Die Peruanerin Maga Zevallos dreht Dokumentarfilme über Bergbaukonflikte.

 

Glitzerndes Meer, schroffe Felsen,  Fischer kommen vom Fang zurück, ihre Frauen nehmen den Fang auseinander, salzen die gefangenen Fischeier ein. Sie werden später als Kaviar nach China exportiert werden.  Mit diesem Fischeridyll beginnt der Dokumentarfilm „Entre el hierro y el mar“ (Zwischen dem Eisen und dem Meer), den die peruanische Dokumentarfilmern Maga Zevallos im Februar 2020 in Lima und Ica  vorgestellt hat.  Die idyllischen Bilder zu Beginn des Films sind das Gegenteil von dem, was man danach sieht: durch Bergbau verschmutzte Buchten inmitten einer traumhaften Meerlandschaft. Denn Marcona ist in Peru nicht für seinen Kaviar bekannt, sondern für sein Eisen. Direkt am Pazifik, eine gute Auto-Stunde von Nazca entfernt, wird seit vielen Jahrzehnten Eisen im  grossen Stil abgebaut.  Waren es in den 50-er Jahren die Amerikaner, in den 70-er und 80-er Jahren dann der peruanische Staat, so sind es seit Dezember 1992 die Chinesen, die in Marcona Eisen abbauen und nach China exportieren.

Marcona war die erste privatisierte Mine, nachdem Alberto Fujimori 1990 an die Macht gekommen war. Seit 1992 waltet dort der chinesische Staatsbetrieb Shougang.

 

Maga Zevallos (40) hat schon viele Bergbaugebiete besucht. Ihr erster Dokumentarfilm „La vida no vale un cobre”, ein Transmediaprojekt über den Kupferabbau in Espinar/Cusco,  wurde auf vielen Festivals gezeigt (und kann heute unter diesem Link lavidanovaleuncobre.com angeschaut werden).  Hildegard Willer hat mit ihr über ihren neuesten Film gesprochen, und über ihre Passion, das Filmemachen.

 

Wie bist Du zur politischen Dokumentarfilmerin geworden ?

 

Schon mein Vater hat mich als junges Mädchen auf die Demos gegen Fujimori mitgenommen. Dann habe ich Kommunikation studiert und mein erstes Praktikum im Büro des linken Abgeordneten Javier Diez-Canseco gemacht . Dort kam ich mit dem Thema des Extraktivismus in Kontakt, Javier Diez-Canseco machte Gesetzesvorschläge zur Einführung der Lizenzgebühren oder der Verteilung der Steuereinnahmen aus dem Bergbau. Ich war schon bei den ersten Bergbauprotesten 2002 in Piura/Tambogrande dabei. Das Thema Extraktivismus hat mich auch begleitet, als ich mit (dem bekannten peruanischen Journalisten) Cesar Hildebrandt  arbeitete.  Vor 11 Jahren habe ich mich dann selbständig gemacht und meine Kommunikationsagentur „Hiperactiva“ gegründet.

Das Filmen habe ich dann an der berühmten Filmhochschule San Antonio de los Baños in Kuba gelernt. Das Transmediaprojekt „La vida no vale un cobre“ über den Bergbau in Espinar war meine Abschlussarbeit an der Filmhochschule. „Entre el hierro y el mar“ ist mein zweiter Dokumentarfilm.

 

Die Chinesen bauen seit fast 30 Jahren in Marcona Eisen ab. Man hört darüber wenig in peruanischen Medien, im Gegensatz zu anderen Bergbaukonflikten. Wie bist Du also auf das Thema Marcona gestossen ?

 

Im Januar  2019 bekam meine Kommunikationsagentur einen Auftrag, Filmmaterial über Marcona für eine NGO zu erstellen. Damals lernte ich Marcona kennen und war tief beeindruckt.  Ich hatte immer schon eine spezielle Beziehung zum Meer, und Marcona ist die einzige Mine direkt am Pazifik. Die Abraumteiche direkt neben dem Pazifik zu sehen, hat mich sehr geschockt.  Marcona ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie eine Mine die Herrschaft über ein Territorium ausübt. 78% des Gebietes von Marcona gehört zur Konzession von Shougang. Vor 19 Jahren hat Shougang alle Bodenrechte bekommen, sowohl über als auch unter der Erde. Ein Beispiel: um zum angrenzenden Vogelschutzgebiet San  Fernando zu kommen, braucht man einen Passierschein von Shougang. Ohne Shougang läuft nichts in Marcona. Der Staat ist nach 20 Jahren Extraktivismus kaum anwesend.

Anders als in den neueren Bergwerken, sind die Arbeiter in Marcona nicht gut bezahlt. 70% sind schlecht bezahlte Leiharbeiter, 30% gehören zur Stammbelegschaft und viele von ihnen sind in der Gewerkschaft organisiert. Shougang hat viele Anzeigen bekommen wegen der Verletzung der Arbeitsrechte und ist auch seinen Investitionsverpflichtungen nie nachgekommen.

 

War es schwierig in Marcona zu drehen und habt Ihr Kontakt zu Shougang bekommen ?

Es ist immer schwierig in Gebieten mit Bergbaukonflikten zu filmen. Die Leute sind in der Regel sehr misstrauisch gegenüber allen, die von aussen kommen.  Die Polarisierung ist gross. Man muss viel Zeit aufwenden, um Vertrauen zu schaffen. Das war in Marcona auch nicht anders.  Trotz vieler Anfragen habe ich keinen Termin bei der Mine bekommen. Die höheren Angestellten fuhren in ihren SUVs mit abgetönten Scheiben durch den Ort, unnahbar. Erst Ende Januar 2020, als der Film schon fertig war, antwortete Shougang auf unsere Interviewanfrage.

Als wir den Film in Ica vorstellten, kam es zu heftigen Protesten. Von Shougang bezahlte Angestellte protestierten gegen den Film. Letztlich war ihr Tumult aber Werbung für den Film, weil so viele Medien darüber berichtet haben.  Als wir den Film in Marcona vorstellten, hatten wir den Schutz der Gewerkschaft und der Stadtverwaltung.

 

Wie finanzierst Du Deine Dokumentarfilme ?

 

Ein Dokumentafilm kostet alles in allem rund 30 000 US-Dollar. Wir hatten keine Fremdfinanzierung für unseren Film, auch wenn Shougang sagt, die NGOs würden uns finanzieren. Aber das stimmt nicht, ich bin unabhängig.

Ich mache die Filme praktisch in meiner Freizeit und mit dem Geld, das ich mit Hiperactiva verdiene. Ein halbes Jahr fuhr ich mit meinem Team jedes Wochenende nach Marcona, um zu recherchieren und zu filmen. Wir haben auch mit Crowdfunding und  T-Shirt-Verkauf etwas Geld reinbekommen. Das Filmen ist meine Leidenschaft.

 

Warum machst Du Dokumentarfilme ?

 

Einen Dokumentarfilm zu machen ist meine Art des politischen Engagements. Wir führen die Filme an Universitäten vor, veranstalten Diskussionsrunden. Ein Dokumentarfilm ist ein tolles Instrument, um die jungen Menschen zu sensibilisieren für Themen, die ihnen bisher unbekannt sind.  Ich will mit einem Dokumentarfilm aber auch konkrete Änderungen erreichen. Z.Bsp. in Marcona sind, seit unserem Film, wesentlich öfter Behörden präsent als vorher. Und Shougang hat vor kurzem 100 Häuser an seine Angestellten verteilt.

Für mich ist ein Dokumentarfilm ein Instrument, um aufzuzeigen, was falsch läuft und das aktuelle Entwicklungsmodell zu hinterfragen.

 

Hildegard Willer

Eine Antwort

  1. Peter glauser

    Typisch Perú… típico Peru
    Porque no hay Empresarios Peruanos por una rentable Mina.
    El Gobierno de China imprime tanto Dinero y compra mundial grande Empresas. Eso es peligroso por nuestra Independencia y Futuro.

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