Liebe Leserin, lieber Leser,

Im Globalen Barometer für Glücksempfinden der Marktforschungsgesellschaft WIN belegen die Peruaner weltweit den 8. Platz!  Ein kürzlich im Schweizer Radio SRF gesendetes Feature  trägt den Titel: „Peru – ein Land startet durch“. Dort äussern sich eingewanderte Europäer begeistert über die wirtschaftliche Dynamik in Peru, die man so nur noch in China erleben würde.   Peru scheint dabei zu sein, vom hässlichen Entlein der 90-er Jahre zum Schönen Schwan der Andenstaaten Anfang des 3. Jahrtausends zu werden.

Was stimmt daran ? Wie immer kommt es darauf an, von welchem Standpunkt aus man die Situation in Peru betrachtet. Das Wirtschaftswachstum ist seit 10 Jahren ungebrochen, allerdings ist davon in den grossen Städten an der Küste wesentlich mehr zu spüren, als in den Anden- oder Regenwalddörfern.

Etwas gedämpfter sind da schon die Zahlen des UNDP-Berichtes zur menschlichen Entwicklung. Jedes Jahr veröffentlicht die UN-Entwicklungsorganisation ein Länder-Ranking nach den drei Indikatoren: Lebenserwartung, Schuljahre und Einkommen. Peru erhielt für 2012 den Platz 77 unter 187 Ländern, in allen drei Indikatoren  hat Peru in den letzten 10  Jahren feste zugelegt – so wie die meisten lateinamerikanischen Länder auch.  Die Kluft zwischen denen, die Zugang haben zu qualitativ guter Schulbildung und Gesundheitsversorgung und jenen, die davon ausgeschlossen sind, ist jedoch noch zu hoch in Peru. Und am schwächsten schneidet die Schulbildung ab.

Alarm geschlagen haben die Wirtschaftsprofessoren von der renommierten Universidad del Pacífico. In ihrer Publikation „“Wenn wir 2062 aufwachen. Peru in 50 Jahren“ warnen Jurgen Schuldt und Bruno Seminario davor, beim Wirtschaftswachstum wie bisher nur auf den  Rohstoffexport zu setzen. Sie  prognostizieren, dass spätestens Ende der 2020-er Jahre der momentane Rohstoff-Exportboom einen Einbruch erleiden wird. Jetzt sei noch Zeit, die hohen Staatseinkünfte zu nutzen, um die Wirtschaft zu diversifizieren und landwirtschaftliche Produktionsketten in den Anden aufzubauen.

Auch umweltmässig wird Peru an seine Grenzen kommen – wenn auch längst nicht so sehr wie Deutschland. Kanpp 5 Tonnen CO 2 Pro Kopf-Ausstoss würden die Peruaner in 50 Jahren ausstossen – zwar mehr als doppelt so viel wie heute, aber immer noch die Hälfte des deutschen Pro-Kopf-Ausstosses.

Ein grosses Problem wird es sein, alle Peruaner mit genügend gutem Wasser versorgen zu können. Denn gerade die grossen Städte an der wüstenartigen Pazifik-Küste und in den Anden werden  vom Klimawandel und/oder dem Bevölkerungswachstum besonders betroffen sein. Dem Thema „Wasser“ widmet sich unser diesjähriges Peru-Seminar vom 26. – 28. April in Köln, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.  Nähere Informationen dazu finden Sie auf unserer Webseite.

 

Hildegard Willer

(Redakteurin Infoperu)