Ein Projekt der Humboldt-Universität Berlin beschäftigt sich mit dem Bergbau in Peru.

2016 führte das Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) der Humboldt-Universität Berlin vier Studienprojekte in Afrika und Südamerika durch. Während der Auslandsstudienprojekte werden Kenntnisse, Methoden und Instrumente praktisch angewendet, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den vorangegangenen Kursen gelernt haben, und am Praxisbeispiel vertieft. Da es sich bei diesem Format um professionelle Studien im Auftrag entwicklungspolitischer Organisationen handelt, sind ein direkter Nutzungszusammenhang und ein hohes Interesse vor Ort gegeben.

Nach 1999, als es um Bewässerung ging, und 2005 (zum Thema Kartoffelanbau) hatte die diesjährige, von Camilo Vargas Koch geleitete in Peru tätige Gruppe die Umweltauswirkungen des Bergbaus und mögliche Alternativen zum Thema. Regionale Schwerpunkte waren das derzeit auf Eis liegende Conga-Projekt in Cajamarca und das Mantaro-Tal in Zentralperu mit dem metallurgischen Komplex La Oroya und einigen großen Kupferminen in der Umgebung. Den Auftrag zu der Studie hatte das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR gegeben.

Am 22. November stellten Constantin Bittner, Vanessa Dreier, Moritz Fichtl, Annika Gottmann und Wiebke Thomas in der Humboldt-Universität ihre Ergebnisse vor, die sie in zahlreichen Gesprächen und Interviews mit Betroffenen und Institutionenvertreter/innen gewonnen hatten. In Peru wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit dem bergbaukritischen Netzwerk Red Muqui durchgeführt, ein langjähriger Partner der Informationsstelle Peru und der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“. Um angesichts der Zeitknappheit nicht an der Oberfläche zu verbleiben, konzentrierten sie sich in ihrer Darstellung auf Cajamarca.

Einige Aspekte ihrer Präsentation und der anschließenden Diskussion waren die durch den Bergbau verursachten sozialen Konflikte und die dramatische Wassersituation (so ist der Grundwasserspiegel um teilweise bis zu 100 Meter gesunken). Eine hydrologische Studie zum Conga-Projekt (eine vorgesehene riesige Erweiterung der größten Goldmine Lateinamerikas, Yanacocha, mit Kupferabbau, zu der es seit Jahren heftige Proteste gibt) gibt es ebenso wenig wie eine bestätigte Flächennutzungsplanung. Die schon vor ein paar Jahren durch die Regionalverwaltung Cajamarca ausgearbeitete Zonificación Económica Ecológica (ZEE) wird von der Zentralregierung in Lima nicht anerkannt.

Beklagt wurden auch die Fragmentierung der politischen Zuständigkeiten in Peru und die politische Bedeutungslosigkeit des Umweltministeriums, die die Lösung von Verteilungs- und Umweltkonflikten nahezu unmöglich machten.

Zum Thema „Alternativen zum Bergbau“ kamen die Teilnehmenden rasch auf die Landwirtschaft zu sprechen. Die Region Cajamarca verfüge über eine große Agrobiodiversität, zudem sei sie führend in der Milchproduktion. Die Vermarktung von Pflanzen wie der Quinoa, der Verkauf der Milch an lokale Käseproduzent/innen anstelle von Großkonzernen wie Leche Gloria und Nestlé und die Gründung eigener Kooperativen werde dazu beitragen können, die Abhängigkeit der Bevölkerung vom Bergbau zu mindern.

In der Diskussion wurde jedoch klar, dass die Landwirtschaft nie ganz den Bergbau werde ersetzen können. Zum einen schöpfe sie ihre Potenziale nicht aus, zum anderen genieße sie nur ein niedriges Prestige. Auch bei Quinoa und anderen landwirtschaftlichen Produkte blieben die Preise weit hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht auch wegen der vielen Fragezeichen in der Frage nach den Alternativen zum Bergbau nahm dieses Thema in den Untersuchungen nur eine untergeordnete Rolle ein. Gleichwohl sei auch der Bergbau als Entwicklungsstrategie nicht ausreichend. Auch müssten Strategien entwickelt werden, was mit den 8616 aus dem Bergbau resultierenden Altlasten in Peru passieren solle und wie die Bevölkerung in der Region mehr vom Bergbau profitieren könne. Nach wie vor ist Cajamarca die ärmste Region Perus.

Die Diskussionsergebnisse werden in die abschließende Studie einfließen, die in den nächsten Monaten fertig gestellt wird und im nächsten Jahr die Arbeit von MISEREOR und dem Red Muqui vor Ort unterstützen soll.

Michael Schrick

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