Als umweltfreundliche Energie gelten die in Monokultur massenhaft angebauten, sog. „Biotreibstoffe“ schon längst nicht mehr. Die Herstellung des aus den Früchten der Ölpalmen stammenden  Öls  gilt als besonders menschen- und umweltfeindlich. In Peru werden immer mehr angeblich entwaldete Regenwaldflächen für den Anbau von Palmöl konzessioniert.Der peruanische Landwirtschaftsminister selber  gibt sich als das offizielle Sprachrohr der Palmöl-Unternehmen. So zeigte er im Mai 2013  klar auf, wohin der Palmöl-Zug fahren wird: „Im peruanischen amazonischen  Regenwald gibt es über 600.000 Hektar geeignete Böden für den Anbau von Palmölplantagen“ (web-site: Ministerio de Agricultura)

Ihm dürfte die Aussage seiner Abteilung für Umweltaspekte in seinem Ministerium  (Informe Tecnico Nr. 35-2013-AG-TSvM-DG-AAA-DERN 66728-2013) bekannt gewesen sein.  Diese Abteilung stellte fest, dass es überhaupt kein richtiges Verzeichnis über den Regenwald gibt, der bereits abgeholzt ist.  Somit sind keine verlässlichen Zahlen darüber vorhanden, welche Böden überhaupt für Palmölplantagen genehmigt werden können. Das beinhaltet die Aussage, dass Palmölplantagen „eigentlich“ nur auf bereits abgeholzten Böden im Regenwald angelegt werden können.

Über die gravierenden Folgen der Ölgewinnung aus Ölpalmen erinnert erneut die „Peruanische Gesellschaft für Ökologische Entwicklung (Sociedad Peruana de Ecodesarrollo – SPEDE, www.spde.org.index. web).: Abholzung von intaktem amazonischem Regenwald, Landwegnahme (Landgrabbing), Vertreibung der Bevölkerung, Vergiftung der Böden etc.

Bereits die frühere Regierung unter Präsident Alan Garcia hatte den  Ausbau von Palmölplantagen als „von nationalem Interesse“ eingestuft, was die aktuelle Regierung unter Präsident Humala nicht geändert hat.

Besonders gefährdet sind die Urwaldregionen San Martin, Loreto und Ucayali. Die Gewinner sind große Unternehmen wie die „Grupo Romero“ (eine der reichsten Familien in Peru) sowie Plantaciones de Iquitos, Plantaciones de Loreto, Asociación Agro Ganadero Forestal Monte de Dios etc.

Gruppen, die Sozial- und Entwicklungsprojekte im Regenwald unterstützen, sollten aufhören, wenn das Wort „Palmöl“ fällt: Wenn dieser Prozess der Zerstörung durch Palmölplantagen nicht aufhört, wird es immer mehr Projekte betreffen, die dann von Palmölplantagen überrannt werden und damit wäre die geleistete Unterstützung null und nichtig.

 

Palmölproduktion als Mittel im Kampf gegen den Koka-Anbau:

Im Rahmen der Drogenbekämpfung finanzierte das zuständige Programm der Vereinten Nationen den Anbau des „Alternativproduktes“  Palmöl in der Region Ucayali (Aguaytio im Tal von Shambillo). Dazu  gehörte der Bau einer neuen Verarbeitungsanlage zur Ölherstellung. Gedacht war das Projekt  als „Hilfe zur Selbsthilfe“. Jetzt ist eine Erweiterung der Fläche von einigen tausend Hektar um nochmals 800 Hektar im Gespräch. Das Programm der Vereinten Nationen meinte, jetzt könnte dieser Wirtschaftsbetrieb auf eigenen Füßen stehen. Zwei der 13 dortigen Palmölproduzenten drohten bereits: Wenn die Vereinten Nationen uns nicht weiter unterstützen, müssen wir wohl wieder Koka anbauen.

Auch beim Thema Palmölproduktion wird ersichtlich: Es ist unbedingt notwendig, dass die indigenen Dorfgemeinschaften offizielle Landtitel bekommen. Dann ist es nicht mehr so einfach, dass korrupte regionale Landwirtschaftsbehörden aus einem intakten Regenwald einen Landstrich mit „bereits existierender dauernder landwirtschaftlichen Nutzung“ machen, der dann auch ganz formell  für die Palmölproduktion freigegeben worden.

(Aus: Information von Olpasa, inforegion Peru, 24.6.2013, Übersetzung Heinz Schulze)