Liebe Leserin, lieber Leser des InfoPeru,

in den letzten beiden Monaten erleben wir bewegte Zeiten in Peru. Nicht nur die üblichen Polit-Aufreger, von denen ein paar Tage später niemand mehr spricht. Sondern zwei Ereignisse haben das kulturelle und politische Leben Perus in den letzten Monaten geprägt, an die man sich auch in einigen Jahren noch erinnern wird.

Da war zum einen die erste Teilnahme einer peruanischen Nationalmannschaft an der Fußball-WM nach 36 Jahren. Zwar machten sich die wenigsten Hoffnungen, dass Peru über die erste Runde hinauskommen könne, aber das Dabeisein selber löste eine ungekannte Euphorie im fußballverrückten Peru aus. Zugleich zeigte die große Zahl von peruanischen Fans, die nach Russland fuhren, um ihre Mannschaft anzufeuern, dass in Peru doch eine Mittelschicht gewachsen ist, die sich dieses leisten kann. Auch wenn einige für die Reise eine Hypothek auf ihre Wohnung aufgenommen oder sich ihre Betriebsrenten auszahlen ließen – so munkelt man zumindest. Die peruanische Mannschaft ist dann zwar in der Vorrunde ausgeschieden. Allerdings äußerst ehrenhaft, mit einer Niederlage gegen den späteren Weltmeister Frankreich und einem Sieg gegen den späteren Vizeweltmeister Kroatien. Die PeruanerInnen sind zufrieden mit der Leistung ihres Teams, die peruanischen Fans sind Sympathie-Weltmeister in Russland geworden, und alle schauen gespannt auf 2022.

Das zweite Ereignis, das Perus Gesellschaft, Politik und vor allem Justiz bis heute aufwühlt, sind die Telefonmitschnitte peruanischer hoher RichterInnen, welche das Rechercheportal IDL-Reporteros seit zwei Wochen veröffentlicht. Einige vergleichen die sogenannten „CNM Audios“ (nach dem darin kompromettierten Richterauswahlgremium Consejo Nacional de la Magistratura) mit den Vladi-Videos vor nun bald 19 Jahren. Damals hatten die Videos, wie Präsidentenberater Montesinos ganz ungeniert Meinungen und Stimmen von Politikern und Medienmachern kaufte, eine der wichtigsten Anti-Korruptions-Bemühungen in Peru ausgelöst. Das Perfide an der Korruption ist ja, dass man es irgendwie weiß, aber nicht beweisen kann. Deshalb sind „geleakte“ Film- oder Tonaufnahmen unschätzbar, weil sie der Entrüstung der BürgerInnen einen Boden geben und sie aus der Lethargie des „Es sind ja doch alle korrupt“ aufwecken.

Die Bilanz der CNM-Audios und der daraus resultierenden öffentlichen Empörung kann sich auch sehen lassen: ein Justizminister und der oberste Richter sind zurückgetreten, alle RichterInnen aus dem Richterwahlgremium abgesetzt, ein anderer Richter verhaftet. Allerdings braucht es einen langen Atem, um nicht nur Personen auszuwechseln, sondern eine tatsächliche Reform des Justizwesens in Angriff zu nehmen.

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Hildegard Willer

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