Früher hießen die Großgrundbesitzer z.B. Gildemeister. Heute heißen sie: Grupo Romero, Wong, Gloria, Danper, Maple Sociedad Agricola  oder Camposol. Die neuen Grossgrundbesitzer Peru sind  peruanische Unternehmensgruppen, oft im Verbund mit ausländischen Investoren.
Früher, das war bis 1968, als die damalige Militärregierung General Velasco eine  Landreform durchführte. Dahinter steckten  strategische Überlegungen, um Peru aus der rückständigen Form feudalistischer Großgrundbesitzer in die „moderne“ Zeit zu führen.
Und heute?
Das Centro Peruano de Estudios Sociales (CEPES) hat folgende Zahlen veröffentlicht: Aktuell besitzen 22 Unternehmen alleine an der langen wüstenartigen Küste Perus 60 000  Hektar Land.  In den letzten 20 Jahren wurden 1,4 Millionen Hektar Land in Peru an Private übergeben. Hinzu kommen große Landkonzentrationen in den Anden und im Regenwald. Allein die peruanische „Grupo Gloria“ besitzt peruweit ca. 80.000 Hektar Land.  Das ist mehr als einige peruanische Departements haben. Das peruanische Familienunternehmen „Grupo Romero“ zerstört immer mehr Regenwald, um in Monokultur die umweltschädlichen Ölpalmen anzupflanzen.  Das peruanisch-norwegische Joint-Venture „Camposol“ gehört weltweit zu den führenden Produzenten von Spargel (unter der Marke Inkagold im Winter in Deutschland im Angebot) und anderen Gemüsesorten.

Von Inka-Cola zum Mangopüré
Die industrielle Landwirtschaft an der wüstenartigen Küste ist nur mit großen Bewässerungsanlagen möglich. Diese stehlen das Wasser aus den Anden. Allein an der nördlichen Küste Perus wurden, z.T. mit internationaler „Entwicklungshilfe“ 88.000 Hektar Land bewässert. Die Bewässerungsanlagen, die das Wasser von den Hochanden an die trockene Küste führen, heißen Jequetepeque, Chavimochiv, Olmos oder Chinecas.
Es kann ja positiv sein wenn Neuland gewonnen wird. Aber über 90% der dort erzeugten Produkte werden exportiert. Es sind u.a. Zuckerrohr für die Herstellung von Ethanol, Agrotreibstoffe, Spargel, Weintrauben, Avocados, Paprika etc.
Das peruanische Unternehmen „Corporación Lindley“ wurde einst durch die Erfindung der Inka-Cola bekannt und verkaufte die Mehrheit des Unternehmens vor 16 an Coca-Cola. Heute gehört die Corporación Lindley auch zu den großen Exportfirmen im Agrarbereich. Sie hat sich auf den Export von Mangopure spezialisiert. Lindley hält ca. 93% des Exports von Mangopure. Davon gehen ca. 60% nach Holland. Ein geringer Anteil ist der Export von Pfirsichpure. Ein Teil der Mango-und Pfirsichpures wird an Coca-Cola verkauft und findet sich in deren Fruchtsäften wieder. 2014 betrug der Exportwert 286 Millionen Dollar., bei ca. 2.300 Tonnen Mangopure. Eher erstaunlich ist, dass Lindley damit nur an Stelle 65 der Agrar-Export-Firmen in Peru steht.

Artischocken
Auf den Export von Artischocken hat sich der peruanische Ableger des spanischen Gemüseproduzenten ALSUR spezialisiert. Er läßt im Dorf Markjo in der Andenprovinz Anta bei Cusco Artischocken produzieren. 2010 produzierte das Unternehmen auf 170 Hektar, heute durch Zukäufe von Land auf ca. 600-800 Hektar, so der Präsident von Alsur, Mario Mustafa. 2014 betrugen die Einnahmen aus diesen Exporten 92 Millionen Dollar. 2015 sollen täglich 200 Tonnen Artischocken verarbeitet werden. Sie werden zu 80% in die USA und 20% nach Europa verkauft werden. Damit würde Peru der drittgrößte Artischocken-Exporteur  nach China und Frankreich. Mario Mustafa betonte, dass mit dem Anbau von Artischocken im großen Stil die Viehzucht und Milchwirtschaft verbessert wird, da die Kühe die nicht benutzen Teile als Futter bekommen. Außerdem wurde ein Kindergarten für die Kinder der Arbeiterinnen eingerichtet. Unbeantwortet blieben die Fragen: Wie steht es mit der Vernichtung von Existenzen der Kleinbauern dort wenn ca. 800 ungelernte Arbeitsplätze (auf den Fotos der Firma sind hauptsächlich Frauen beschäftigt) geschaffen werden. Zur Frage: Mit welchen Chemikalien werden die Artischocken behandelt, die hier in der Dose oder tiefgekühlt angeboten werden?

Spargel
Für die USA und Europa produziert Peru  günstige Lebensmittel außerhalb der eigenen Saison (Spargel). Für die peruanische Bevölkerung heißt es: Immer weniger Lebensmittel werden im eigenen Land für die peruanische Bevölkerung produziert; der dadurch notwendige Import verstärkt die Abhängigkeit; Lebensmittel werden teurer. Der Boom und Export z.B. des „Inka-Getreides“ Quinua auch nach Deutschland hat diese in Peru enorm verteuert.
Die landwirtschaftliche nutzbare Fläche ist aufgrund der geographischen Beschaffenheit des Landes begrenzt. Die immer stärkere Konzentration von Land für den Export gefährdet die Ernährungssicherheit. Verlierer sind die kleinbäuerlichen familiären Betriebe. Sie erhalten nicht oder kaum eine wirkliche Unterstützung. Der grosse Reichtum Perus – seine  biologische Vielfalt – wird kurzfristigem Gewinn geopfert.
In der Aufzählung der Probleme liegen bereits die notwendigen Lösungsschritte:
 Begrenzung der Hektargröße pro Unternehmen,
 Stärkung und Unterstützung von klein-und mittleren Bauern,
 Auflagen und Sozialversicherung für die Arbeitsplätze in der Agrarexportindustrie
 und natürlich bei uns hier: Öko-fairer-jahreszeitlicher und regionaler Einkauf hat Vorrang vor Schnäppchenangeboten aus Lateinamerika.

(Quellen : Revista Agraria, CEPES, Enero de 2015, pags. 7-8, Servindi: 10.2.15, otra mirada, 17.2.15,inforegion 4.3.15)

Lesetipp in spanisch: Revista Agraria zur Landkonzentration:

http://www.larevistaagraria.org/sites/default/files//revista/LRA169/LRA169_TextoCompleto.pdf

Zusammenfassende Übersetzung: Heinz Schulze

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