Solche Arbeitsbedingungen kennt man nur aus den Büchern von Charles Dickens im England des 19. Jahrhunderts: eingesperrt in einem Container, mit einer halben Stunde Mittagspause, 10 Stunden am Tag, umgerechnet 6 Euro Lohn.Dass Menschen in Perus Hauptstadt Lima auch heute unter solchen Bedingungen arbeiten, wurde durch einen Grossbrand bekannt. Das Einkaufszentrum Nicolini in der Altstadt von Lima war ein Sammelsurium von Geschäften, die sich auf Hand- und Heimwerker-Zubehör (ferretería) spezialisiert hatten. Als dort am 24. Juni ein Feuer ausbrach, fand es rasch Nahrung in den dort gelagerten Chemikalien, Farben und Stoffen. 300 Feuerwehrleute konnten den Brand tagelang nicht eindämmen.

Doch das Grausamste war nicht der Brand selber: in Containern waren vier junge Menschen eingeschlossen, die Feuerwehr konnte sie nicht retten. Die Container waren ihr Arbeitsplatz und ihr  Arbeitgeber hatte sie eingeschlossen, angeblich, damit sie nichts mitgehen lassen.  Ihr Arbeitsplatz wurde ihnen nun zum Verhängnis. Es gab kein Entkommen.

Wie sich herausstellte, bestand die Aufgabe der jungen Männer im Alter von 19 – 21 Jahren darin, die Etiketten minderwertiger Neonröhren abzuschleifen und diese in Kartons mit Markenaufklebern zu stecken. 20 Soles, umgerechnet 6 Euro erhielten die jungen Männer für 10 Stunden dieser Arbeit. Nur zur Mittagszeit durften sie zum Essen für eine halbe Stunde den Container verlassen.

Inhaber der Container sind die Geschäftsleute  José Enrique López Ramírez y Juan Manuel Polar De Rivera, die sich inzwischen abgesetzt haben. Die städtische Gebäudeinspektion hatte Monate vorher ihre Werkstätten wegen mangelnden Schutzmassnahmen geschlossen. Die beiden Betreiber verlegten die Container-Werkstätten daraufhin einfach auf die Dachterrasse.

Jugendorganisationen wie Conades Juvenil oder die Katholische Arbeiterjugend JOC weisen in ihrem Kommuniqué darauf hin, dass solche sklavenähnlichen Zustände bis heute in Peru gang und gäbe sind.

Das spanische Kommuniqué finden Sie hier Pronunciamiento joc conades juvenil

 

Hildegard Willer

Eine Antwort

  1. Oliver

    Es ist bedauerlich das bis zum heutigen Zeitpunkt solche Zustände herrschen aber wer, was und warum treibt es solche Personen zu diesem Handeln. Da steht an oberster Stelle ein ausgeprägter Egoismus und der Drang Leute zu unterdrücken die aus schlechteren Familienkreisen kommen und keine Schulbildung haben. Darüber hinaus spielt hier die Korruption zwischen der Bevölkerung (vom Kleinunternehmen bis zu den größten) und den diversen staatlichen Behörden eine große Rolle die nur auf ihrem Vorteil darauf aus sind. Würde nach den gesetzlichen Bestimmungen gehandelt bzw eingehalten würden diese Bedingungen nicht mehr anzutreffen sein. Jetzt werden ja viele Leser die nicht in einem dritten Weltland leben denken, das Perú nach wie vor wie im Mittelalter lebt jedoch das ist falsch. Es ist kein Einzelfall aber der überwiegende Teil schafft Arbeitsplätze die sicherlich nicht den High-end Standards von Deutschland entsprechen aber humanitäre Bedingungen schaffen. Ich selbst kenne viele große Firmen die Niederlassungen in Lateinamerika unterhalten und sich nicht an die menschenrechtlichen Arbeitsbedingungen halten und nur auf ihrem Profit aussind.

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