auf, weil er und seine Regionalregierung gegen Gesetze, Regeln und Auflagen verstoßen hat, in diesem Schutzgebiet eine Straße bauen zu lassen. Dieser Ansicht schloss sich das Umweltministerium an. Dieses sieht das Ziel gefährdet, das mit der Schaffung des Nationalparks Manu verfolgt wird.

Ungebetene Gäste & Medien
In den letzten vier Jahren wurden immer öfter Nicht-Kontaktierte in kleinen Gruppen an den Ufern des Flusses Alto Madre de Dios im Nationalpark Manú, in der Nähe der indigenen Machiguenga-Dorfgemeinschaft Shipetiari (im Distrikt Fitzcarrald), gesichtet. Am 9.9.2014 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass sechs Frauen der Mashco Piro nach dem Überfall auf eine Touristenherberge im Nationalpark mit ihrer Beute (Metalltöpfe und dergleichen) in den Wald zurückgelaufen seien. Im Jahre 2015 kamen Mashco Piro schon fünf Mal „zu Besuch“ und nahmen Werkzeuge (Macheten) und Nahrungsmittel mit. Am 1.5.15 töteten die Mashco Piro bei einem dieser Überfälle einen jungen Mann mit einem Pfeil – ungeklärt, warum. (Es gab umfangreiche internationale Berichterstattung – es geht schließlich um “Wilde”. Als neun Monate zuvor die Holzfällermafia vier Asháninka, Aktivisten gegen illegalen Holzeinschlag, erschoss, erregte das weniger Aufsehen.) Die Journalistin Mitra Taj zitiert als Beweis dafür, dass die Nicht-Kontaktierten unzivilisiert seien, einen Bewohner des Dorfes Diamante, Henry Bonifaso: „Einmal haben wir ihnen eine Flasche gekühlter Limonade als Gastgeschenk ans Flussufer gelegt. Ein Mann hat sie in die Hand genommen und als er merkte, dass sie kalt war, hat er sie weggeworfen. Er wußte halt nicht, was das war.”

Reaktionen der überfallenen Dörfer
Aus einer schriftlichen Erklärung des Dorfes Shintuya vom 8.3.2015 geht hervor: Die Mashco Piro tauchen seit 2011 in der Umgebung auf und dringen , wohl aus Not, in die Anpflanzungen und Häuser ein. Der regionale Zusammenschluss der indigenen Organisationen FENAMAD rede nur und verbiete den Anwohnern, zu den Mashco-Piro in den Wald zu gehen und ihnen zu helfen, aus ihrer Isolation herauskommen, in die sie getrieben worden seien. Das Dorf fordert Unterstützung, damit die „Nicht-Zivilisierten“ nicht genetisch degenerieren, wenn sie nur in ihrer geschlossenen Gruppe leben.
Der Dorfchef Henry Rosa Alvares aus dem Nachbardorf beschreibt in fast gleichen Worten in seiner schriftlichen Stellungnahme die Situation und fügt noch hinzu: „Wir sind bereit, sie aufzunehmen und sie lehren zu arbeiten , damit sie nicht mehr stehlen müssen.“
Im offenen Brief aus der Ortschaft Diamante, im Distrikt Fitzcarrald, heißt es, dass sie als Yne dieselbe Sprache sprächen wie die Nicht-Kontaktierten und diese ihnen des Öfteren erklärt hätten, dass sie hungrig und krank seien und leben wollten wie die Menschen in der Ortschaft. Sie verweisen darauf, dass die Mashco Piro vor den Gräueltaten der früheren Kautschukhändler geflohen und dadurch verurteilt seien, heute durch den Urwald zu ziehen, obwohl sie sich heute integrieren und aus ihrer Zwangsisolation herauskommen wollten.

Über den richtigen Umgang mit den Waldmenschen
Im Kern geht es bei der Frage des richtigen Umgangs mit den isoliert lebenden Mashco Piro um folgende Positionen und Vorschläge:

a. Keinerlei Kontakt (Benennung von nicht zu betretenden Gebieten), Kontaktaufnahme und behutsame Kontaktaufnahme zu denen, die nicht mehr isoliert leben wollen. Dieses absolute Zutrittsverbot zu den geschützten Territorien ist geltendes Recht in Peru.
Luis Felipe Torres, Berater im peruanischen Kultusministerium, Abteilung Indigene Völker, betont, dass dort sowohl die isolierten als auch die in Dorfgemeinschaften lebenden Indigenen geschützt werden müssten. Er vertritt das Kein-Kontakt-Prinzip, weil die Nicht-Kontaktierten freiwillig isoliert lebten und Kontakt zur “Zivilisation” sehr gesundheitsgefährdend sei und bis zum Aussterben führen könne.
Ebenfalls sprechen sich für das Konzept „keinerlei Kontaktaufnahme und Sicherung der Territorien von isoliert Lebenden“ u.a. der regionale Zusammenschluss der indigenen Dorfgemeinschaften (FENAMAD) und der Zusammenschluss Indigener Organisationen in Peru, AIDESEP, aus.

b. Pro Kontaktaufnahme
Das apostolische Vikariat in der betroffenen Region im südlichen Regenwald Perus beruft sich auf Menschen aus der Ortschaft Diamante und deren Berichte, dass sie mit den Nicht-Kontaktierten Fussball am Fluss spielten, gemeinsam gefeiert und ihren Masato (auch alkoholisch aus Maniok) getrunken sowie Kenntnisse und Informationen ausgetauscht hätten. Nicolás Flores (el Shaco) aus dem Dorf Shipetiari half den Mashco Piro viele Jahre durch den Tausch von Nahrungsmitteln.
Derzeit findet eine “Kontaktaufnahme” in der Form statt, dass Mashco Piro auf dem Fluss fahrende Personen auffordern, ihnen Bananen, Maniok, Macheten oder Töpfe zu überlassen. Die Gefahr ist groß, dass insbesondere die Touristen durch Kleiderspenden die gefürchteten Erkältungskrankheiten übertragen, oder Krankheiten absichtlich durch „Spenden“ von Personen aus dem Drogengeschäft, Holzfällern oder illegalen Goldsuchern verursacht werden. Diese makabre “Säuberungstechnik” ist aus anderen Gegenden des Regenwalds bekannt. Dass eine Kontaktaufnahme tragisch enden kann, zeigte auch das Beispiel Shell: Arbeiter der Firma nahmen Kontakt zu Isolierten auf, worauf etwa die Hälfte der kontaktierten indigenen Gruppe verstarb; die Rede ist von mehr als 200 Toten.
Untersuchungen über die Gesundheitssituation der Nicht-Kontaktierten Indigenen gibt es nicht. Wenn aber in der Region Madre de Dios aufgrund der kriminellen Goldgewinnung an den Flüssen acht von zehn Personen eine sehr hohe Dosis von Quecksilber im Körper aufweisen, ist davon auszugehen, dass die dadurch entstehenden Erkrankungen um die nicht-sesshaften Menschen keinen Bogen machen.
Die Vertreter dieser kontrollierten Kontaktaufnahme sehen diese als gerechtfertigt, weil, so ihre Aussagen, die Betroffenen gar nicht mehr in ihrer Isolation” leben wollten.
Eine Sache ist das Handeln der Kultur-und Umweltbehörde. In einer „anderen Liga“ spielen die Ministerien Bergbau, Landwirtschaft, Wirtschaft etc. Neue Gesetze sollen die Ausbeutung des Regenwaldes weiter erleichtern. Hier handelt es sich um die Gesetze Nr. 1197 und 1210. Dazu Juan Carlos Ruiz M. vom Justicia Viva Blog (IDL – Instituto de Defensa Legal): Diese Gesetze sollen Kauf und Enteignung von Landbesitz vorantreiben und die Überwindung vorhandener „juristischer Schwierigkeiten“. Das gilt besonders für Projekte und Vorhaben im Bereich der Infrastruktur und extraktiver Industrie. Intention und somit die große Gefahr dieser Gesetze ist, die verfassten Landrechte (indigenes Geheimschaftland) weiter auf zu weichen. Indigene Dorfgemeinschaften haben ihr Land als Kollektivland, nicht als Privatbesitz. Die Mitglieder dieser Dorfgemeinschaften erhalten ihre Parzellen zur Nutzung. (Es können Mitglieder einer Dorfgemeinschaft aber woanders Land kaufen, das ist dann privater Besitz). Die Vorstellung ist, das Gemeinschaftsland wie individuellen Privatbesitz behandeln zu können.
In der Analyse der Gesetzestexte stellen die Juristen von IDL fest, dass u.a. darin vom Schutz der Nicht-Kontaktierten Indigenen die Rede ist. Aber es gibt keinen Hinweis auf den Schutz von kollektivem Land im Regenwald und den Anden. Damit besteht die Gefahr, dass in der aktuellen Diskussion um die Rechte der Nicht-Kontaktierten klammheimlich die Rechte der anderen indigenen Gemeinschaften verwässert werden.
IDL weist weiter darauf hin, dass diese Gesetze zusätzlich zu früheren Anti-Regenwald-Gesetzen und Erlassen beschlossen werden. Sie nennen z.B. die Aufweichung des Umweltverträglichkeitgesetzes (EIA), dem Gesetz, dass die Umwelt nicht mehr als selbst zu schützendes Gut zu sehen ist oder das Gesetz 30327, das in Kraft tritt, wenn im Regenwald Vorhaben anstehen, die von „nationalem Interesse“ sind.

Position der örtlichen katholischen Kirche
In einer dreiseitigen Stellungnahme des örtlichen „Bischofs“ (Vicariato Apostolico) von Puerto Maldonado und die Missionsstation des Dominikaner-Ordens heißt es u.a.:

Nach der Betonung, dass die Dominikaner seit 1902, also mehr als 100 Jahre mit den Menschen dort leben und Kenntnis von indigenen Gruppen hätten, die von der Geschichte von ihren eigenen Völkern getrennt worden seien, es also Familien seien, die sich früher veranlasst gesehen hätten in Abgeschiedenheit zu leben um sich vor den Übergriffen des Weißen Mannes zu schützen… , wird weiter argumentiert:

„Diese freiwillige Gefangenschaft war nicht gewünscht sondern entstand durch Zwang. Wir Menschen wollen in Gemeinschaft leben, nie alleine. Eine kleine Gruppe von Menschen, die durch den Urwald zieht, kann sich nicht erhalten: Nicht kulturell, nicht biologisch. Je mehr wir die indigenen Völker kennen, desto mehr sind wir der Überzeugung, dass sie in Konditionen von Freiheit und mit Unterstützung sehr kommunikativ sein können. Deshalb akzeptieren wir in keinem Fall die Idee einer Isolierung und das als von den Mashco Piros gewollt, darzustellen.“
Weiter betonen die Missionare, dass sie mit erzieherischen Mitteln und sozialen Programmen daran arbeiteten, dass die Indigenen in ihrer Region gestärkt würden… und, dass die Aktivitäten der indigenen Föderation FENAMAD verhängnisvoll seien und dass es nicht anginge, dass indigene Organisationen sich von internationalen Organisationen beeinflussen ließen.
(Anmerkung: Ein Teil der Gelder für die o.g. Programme kommen aus den Zuwendungen der staatlichen Erdölgesellschaft, H.Sch.)

Position des regionalen indigenen Zusammenschlusses (Föderation) FENAMAD
Die Federación Nativa del Rio Madre de Dios y Afluentes betont in ihrer Erklärung zunächst, dass sei seit 1982 die Vertretung der dortigen 33 indigenen Dorfgemeinschaften ist. Als allein legitimierte Organisation der Indigenen selbst setzt sie sich ein für das Recht der Nicht-Kontaktierten auf die biologische und kulturelle Unversehrtheit (Leben). Dabei nimmt FENAMAD Bezug auf geltende nationale und internationale Normen, die den absoluten Schutz ihrer Territorien vorsehen, wie die ILO-Konvention Nr. 159 mit den Artikeln 13 und 14.. FENAMAD kritisiert die Vorstellungen des Apostolischen Vikariats und der Dominikaner-Mönche, dass die Mashco Piro aus Gründen ihres früheren Rückzugs in einem „Zustand des Irrtums“ leben und, dass diese Gründe heute nicht mehr vorhanden seien. Das würde so nicht stimmen, denn die aktuellen Gefahren gegen die Nicht-Kontaktierten würden heute systematisch weitergehen. FENAMAD verweist darauf, dass z.B. die nationale peruanische Erdölgesellschaft Petroperu Konzessionen für zwei größere Gebiete (speziell für das Lote 187) in dieser Region beantragt hat.
Weitere Argumente sind: Die Haltung der Katholischen Kirche dort unterstütze all diejenigen Kräfte, die die Indigenen evangelisieren wollen, was eine Assimilierung bedeuten würde und eine gewaltsame Integration sei. „Die Aussagen der Missionare zielen darauf ab, uns Indigene zu spalten und uns als Zusammenschluss der indigenen Dorfgemeinschaften schlecht zu machen.“ Es wird gefordert, dass Alleingänge unterlassen werden sollten, und dass zum Wohl Aller im vorhandenen Netzwerk mitgearbeitet werden solle. Es sei verwunderlich, dass die Missionare, von denen viele Ausländer sind, sich als die wahren Kenner der komplizierten Situation präsentieren und die indigenen Organisationen als gefährliche Akteure darstellten. –

FENAMAD erinnert auch an einen sehr zwiespältigen Fall: 1984 nahmen die Missionare eine Gruppe der Nahuas bei sich in der Missionsstation Shintuya auf. Die Indigenen verhielten sich aber „nicht angemessen“ – so die Aussage der Missionare – und wurden wieder rausgeworfen, in eine schlechtere Lebenssituation als vorher.-
FENAMAD sieht als weitere eigene Aufgabe, die angrenzenden Dörfer zu schulen, wie sie sich besser verhalten und auch schützen können. Gefordert wird, dass die Menschen in den umliegenden Dorfgemeinschaften endlich z.B. gegen die Grippe geimpft werden, damit sie nicht die Unkontaktierten anstecken. Am 21.7.15 kritisierte FENAMAD das Vorhaben der peruanischen Regierung, eine „kontrollierte Kontaktaufnahme“ mit den Mashco Piro zu beginnen. Das sei unangemessen, sehr gefährlich und verstoße gegen geltende nationale und internationale Abkommen. Außerdem wird kritisiert, dass auch hier diese Entscheidung ohne Beteiligung der indigenen Organisationen erfolgt sei. Es sei eine Anmaßung zu sagen, dass die Mashco Piro nicht in freiwilliger Isolation leben wollten, sondern mit dem Rest der Gesellschaft zusammen leben wollten. FENAMAD betont nochmals, sich vehement dafür ein zu setzen, dass das Territorium der Mashco Piro als absolutes Schutzgebiet von der peruanischen Regierung erklärt und gegen das Eindringen Dritter gesichert wird. Das sei so ja auch bereits 2007 im Programm zum Schutz von indigenen, in freiwilliger Isolation lebenden Völkern (PIAN) sowie im dafür erlassenen Gesetz Nr. 28736 vom peruanischen Parlament beschlossen worden.
Der Dachverband der indigenen Organisationen Perus AIDESEP spricht sich ebenfalls klar gegen eine kontrollierte kontaktierte Kontaktaufnahme aus und verweist auf das Recht der Selbstbestimmung der indigenen Völker.

Andere Stimmen
Die in Peru maßgebliche wirtschaftsnahe Zeitung El Comercio  ist  für eine kontrollierte Kontaktaufnahme.
Es gibt einige Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Eine ist Pro Purus (mit Sitz in der Hauptstadt Lima) die sich für eine nachhaltige Entwicklung in der Region Purus im Department Madre de Dios, (ca. so groß wie Bayern und Baden-Württemberg – Purus Nationalpark) engagiert. Eine andere ist die Upper Amazon Conservancy (USA), die u.a. mit Flugzeugen den Regenwald überfliegt, um Siedlungen der Nicht-Kontaktierten zu finden. Auffällig ist, dass sie – so zumindest der Bericht in der Süddeutschen Zeitung (20.-21.6.15: Die letzten isolierten Völker der Welt) – gar keine Kooperation mit dem regionalem Netzwerk oder der FENAMAD hat.

Schlussbemerkung
Die ganze Situation ist, wie man lesen konnte, kompliziert. Ein Schutz der Nicht-Kontaktierten wird nur möglich sein, wenn die peruanische Regierung ihre internationalen Zusagen einhält und wenn gesichert wird, dass die „für die industrielle Welt“ interessanten Bodenschätze dort nicht ausgebeutet werden.

Heinz Schulze

Quellenverzeichnis (nach Datum geordnet):
Beatritz Huertas Castillo: Los pueblos indigenas en aislamiento, IWGIA, 2002
Daily Motion:: Asi son los Mashco Piro, video, 22.8.2013
Reuters-tickers, übernommen aus swissinfo-ch vom 10.9.2014
Comunicado de la comunidad Diamante, 23.3.15
Menores del pueblo Nanti mueren por epidemía, Servindi, 22.4.15
Gaceta Ucayali: Mashcopiros: Flechan y matan a un comunero en Madre de Dios, 1.5.15
Madre de Dios: 8 de cada 10 personas presentan niveles altos de mercurio; Carniege Institution for Science, in: inforegion, Peru, 2.5.15
Indigenas aislados mataron a joven de comunidad nativa, El Comercio, Lima, 3.5.15
Comunicado de Vicariato Apostolico de Puerto Maldonado y los Misioneros Dominicos, Lima, 7.5.15
Mons. David Martinez de Aguirre, Bischof (Vicariato Apostólico) von Puerto Maldonado, Lima, 7.5.15
FENAMAD rechaza contacto „controlado“ de indígenas en aislamiento und: Pronunciamiento de FENAMAD contra el Vicariato Apostolica de Puerto Maldonado, 19.5.15 und in Servindo vom 20.5.15.
Frederica Barday: Los Nanti – un pueblo amazónico en aislamiento vulnerable. Centro de Politicas Públicas y Derechos Humanas. Peru Equidad, in Servindi, 21.5.2015
Manuel Ansede: Die letzten Nicht Kontaktierten Stämme verlassen den Regenwald, El Pais, 4.6.15, übersetzt von Trudi Schulze-Vogel
Andrew Lawler: Die Ankunft. Drama in den Regenwäldern Perus…, Süddeutsche Zeitung, 20.-21.6.15
Indigenas aislados: Peru promueve principio de no Contactados, el Comercio, Lima, 26.6.15
Gobernador se reune con comunidades indigenas, GOREMAD, 2.7.15
Organizan taller sobre pueblos indigenas en aislamiento, SZF in: inforegion, Peru 2.7.15
Madre de Dios: Advierten de nuevo encuentro con no contactados, El Comercio, Lima 7.7.15
AIDESEP: La Protección de los pueblos en aislamiento voluntario es obligación del Estado, aidesep. org. 17.7.2015
AIDESEP: Ministerio de Cultura anuncia que forzará el contacto a los pueblos indígenas en aislamiento de Madre de Dios, 17.7.15
Felipe Torres, sobre lo delicado que es hablar por otros, Lamula pe, 22.7.15
Califican de absurdo y peligroso plan de contacto controlado, Servindi, 17.7.15
Peru: Quien controla el contacto, in Servindi, 1.8.15
Federación indigena e iglesia polemizan sobre pueblos aislados, in Staepa-Cajamarca, Berlin, 1.8.15
Rosa Montalvo Reinosa, Servindi, 2.8.15
National Geograph – Same isoleted tribes… 13.8.15
El Peruano, Lima, 25.9.2015
Juan Carlos Ruiz M: Justicia Viva Blog, IDL, Lima, 1.10.2015
En que consiste el Plan que busca proteger alos indígenas en aislamiento Mashco Piro, SPDA, 3.11.2015
Minam rechaza proyecto de ley que respalda carretera illegal que afectaría dos áreas protegidas, SPDA, 10.11.2015

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