In den Augen der peruanischen Regierung stellt das Freihandelsabkommen (TLC, Tratado de Libre Comercio)  mit der Europäischen Union eindeutig einen Vorteil für Peru dar:  den peruanischen Konsumenten verschaffe es niedrigere Preise und eine grössere Warenauswahl , weil Peru den Zoll auf europäische Waren aufhebe. Die peruanischen Ausfuhrzahlen in die Europäische Union hingegen würden sich um 3-5% erhöhen und damit auch positiv auf den peruanischen Arbeitsmarkt niederschlagen.

Dies erklärte Eduardo Brandes, der Chefunterhändler des peruanischen Aussenhandelsministeriums für den Freihandelsvertrag mit der EU, am Treffen der Ortsgruppe „Lima“ der Infostelle Peru am 26. Oktober.

Der Freihandelsvertrag sei vor allem für diejenigen Produkte wichtig,  die sowohl die EU als auch Peru herstellen und bei denen sie somit  in Konkurrenz miteinander treten.  In Peru beträfe dies vor allem  Gemüse und Früchte aus dem Intensivanbau (Spargel, Artischocken, Paprika etc.) aber auch Bananen, Mango, Kaffee und Kakao, die nun leichter Zugang auf den europäischen Markt finden sollen.

Peru unterhält heute Freihandelsverträge mit fast allen grossen Blöcken oder Nationen, nur 5% des peruanischen Handels wird mit Ländern abgewickelt, mit denen kein Freihandel existiert.

Herr Brandes gab ein paar grundlegende Daten zum Handel zwischen der EU und Peru:

Fuer Peru sind die Laender der EU der wichtigste Exportpartner und der drittwichtigste Importpartner. Die Handelsbilanz weist einen Ueberschuss zugunsten Perus auf, die doppelt soviel in die EU exportieren, als sie von dort einfuehren. Fuer die EU dagegen ist Peru recht unbedeutend: in punkto Einfuhren steht es an 43. Stellen, bei den Ausfuhren sogar erst an 62. Stelle.

Die Schwergewichte im peruanisch-europäischen Handel wuerden vom TLC recht unberuehrt bleiben:  metallische Rohstoffe und Fischmehl gelten als traditionelle Ausfuhrgüter und machen den Grossteil der peruanischen Ausfuhren nach Europa aus; danach kommt die sogenannten nicht-traditionellen Produkte, hinter denen sich intensiv angebauter Spargel und Artischocken und andere Fruechte ebenso verbergen  wie Textilien und Kaffee- undKakaohalbprodukte. Diese sollen vom Fallen der Zollschranken in der EU nun profitieren.

Die Laender der EU halten 51,8% aller in Peru getaetigten Auslandsinvestitionen . Auffallend, dass sich hier besonders zwei Laender hervor tun, die in Europa momentan eher fuer ihre Krisenanfaelligkeit bekannt sind:  Firmen aus Grossbritannien und Spanien halten alleine 40% der Auslandsinvestitionen in Peru (vor allem: spanische und britische Banken und Versicherer,  spanischeTelekommunikationsfirmen, britische Bergbaufirmen)

Urspruenglich sollte der Freihandelsvertrag zwischen der EU und der Andengemeinschaft (Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien) abgeschlossen werden. Nachdem Bolivien und Ecuador abgesprungen sind,  verhandelten Peru und Kolumbien gemeinsam weiter und stehen nur vor dem Abschluss eines rein kommerziellen Abkommens.

Das Europaeische Parlament hat von den Regierungen Perus und Kolumbiens einen zusaetzlichen Fahrplan zur Einhaltung der Menschenrechte gefordert, als Bedingung fuer das Abkommen –  die Menschenrechtsklausel sei wegen der Lage in Kolumbien aufgenommen worden, meint Eduardo Brandes. In Peru seien bereits alle Bedingungen erfuellt.

Zusammenfassend : wer in Peru profitiert vom Freihandelsvertrag mit der EU ?

–          Die Agrarsektoren, die bereits fuer den Export produzieren:  Gemueseanbau, Kaffee, Kakao, Fruechte, auch weiterverarbeitete Produkte

–          Hersteller von Textilien und  Halbfertigprodukten

–          Die wachsende peruanische Mittelschichte in den Städten, da sie nun ein grösseres und zum Teil billigeres Warenangebot haben.

–          Eine gute Nachricht fuer die Deutschen in Peru: mit dem Freihandelsabkommen wird Peru auch die Zoelle fuer deutsche Schokolade abbauen muessen. Eine Tafel Ritter Sport wird dann nicht mehr, wie bisher, umgerechnet 4 Euro kosten.

(ISP Lima)