Peruanische Familien kämpfen um die Rückkehr nach Hause

 

Ein junger Mann ist beim Versuch in seine Heimat zurückzukehren im Fluss Pampas ertrunken. Einen Monat nach Beginn der Ausbreitung des Coronavirus in Peru werden an der Carretera Central (Hauptverkehrsstraße) improvisierte Zelte aufgestellt, um Familien mit ihren Kindern zu isolieren, die die Anden zu Fuß überqueren wollten. In weiteren Städten warten tausende Menschen darauf, in ihre Heimatregionen und indigenen Gemeinden zurückkehren zu können.

 

Am 16. April starb der 25jährige Maykol Pariona Carbajal. Er ertrank im Pampas, dem Grenzfluss zwischen den Regionen Apurímac und Ayacucho. Von Ica (an der Südküste Perus) war er zu Fuß gelaufen und hatte versucht, den Fluss zu durchschwimmen, um in seinen Heimatort im Distrikt Chocharcas (Region Apurímac) zurückzukehren. Seinem Reisegefährten gelang die Durchquerung des Flusses, er wurde zum Kommissariat der Provinz Chincheros gebracht, wo er berichtete, dass die beiden sich in den Höhen von Ayacucho auf dem Weg nach Apurímac kennengelernt hatten. Beide wollten in ihre Heimatorte zurück.

 

Einen Monat nach Erklärung des Ausnahmezustands mit Ausgangssperre und dem Aussetzen eines Großteils der wirtschaftlichen Aktivitäten, versuchen Hunderte von Menschen an ihre Herkunftsorte zurückzukehren, vertrieben durch die humanitäre und soziale Krise im Zuge der Ausbreitung des Covid-19-Virus. Seit die Flüge und überregionalen Busverbindungen gestrichen wurden, machten sich etwa 500 Familien mit Kindern aus Lima zu Fuß in ihre Herkunftsregionen auf (Junín, Huancavelica, Ayacucho und Apurímac). Jetzt stecken sie in Isolation fest, in improvisierten Zelten an der Carretera Central und im städtischen Stadion von Matucana in der Provinz Huarochirí. Dort wurden sie festgehalten, als sie versuchten die Anden zu Fuß zu durchqueren.

Diese Woche informierte die Umweltministerin Fabiola Muñoz, dass mehr als 47 Personen, die in den Zelten untergebracht sind, positiv auf Covid-19 getestet wurden.

 

In anderen Städten ist die Situation dieselbe. Weitere Hunderte von Familien warten in verschiedenen Städten auf Flüge oder Busse in ihre Heimatregionen und indigenen Gemeinden. Ungefähr hundert Awajún und Wampis warten in Lima und Trujillo auf Transportmittel, die sie zurück in ihre Gemeinden im Amazonasgebiet bringen.

 

So ist die Situation in den einzelnen Regionen:

 

Lima: Dutzende Menschen aus Piura sind in der Hauptstadt gestrandet und warten, in ihre Heimatstadt im Norden des Landes zurückkehren zu können. Die Regionalregierung von Piura hat mehr als 500 Personen registriert, die am 16. April zurückfahren sollten. Im letzten Moment wurde die Fahrt gestrichen.

 

San Martín: Die regionale indigene Vereinigung Awajun del Alto Mayo bat die Regionalregierung um einen humanitären Flug für 63 Angehörige des Volkes der Awajún, die in Lima gestrandet sind.

 

La Libertad: In Trujillo sitzt eine Gruppe von 37 indigenen Awajún und Wampis, Studierenden und Arbeiter*innen fest. Sie fordern Unterstützung, um in ihre Heimatorte zurückzukehren, bevor sich die Pandemie weiter ausbreitet.

 

Huánuco: Die Regionalregierung hat erklärt, dass ihre Kapazitäten erschöpft seien. 7000 Menschen in Lima warteten auf Rückkehrhilfe.

 

Áncash: In Chimbote gibt es Bürger*innen der Provinz Pomabamba in der Region Cajamarca, die auf ihre Rückkehr in die heimat warten.

 

 

Quelle:

https://ojo-publico.com/1764/crisis-humanitaria-de-la-pandemia-familias-luchan-por-volver-casa

Übersetzung:  Annette Brox

Eine Antwort

  1. Käthe Meentzen

    Es ist verständlich, dass viele Menschen in dieser Situation u.a. auch Studenten in ihre Comunidades zurückkehren wollen. Aber sind es nicht auch sie, die das Virus in den abgelegenen Dörfern verbreiten?

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