Miguel Palacín Quispe war längere Zeit Präsident des wichtigen peruanischen Netzwerkes von Dorfgemeinschaften, die von Bergwerksaktivitäten betroffen sind (CONACAMI). Er hatte bei nicht wenigen Unterstützerorganisationen in Europa einen guten Stand. Intern gab es aber immer stärkere Kritik an seinem autoritären, geldmäßig intransparenten und Ich-bezogenen Führungsstil. Er wurde abgewählt, aber akzeptierte das nicht.  Er manipulierte deshalb und fälschte Dokumente, (was ihm eine Anzeige wegen Urkundenfälschung einbrachte) um an der Spitze zu bleiben. Inzwischen hat er eine neue Organisation gegründet.

CONACAMI ist Mitglied im lateinamerikanischen Netzwerk CAOI – Coordinadora Andina de Organizaciones Indigenas – und Palacín ist aktuell immer noch Präsident von CAOI.

Jorge Agurto ist Journalist und engagierter Leiter des elektronischen Infodienstes SERVINDI, wo alle wichtigen Themen der indigenen Völker – und auch alle Tendenzen – behandelt weden. Er hat den Konflikt innerhalb CONACAMI öffentlich gemacht und sich so die persönliche Feindschaft von Palacín zu gezogen. Seit Monaten führt dieser eine Kampagne gegenüber europäischen Unterstützerorganisationen und gegenüber europäischen Botschaften in ganz Lateinamerika, um SERVINDI in Misskredit zu bringen.  Beide waren nun bei einem Lateinamerikanischen Kongress indigener Völker, der Mitte November 2013  in der Region Cauca in Kolumbien stattfand.

Auf dem Kongress wollte Palacín zunächst, dass SERVINDI von dieser Veranstaltung ausgeschlossen wurde. Das gelang ihm nicht. Am 13.11.2013 ging Miguel Palacín gewaltsam gegen Jorge Agurto vor, trat ihn mit voller Wucht, was diesem eine große Beinwunde einbrachte. Nur mit Mühe konnten andere Kongressteilnehmer ihn abhalten, weiter auf Agurto einzuprügeln.

In den zahlreichen anschließenden Kommentaren wird dieser Übergriff heftig kritisiert und Miguel Palacín mit dem ehemaligen peruanischen Präsidenten Alan Garcia in Verbindung gebracht, der ebenfalls einem Kritiker mit einem brutalen Fußtritt außer Gefecht setzte. Palacín wird als schlimmes Beispiel gesehen, wie  Basisorganisationen gespalten und geschwächt werden,  und das in einer Situation, wo es für die Andenbevölkerung so viele Probleme gibt. Mit seinen Aktionen bringt Palacín auch den lateinamerikanischen Zusammenschluss COAI in große Probleme, wenn deren aktueller Präsident jetzt als „Nachfolger spanischer Eroberer mit anderen Mitteln“ kritisiert wird.

Eine pikante Note: Der Kongress hatte als Thema: Buen Vivir, das gute (Zusammen-)Leben, also: ein Leben in  Harmonie.

Das hatte Miguel Palacín wohl nicht so genau mitbekommen.

Heinz Schulze

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