Die Antwort der Firma Linde auf einen Offenen Brief von 34 Organisationen fällt knapp aus.

 

Produzenten medizinischer Produkte dürfen aus der Corona-Krise keine unangemessenen Profite ziehen, hatten die Informationsstelle Peru, Caritas international, Misereor, Adveniat und die Erzdiözese Freiburg zusammen mit 29 Nichtregierungsorganisationen und Partnerschaftsgruppen in einem Offenen Brief an die Firma Linde gefordert. Das Unternehmen stellt weltweit medizinischen und industriellen Sauerstoff her und verkauft ihn. Wie berichtet, hatten die Informationsstelle Peru und die anderen Unterzeichner im September an Linde appelliert, die Versorgung der peruanischen Bevölkerung mit medizinischem Sauerstoff zu verbessern und vor allem für alle Betroffenen finanziell erschwinglich zu machen.

 

Peru hat mit 103 Toten pro 100.000 Einwohner*innen (Stand 13.10.2020) die höchste Sterblichkeitsrate weltweit. Neben vielen anderen Problemen liegt dies auch an dem großen Mangel an medizinischem Sauerstoff, den dafür notwendigen Geräten und den extrem hohen Preisen für Sauerstoff.

 

Die unterzeichnenden Organisationen warnten, dass die Coronavirus-Pandemie existentiell das Recht auf Gesundheit bedroht und in Peru und anderen Ländern zu einer Vertiefung sozialer Ungleichheit führt. In diesem Kontext stelle sich die Frage nach der sozialen Verantwortung marktbeherrschender Firmen. Linde könne Verteilungsnetze, Verteilungsmengen und Preise von Sauerstoff direkt beeinflussen. Sie forderten Linde dazu auf, unverzüglich alles zu tun, um eine ausreichende Versorgung mit medizinischem Sauerstoff in Peru sicherzustellen. Das Unternehmen solle seine Preisgestaltung transparent machen und durch eine deutliche Preissenkung für medizinischen Sauerstoff dafür sorgen, dass er für die Kliniken und die an COVID-19 erkrankten Menschen in Peru erschwinglich und zugänglich ist.

 

Die Antwort von Linde auf diesen ausführlichen Brief fiel äußerst knapp aus: In fünf Zeilen erklärt das Unternehmen, es habe weltweit größte Anstrengungen unternommen, um den gestiegenen Bedarf an Sauerstoff befriedigen zu können. Auch in Peru habe das Unternehmen die Sauerstoffproduktion erheblich gesteigert. Und ihres Wissens hätten alle ihre Kunden (Krankenhäuser und Kliniken) ausreichend Sauerstoff geliefert bekommen.

Auf die Frage der Preisgestaltung geht Linde nicht ein. Auch ist nicht bekannt, wer und wie viele die Kunden der Firma sind und woher die anderen Kliniken und Privatpersonen ihren Sauerstoff beziehen sollen, wenn nicht von den beiden marktbeherrschenden Unternehmen. (Neben Linde, das 2018 mit der US-amerikanischen Firma Praxair fusionierte, ist dies die US-amerikanische Firma Airproducts).

 

Die unterzeichnenden Organisationen sind enttäuscht von der lapidaren Antwort und wollen sich damit nicht zufrieden geben. Sie werden sich deshalb jetzt an Mitglieder des Bundestags wenden. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen jetzt gottseidank abnimmt, muss die Frage nach einer gerechten Preisgestaltung und einer flächendeckenden Sauerstoffversorgung für alle Menschen in Peru weiter auf der Agenda bleiben. Die peruanische Ombudsstelle Defensoría del Pueblo bereitet einen weiteren Bericht über die Lage vor.

 

Annette Brox

2 Responses

  1. Felicitas Auer

    Ich bin sehr damit einverstanden, dass Sie gegen solche Behandlung protestieren, und hoffe, dass Sie bei dem zweiten Versuch an Regierungsmitglieder die Sache bewusst machen. Vielleicht können Diese mit mehr mehr Macht Befugnis eine Verhaltensänderung. bewirken. Wir hoffen auf Vernunft.

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