Der Konflikt um das Bergbauprojekt Tía María in Arequipa hält trotz Dialog an. Bauern und Umweltschützer befürchten dramatische Folgen für die Umwelt
Die Worte des vor wenigen Tagen ernannten Ministerpräisdenten Pedro Cateriano sind deutlich: “Wir werden so oft nach Arequipa kommen wie nötig, um dieses Projekt voranzutreiben” sagte er am Mittwoch in Mollendo. Er werde das Minenprojekt Tía María um jeden Preis vorantreiben. „Die Gemeinden können heute entscheiden zwischen dem Weg der Entwicklung oder der Armut”, sagte er vor wenigen Tagen in der Öffentlichkeit.
Die Präsidentin der Region Arequipa, Yamila Osorio, hatte Cateriano Ende vergangener Woche aufgerufen, eine Lösung für die weiter schwelenden sozialen Konflikte um die geplante Kupfermine Tía María zu finden. Das Projekt des US-amerikanischen Bergbaukonzerns Southern Copper Corporation im Süden Perus begleiten seit Jahren Proteste der lokalen Bevölkerung. Umweltschutzorganisationen kritisieren vor allem die zu erwartenden ökologischen Folgeschäden.

Angespannte Stimmung
Eine Lösung ist bisher nicht in Sicht. Seit mehr als drei Wochen protestieren Tausende von Bewohnern der Region, Bauern und Umweltverbände mit einem Generalstreik gegen die geplante Mine. Es kommt zu Protestmärschen, Straßenblockaden und immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei. Der Minenbetreiber, Oscar Gonzales Rocha, spricht von „Anti-Bergbau-Terrorismus“. Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Die Stimmung ist angespannt: Wortführer der Opposition werden festgenommen, es gibt Gewalt und Dutzende Verletzte. Nach derzeitigem Stand sieht es so aus, dass Southern das Minenprojekt bis zum Jahr 2017 aussetzen wird. Die Bewohner der Region wollen aber nur noch eines: dass das Unternehmen sich komplett zurückzieht.

Eine lange Vorgeschichte
Der Konflikt um Tía María hat eine lange Geschichte. Bereits 2009 sprachen sich in einem Referendum mehr als 90% der Bevölkerung gegen das Bergbauprojekt aus. Die Proteste wurden von den nationalen Behörden bisher schlecht gehandhabt, beklagt Reginalpräsidentin Osorio. Sie kritisiert vor allem die Informationspolitik der peruanischen Regierung. Diese schulde der Bevölkerung noch viele Antworten über mögliche Umweltbelastungen.
Die Arbeiten zur Erschließung der Kupfermine der Southern Copper Corporation in der südlichen Provinz Islay in Region Arequipa wurden Ende 2014 trotz langjähriger Proteste aufgenommen. Tía María zählt zu den größten Vorkommen des Rohstoffs in Peru und weltweit. Der offene Tagebau im Einzugsgebiet des Flusses Tambo verspricht eine Produktion von 120.000 Tonnen Kupfer pro Jahr über eine Zeitspanne von 21 Jahren. Das Unternehmen Southern wirbt mit der Schaffung von 1500 Arbeitsplätzen und der Investition von 1,4 Milliarden US-Dollar im Rahmen des Projekts. Die Mine biete für Peru eine große Chance zur Entwicklung, sagt auch Perus Staatspräsident Ollanta Humala. Er ist davon überzeugt, die Bürger mit klaren Fakten für das Projekt gewinnen zu können.

Ein landwirtschaftlich genutztes Tal
Aber ist diese Form des Bergbaus wirklich ein Motor für Entwicklung? Das Tal des Flusses Tambo wird bisher vor allem landwirtschaftlich genutzt. Bereits jetzt leidet es unter Wasserknappheit. Experten befürchten, dass die Mine durch ihren exzessiven Wasserverbrauch und die unvermeidbare Verschmutzung der Luft und des Wassers durch Abgase und Abwasser die Situation weiter verschärfe.
Humala hat vergangene Woche die Regierung dazu aufgefordert, einen echten Dialog mit den Menschen in der Region aufzunehmen. Runde Tische wurde eingerichtet, um auch die Gegner des Projekts in den Planungsprozess einzubeziehen. Diese aber sehen die Runden Tische bisher kritisch und beklagen, dass die Partizipation nur eine scheinbare sei. „Die Menschen erwarten, dass dieser Dialog effektiv wird“, sagt Rocío Silva Santisteban von der Organisation Coordinadora de Derechos Humanos. „Der Staat darf nicht Wachmann der Minengesellschaften sein.”

Umweltminister befürwortet Tía Maria

Die Äußerungen des peruanischen Umweltministers Manuel Pulgar-Vidal lassen genau darauf aber schließen. Dieser erklärte vergangene Woche in Arequipa, dass die Mine keine negativen Auswirkungen auf den Wasserverbrauch und die Landwirtschaft habe.
Genau hier regt sich der Widerstand. Die Opposition, Bewohner des Tambo-Tals und kritische Umweltbewegungen kritisieren, dass die Umweltverträglichkeitsstudie EIA, die das Unternehmen Southern dem Bergbauministerium im Vorfeld vorgelegt hat, im Schnellverfahren abgesegnet worden sei. Das Bergbauprojekt werde durchaus erhebliche Umweltschäden verursachen. Des weiteren würden die versprochenen Arbeitsplätze zum großen Teil ausländischen Experten und Ingenieuren zu Gute kommen werden, nicht den Bewohnern der Provinz Islay. Zuletzt seien die versprochenen Investitionen von knapp anderthalb Milliarden Dollar vor allem Investitionen in Maschinen und High-Technology, die im Ausland eingekauft würden. Unterm Strich profitiere die Region und das Land also nur geringfügig von der geplanten Kupfermine.

Landwirtschaft als Alternative
„Es gibt Alternativen zu Tía María“, sagt Jaime de la Cruz, Bürgermeister des Ortes Deán Valdívia und einer der Anführer der Protestbewegung im Tambo-Tal. In der Provinz Islay, in der sich Tía María befindet, gibt es 13.000 Hektar Agrarflächen, mit verbesserter Bewässerung könnte es eine Fläche von mehr als 30.000 Hektar sein. Neben Agroexporten seien der Tourismus, die Industrie, kleine und mittelständische Unternehmen und technologische Dienstleistungen Optionen, „wir müssen sie nur ins Blickfeld holen“, fordert de la Cruz. Peru sei ein megadiverses Land, nicht nur ein Land des Bergbaus. Die wirtschaftliche Strategie, auf Basis des Bergbaus zu wachsen, funktioniere nicht mehr. Indem die Regierung einzig auf den Bergbau fokussiere, verursache sie damit eine wachsende Ungleichheit und soziale Konflikte, weniger Arbeitsplätze, hohe Umweltbelastung und viel Korruption.
Tía María ist letzten Endes vor allem ein politischer Konflikt. Auf welcher Seite steht die peruanische Regierung – verteidigt sie die Souveränität ihrer Bürger oder die Interessen ausländischer Unternehmen? Werden die Stimmen der Bewohner des Tals ernst genommen oder als Terroristen diffamiert? Entscheidet sich die Regierung für die Demokratie und den Dialog oder nimmt sie den Weg des Autoritarismus und der politischen Verfolgung? Jetzt wäre der Moment, Partei zu ergreifen.

Von Eva Tempelmann. Mitarbeit Mattes Tempelmann (Red Muqui)

 

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