Die Gefangennahme des Anführers von Sendero Luminoso, Abimael Guzman, vor 28 Jahren war ausschlaggebend für das Ende des bewaffneten internen Konflikts. César Bazán und Vanessa Schaeffer erinnern daran, warum Abimael Guzman verurteilt wurde, und Sendero Luminoso als bewaffnete Gruppe eindeutig zu den Tätern des Konflikts, und nicht zu den Opfern zählte.

 

Die 1980er und 90er Jahre waren für die Bevölkerung Perus eine schwere Zeit. Am 17. Mai 1980 verübte die Peruanische Kommunistische Partei Sendero Luminoso ihren ersten Angriff in Chuschi, Ayacucho. Das war der Anfang eines langen und grausamen internen bewaffneten Konflikts, dem laut der Wahrheit- und Versöhnungskommission CVR (Comisión de la Verdad y Reconciliación) ca. 70.000 Menschenleben zum Opfer fielen. Die Mehrheit von ihnen waren arme, indigene Landbewohner*innen ohne Schulabschluss in den Regionen Ayacucho, Junín, Huánuco, Huancavelica, Apurimac und San Martin (CVR, Schlussfolgerungen §2, §4, §5, §6, §7).

 

Für die CVR war Sendero Luminoso der Haupttäter von Straftaten und Menschenrechtenverletzungen, bezogen auf die Zahl der Todesopfer und Verschwundenen. Sendero war verantwortlich für 54 Prozent der ermordeten Menschen, die die CVR ermittelt hat. Diese hohe Zahl ist eine Ausnahme unter den subversiven Gruppen in Lateinamerika und eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Untersuchungen der Wahrheitskommission (CVR, Schlussfolgerung §13).

 

Natürlich war Sendero Luminoso ebenso wie andere revolutionäre linke Gruppe in der Region eine Reaktion auf die sozialen Ungleichheiten und ein Versuch „einen neuen Staat“ zu bauen. Aber in diesen kurzen Beitrag gehe ich weder auf die Ursachen des Konfliktes noch auf die grausame und gewalttätige Reaktion des Staates ein. Mir geht es hier um Sendero und den Jahrestag der Festnahme von Abimael Guzman, die am 12. September 1992 stattfand.

 

Der totalitäre Charakter des politischen Projekts von Sendero Luminoso und sein gewalttätiges Vorgehen bewiesen schon früh in den 1980er Jahren, dass Sendero Luminoso nicht auf der Seite der benachteiligen gesellschaftlichen Gruppen stand. Für die Partei waren die Ziele wichtiger als der Weg. Auf der Suche nach der Revolution ermordeten Sendero-Mitglieder staatliche Beamte und Regierungsvertreter*innen auf lokaler  (Bürgermeister*innen, Gouverneure, Friedensrichter*innen) wie auf nationaler Ebene (Minister*innen, Abgeordnete usw.). Sie begingen Massenmorde an Anführer*innen sozialer Organisationen (Land- und Bauerngemeinden, Frauenorganisationen, Gewerkschaften usw.) (CVR, Schlussfolgerung §27). Laut der CVR war die Botschaft von Sendero Luminoso potenziell auf Völkermord ausgerichtet und sein Handeln rassistisch.

 

Diese Mischung war natürlich höchst zerstörerisch. Eine grausame Auswahl aus den vielen von Sendero Luminoso verübten Gewalttaten gegen indigene und nicht indigene Bevölkerung: Das Massaker von Lucanamarca 1983, bei dem 69 Bäuerinnen und Bauern, darunter Kinder, Schwangere und Senior*innen, umgebracht wurden (CVR, Band V, 2.2); die Unterdrückung des indigenen Volks der Asháninka (CVR, Band V, 2.8) und das Bombenattentat in Tarata, Miraflores (Lima 1992), bei dem 25 Personen getötet wurden, fünf Menschen verschwanden und mehr als ein hundert verletzt wurden.

 

Sendero Luminoso war eine gewalttätige Partei mit einer hierarchischen Organisation. Ihr Chef Abimael Guzmán Reynoso wurde von seinen Anhänger*innen als Prominenter und „größter lebender Marxist-Leninist-Maoist“ geschätzt (CVR, Band II, 1.1). In diesem Kontext war Abimael Guzmán persönlich für viele Strafftaten verantwortlich.

 

Abimael Guzmán sitzt seit seiner Festnahme am 12. September 1992 im Gefängnis. 2006 wurde er wegen des Falls Lucanamarca zu lebenslanger Haft verurteilt. Zum zweiten Mal lebenslang erhielt er 2018 wegen des Bombenattentats in Tarata. Noch offen sind die juristischen Verfahren gegen ihn in drei Fällen: das Massaker von Soras (1984), bei dem 117 Bäuerinnen und Bauern ermordet wurden, das Massaker an Ronderos, bei dem 47 Bäuerinnen und Bauern ermordet wurden, und ein Massaker an Angehörigen der Ashaninka.

César Bazán Seminario

 

Infographik: Vanessa Schaeffer

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