Liebe Leserin, lieber Leser,

 

vor zwei Monaten hatte ich an dieser Stelle über die bevorstehende Lockerung der Quarantäne berichtet und die Befürchtung geäussert, dass die Fallzahlen nun rasch wieder ansteigen würden. 

Leider ist genau dies geschehen. Peru steht bei den Todesfällen pro Einwohner durch Corona weltweit ganz weit oben.  Das Virus ist inzwischen auch in den Anden angekommen. Vor einigen Monaten hoffte man noch, dass die Höhenlage vor Corona schützen würde. Dies Hypothese zerschlägt sich nun. Cajamarca, Huancayo, Cusco, Ayacucho, Puno, Arequipa – aus all diesen Andenstädten kommen die bekannten Bilder: Menschen vor überfüllten Krankenhäusern oder beim Warten auf die lebensrettende Sauerstoff-Flasche. Das Virus rückt auch jedem Einzelnen näher: kaum jemand in Peru, der nicht einen Corona-Toten in der näheren oder weiteren Familie oder Bekanntschaft hat. 

Schuld seien die Menschen, weil sie sich nicht an die Abstandsregeln hielten, sagt Präsident Vizcarra. Nach dem Ende der monatelangen strengen Quarantäne hätten sich die Leute wieder zum Essen in den Grossfamilien getroffen, und flugs seien die Infektionszahlen wieder in die Höhe geschnellt. Dem mag so sein. Aber die Kur dagegen überzeugt nicht. Seit dem 16. August gilt sonntags wieder eine Ausgangssperre im ganzen Land. Damit sollen die sonntäglichen Familienzusammenkünfte unterbunden bleiben. Allerdings kommt es stattdessen am Samstag und Montag zu langen, virusfreundlichen Schlagen vor den Märkten und Supermärkten. 

 

Einer der Gründe, dass Peru die Pandemie nicht in den Griff bekommt, hat mit der fehlenden Datenlage zu tun. Das gibt selbst Gesundheitsministerin Mazzetti zu. Die falschen Tests, zu wenige Labore, kein Contact Tracing. Und dazu eine starre staatliche Bürokratie, die Initiativen eher behindert als fördert. So hat ein peruanischer Mikrobiologe, Edward Malaga-Trillo, schon vor sechs Wochen einen molekularen, billigen Schnelltest entwickelt. Bis heute hat er nicht die Erlaubnis, in die Fabrikation zu gehen. Oder Kardinal Barreto aus Huancayo, der sich bitterlich darüber beklagt, dass die Genehmigungen des Gesundheitsministeriums zum Bau einer Sauerstoffanlage auf sich warten lassen. Oder dass eine (ehemals) deutsche Firma den Profit über die Gesundheit der Leute stellt. Er bezieht sich auf den ehemaligen Kühlschrankfabrikanten Linde, der absolute Marktührer in Peru für medizinischen Sauerstoff.  In diesem Newsletter finden Sie einen Brief der Infostelle Peru und die Antwort von Linde.

Die monatelange Pandemie ohne Lichtblick, macht sich nun auch in den Umfragen bemerkbar.  Hatten noch bis weit in den Mai hinein die grosse Mehrheit der Peruaner*innen die Corona-Politik von Präsident Vizcarra unterstützt, so meinen heute 30%, dass die Regierung die Pandemie schlecht handle.

Die Produktionsministerin hat angekündigt, dass internationale Linienflüge womöglich erst wieder Ende Jahr stattfinden werden.  Währenddessen macht sich die Wirtschaftskrise bei immer mehr Menschen bemerkbar.

Es ist keine gute Zeit in Peru.

 

Hildegard Willer

 

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