Vor vier Jahren wurde in Satipo der Dorfpräsident Mauro Pio von gedungenen Mördern erschossen.  Der Mord hat bis heute ein übles Nachspiel im Ashaninka-Dorf Amanaecer Haway. 
Gonzalo Mauro Pio, Julio Luis Pampa R. und Américo Balloqui C. leben in der Asháninka-Dorfgemeinschaft Nuevo Amanecer Haway. Dieses Dorf liegt acht Stunden Autofahrt von der Distrikthauptstadt Satipo im zentralen Regenwald Perus entfernt. Ihr Territorium umfasst 32.000 Hektar. Der größte Familienclan ist der der Pio, die von 1970 bis 2011 die Dorfchefs stellten. In den 80iger Jahren erlitten sie die Brutalität des Terrors durch den „Leuchtenden Pfad“ (Sendero Luminoso). Im letzten Jahrzehnt mussten sie sich mit der neuen Gefahr, den Invasionen durch Neusiedler und Firmen von Holzfällern auseinandersetzen. Mit diesen kamen Kriminelle und gedungene Mörder ins Dorf. Mauro Pio P. klagte, als damaliger Dorfchef, die zunehmenden Übergriffe, Urwaldzerstörung und illegale Landbesetzung bei der Polizei, der Justiz und zuständigen politischen Instanzen an. Diese forderten „sichtbare Beweise“ in Form von z.B. Videoaufnahmen von den Überfällen. Das konnte die Gemeinschaft nicht erbringen.
In der Zwischenzeit bekam die Holzfirma Balarin im Distrikt Pichanaki eine offizielle Konzession zur Abholzung. Die Firma begnügte sich nicht mit der Abholzung in ihrem Konzessionsgebiet sondern drang immer weiter in das Gebiet des Waldes von Nuevo Amanecer Haway ein. Sie begann sogar mit dem Verkauf von Parzellen des Territoriums der Dorfgemeinschaft an Neusiedler.
Ermordung des Dorfchefs
Im Jahre 2011 entschied die Holzfirma, den Dorfchef Mauro Pio P. für immer zum Schweigen zu bringen. Drei bezahlte Mörder erschossen ihn auf offener Straße in der Stadt Satipo, als er dort Angelegenheiten für sein Dorf erledigte . Die Mörder wurden verhaftet und verurteilt. Seit Mitte 2015 sind sie „einfach so“ wieder auf freiem Fuß. Fachleute nehmen an, dass die Holzfirma hier wohl „der Justiz“ gegenüber Geld eingesetzt hat.
Angesichts der zunehmenden Übergriffe, Landdiebstahl und Urwaldzerstörung und dem totalen Desinteresse von Justiz, Polizei und Politik beschlossen die BewohnerInnen in einer Dorfversammlung, sich zu verteidigen. Sie konnten die 80 mit Gewehren ausgestatteten Invasoren mit Pfeil und Bogen vertreiben und drei der Anführer festnehmen. Diese wurden vorübergehend im Dorf festgehalten. Vertreter von Nuevo Amanecer Haway fuhren umgehend in die Provinzstadt Satipo um der diensthabenden Staatsanwältin zu informieren und die Abholung der Invasoren durch die Polizei zu beantragen. Die Staatsanwältin ließ sich den ganzen Tag nicht sehen und auch nicht den nächsten Tag. Später stellte sich heraus, dass sie in dieser Zeit mit der Firma Balarin über diesen Fall verhandelte.
Anklagen wegen Entführung, Körperverletzung und versuchtem Mord in mehreren Fällen
Die Vertreter der Dorfgemeinschaft mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren und die Festgehaltenen laufen lassen. Bald danach eröffnete die Anklagebehörde Anklage gegen die drei Dorfvertreter wegen Entführung, Körperverletzung und versuchtem Mord in mehreren Fällen. In der ersten Verhandlung, in der Stadt La Merced, wurden sie vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Aber die Staatsanwältin in Satipo machte weiter. Jetzt geht es um Entführung. Darauf stehen bis zu 30 Jahren Gefängnis in Peru. Nun fängt der Prozess gegen sie an. Im Gericht wurden sie von einem Anwalt angesprochen. Er sagte, dass er kein Honorar verlangen würde und gab ihnen den Rat, die Schuld schnell zuzugeben. Das würde einen guten Strafnachlass ergeben. Es besteht der Verdacht, dass dieser Anwalt, der sonst sehr viel Geld verlangt, hinter dem Rücken der drei Dorfverantwortlichen mit der Holzfirma einen Deal ausgemacht hat, um von dieser gut bezahlt zu werden.
Von MitarbeiterInnen der Nichtregierungsorganisation Imperita wurde der Rechtsanwalt Dr. Gines Barrios A.  gebeten, die Verteidigung der Asháninka zu übernehmen. Er ist als engagierter Anwalt für die Belange der indigenen Bevölkerung in der Region Junin bekannt. Er vertritt die Angeklagten nunmehr vor dem Gericht in Satipo und wird, für den eventuell eintreffenden Fall, diese auch vor dem Berufungsgericht in der peruanischen Hauptstadt Lima vertreten.
Die Situation ist auch deshalb so drastisch, weil vom Ausgang des Verfahrens mit abhängt, ob die Bewohner von Nuevo Amanecer Haway ihre 32.000 Hektar intakten Regenwald vor den Holzfällern schützen können.
Wer die Dorfgemeinschaft unterstützen will, kann gerne Kontakt aufnehmen: Arbeitskreis München-Asháninka, mail: akma@nordsuedforum.de
(Heinz Schulze)

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