Der Konflikt um die geplante Kupfermine Tía María in der Provinz Islay (Region Arequipa) ist eskaliert. Seit Beginn des Konfliktes vor rund zwei Monaten starben fünf Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Dutzende wurden teils schwer verletzt. Am 22. Mai 2015 hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen. Persönliche Freiheiten wie Bewegungs- und Versammlungsfreiheit seien damit ab sofort eingeschränkt, sagte Perus Ministerpräsident Pedro Cateriano am Freitag. „Die Regierung wird die Anordnungen wenn nötig mit dem Einsatz von Gewalt durchsetzen“, so Cateriano.
Wütende Bevölkerung
Angesichts der tragenden Rolle, die die Regierung in der Entwicklung der Proteste gespielt hat, wird die Wut der Zivilbevölkerung immer größer. Seit Beginn des Streiks vor gut 60 Tagen hatten Bauern, Lokalpolitiker und Umweltorganisationen mehr Transparenz und Berücksichtigung der lokalen Interessen im Konflikt um das Bergbauprojekt Tía María gefordert. Die Regierung ist diesen Forderungen jedoch kaum nachgekommen. „Agro sí, mina no“ rufen die Menschen nun immer lauter, sie wollen Landwirtschaft, keinen Bergbau. Sie wollen, dass sich Southern Copper mit ihrer geplanten Kupfermine aus der Region zurückzieht.
Dialog gescheitert
Der Dialog zwischen Regierung und Demonstranten ist mittlerweile gescheitert. Ein Monolog statt Dialog seien die Gespräche gewesen, beklagten Bauern und Lokalpolitiker, die sich mehr von den Runden Tischen erhofft hatten. Die Regierung schütze einzig die Interessen der Wirtschaft, nicht der Bevölkerung, sagen sie. Als Präsident Ollanta Humala Anfang Mai 4000 Soldaten nach Islay schickte, um das Projekt mit militärischem Druck voranzutreiben, rechtfertigten Regierungsvertreter die Entsendung der Armee, indem sie die Demonstranten in den Medien als „Gewalttäter“ und „Antibergbau-Terroristen“ stigmatisierten. Die Tageszeitung „El Correo“ druckte dazu Anfang Mai ein Foto auf seiner Titelseite, das einen Demonstranten mit einer Handwaffe im festen Griff von Polizeikräften zeigte. Bildunterschrift: „So attackieren die Bergbaugegner“ Kurz darauf kursierte über den Videokanal Youtube ein Video, das zeigte, wie Polizisten dem vorher unbewaffneten Demonstranten die Waffe mit Gewalt in die die Hand gedrückt hatten.
Ein landwirtschaftlich genutztes Tal
Die Bevölkerung ist entsprechend aufgebracht. Seit Jahren protestieren die Bauern des Valle de Tambo gegen die Pläne des Bergbaukonzerns Southern Copper. Das Tal ist seit Jahrhunderten eine wichtige Region in der Landwirtschaft. Hier werden Reis, Bohnen und Früchte für die Versorgung von Arequipa angebaut, der zweitgrößten Stadt Perus. Die Mine würde Unmengen an Wasser verbrauchen, das in dieser Region aber knapp ist. „Wir sprechen hier über eine wichtige landwirtschaftliche Zone der Region Arequipa“, erklärt Dr. José de Echave, Ökonom und Bergbauexperte. „Die Menschen in Islay wissen, dass Tía María nur das erste von vielen geplanten Projekten ist. Sie befürchten, dass sich ihre Region von einem ausgeprägten Agrargebiet in eine Bergbauzone verwandeln wird.“

Unternehmen mit langem Sündenregister
Die Proteste und die Wut der Bevölkerung richten sich auch gegen das Unternehmen selbst. Southern Copper ist einer der größten Kupferförderer der Welt. 1,4 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen in das seit 2003 geplante Kupferprojekt Tía María investieren. Die peruanische Regierung verspricht sich von der Kupfermine wirtschaftliche Entwicklung, Devisen und Einkommen. Aber zu welchem Preis? Für nachhaltigen Rohstoffabbau ist der Konzern Southern Copper nicht gerade bekannt. In den 1950er und 1960er Jahren war Southern Copper mit der Raffinerie von Ilo an der südlichen Küste Perus für gravierende Wasserverschmutzungen verantwortlich gewesen. Auch der Großaktionär des Unternehmens, die Grupo México, ist durch massive Umweltverschmutzungen in der Vergangenheit in die negativen Schlagzeilen gekommen. Erst im August 2014 hatte das größte Kupferunternehmen Mexikos und drittgrößter Kupferproduzent der Welt eine der größten Umweltkatastrophen des Landes verursacht, als sich 40 Millionen Liter giftiger Abwässer in die Flüsse Sonora und Bacanuchi ergossen.
Die Beteuerungen von Southern Copper, modernen Bergbau in Tía María zu betreiben, haben nur beim Bergbauministerium gefruchtet. Dieses hatte im August 2014 die Umweltverträglichkeitsstudie des Unternehmens für positiv beschieden und grünes Licht für das Projekt gegeben – trotz erheblicher Mängel in der Studie, wie das Büro für Projektdienste der Vereinten Nationen (UNOPS) feststellte, und ohne die regionale Bevölkerung vorher zu konsultieren.
Ein zweites Conga ?
Es scheint, als ob die Regierung von Präsident Ollanta Humala aus ihren Fehlern wenig gelernt habe. Auch in den Protesten gegen die Goldminenprojekt Conga in der Region Cajamarca gab es Tote, Verletzte und wenig Verständnis für die Forderungen und Interessen der Bevölkerung. Auch damals hatte die Regierung zwischenzeitlich den Notstand ausgerufen und die Demonstranten kriminalisiert, um die Proteste gegen das 4,5-Milliarden-Projekt einzudämmen. Es wäre an der Zeit, die Forderungen der Zivilbevölkerung diesmal ernst zu nehmen. Aber die Regierung fährt ihren Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung ohne Rücksicht auf Verluste. Welche Folgen dieser Kurs haben wird, das kann man derzeit nur erahnen.
Von Eva Tempelmann. Mitarbeit Mattes Tempelmann (Red Muqui)

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