Werbeprospekte Perus zeigen Anden mit grünen Tälern und hohen Bergen, Kleinbauern auf ihrer Scholle, den grünen Regenwald, der mit glücklichen Naturmenschen bewohnt ist, eine wüste Wüste. Klar, einiges davon stimmt, vieles ist – wieder einmal – großen Veränderungen unterworfen.Darüber informiert jetzt die  Welternährungsorganisation (FAO)  in einer großen Studie. Sie ist über die Zunahme weltweiter Landkonzentration in Händen großer Unternehmen (Stichwort: Landgrabbing) besorgt.

Im Teil zu Peru schildern Maria Isabel Remy und Carlos de los Rios vom Zentrum CEPES diese Besorgnis erregende Entwicklung.

Zur Erinnerung: Einen kurzen Blick zurück

Im „alten Peru“ galt das Prinzip der „Ayllus“, der Dorfgemeinschaften mit Nutzungsrechten an Boden, aber ohne individuellen Landbesitz, mit festgelegter Arbeitsleistung und einer klaren „Abgabenordnung“ (für die Elite, fürs Militär, als Vorsorge für Bedürftige und schlechte Zeiten). Die spanischen Eroberer eigneten sich große Ländereien an, führten Zwangsarbeit ein (wie für die sog.  „obrajes“,Werkstätten, z.B. zur Stoffproduktion), zerschlugen letztendlich das funktionierende Sozialgefüge des Inkareiches, das aber keineswegs  eine „Urform des Sozialismus“ war.

Wenig änderte sich in Peru in der Zeit nach der offiziellen Befreiung von der spanischen Kolonialmacht. Eine Änderung aber war die Ausdehnung großer Haziendas in den Anden und an der Küste mit der Beschäftigung schwarzer Sklavenarbeiter und später die Anwerbung von MigrantInnen aus Europa (auch arme Deutsche betraf dies, z.B. bei der Gründung von Pozusso im Regenwald mit Auswanderern aus Tirol und der Eifel), zum Teil entsprechend der Vorstellungen der  damaligen „Elite“ zur „Verbesserung der Rasse“, oder für Konzessionen für brutale Kautschuk-Barone (Stichwort: Fitzcarraldo – der wesentlich brutaler war, als ihn der Filmemacher Werner Herzog im gleichnamigen Film  zeigte) oder wenn riesige Flächen an englische Unternehmen zur Kaffeeproduktion übertragen wurden.

Ein großer Sprung in die 60iger Jahre

Weltpolitische und peruinterne Faktoren spielten mit, dass es 1968 zur Machtübernahme „modernistisch-populistisch-nationalistischer“ Militärs unter  General Juan Velasco Alvarado kam. Dies brachte u.a. wichtige Schritte zur  Überwindung von feudalen Strukturen, die einer modernen Entwicklung im Wege standen,  und auch die Überwindung alter Landbesitzstrukturen, Haziendas, die immer mehr zum Auslöser  subversiver Aktivitäten geworden waren.

1969 wurde das Gesetz 17716 (in Peru werden viele Gesetze mit Ziffern bezeichnet) erlassen. Das läutete die damalige Agrarreform ein. Folgende Begriffe wurden salonfähig: Soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Entwicklung. Große Grundbesitze (haciendas) wurden zerschlagen und „umverteilt“, schnell landwirtschaftliche Genossenschaften oder größere „Komplexe des sozialen Interesses“ (SAIS) gegründet. Über 8,5 Millionen Hektar Land wurden so an frühere Landarbeiter, Pächter und anerkannte Dorfgemeinschaften übergeben, die ehemaligen Besitzer wurden entschädigt. Der Besitzgröße  an bewässertem Land wurde auf 150 Hektar limitiert.

Die Prinzipien für diese Neuordnung des Landes waren:

  • Das Land sollte als Basis für Arbeit und Ernährung dienen, aber nicht dem Kapital.
  • Das Land denen, die es bearbeiten.
  • Es ist verboten, Land an ausländische Akteure  zu verkaufen, das Land ist eine „nationale Ressource“.

Es ist hier nicht der Platz, um auf die ganzen Unzulänglichkeiten, Umsetzungs-Unfähigkeiten und spätere gravierende Rückschritte (etwa ab 1975) einzugehen, wie etwa, dass Land jetzt doch veräußert werden konnte und die meisten Genossenschaften damit ihr Ende fanden.

Wir lassen auch die Aktivitäten der ersten Regierungszeit unter Alan García außen vor und schauen auf die großen Änderungen ab 1990, der Regierungszeit unter Präsident Alberto Fujimori.

Jetzt wurden staatlichen weitgehend Firmen privatisiert, die totale Liberalisierung des Marktes betrieben, die Größe an privatem Landbesitz auf 450 Hektar hinaufgesetzt, mit Schlupflöchern, wenn es sich um „Projekte nationalen Interesses“, wie Bewässerungsprojekte an der Küste oder den Bergbau, handelte.  Ausländisches Kapital wurde ausdrücklich eingeladen und dem nationalen Kapital gleichgestellt. Für große Landprojekte übernahm der Staat teure Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. große Bewässerungsprojekte. Die Obergrenze privaten Landbesitzes lag nunmehr bei 3.000 Hektar, Bergwerksunternehmen konnten mehr bekommen – alles legal. .  Die ehemaligen Zuckerrohr-Genossenschaften wurden aufgekauft und in Aktiengesellschaften umgewandelt. Alle früheren Prinzipien, dass „Land mehr ist als eine Ressource um Gewinne zu machen“, wurden ausgemerzt. Das „Büro für die Formalisierung von informellem Besitze“ (COFOPRI), also z.B. nicht bearbeitetes Land oder die verbleibenden Landreste aus der Agrarreform und PROINVERSION (angesiedelt bei der Zentralregierung) erhielten große Macht und Korruptionsempfänglichkeit. Hier gab es Insider-Informationen, welches Land in der trockenen Wüste demnächst durch große Bewässerungsanlagen für die industrielle Landwirtschaft interessant würde. Bereits 2003 erreichten entsprechende Lobbygruppen die Verabschiedung eines Gesetzes zur speziellen Förderung des Marktes für Agrotreibstoffe.

Es ist die Hochzeit des massiven Ausbaus von Bewässerungsprojekten vom Typ „Die Wüste grünt“.  Diese dienten zur Ableitung von großen Wassermengen aus den Anden und wurde deklariert als von „nationalem Interesse“. Das Vorhaben, das Gemeinschaftsland der andinen Dorfgemeinschaften für Bergwerksunternehmen und im Regenwald für Erdölfirmen ohne rechtlichen Einspruch von Staat und Regionalregierungen zu vergeben (Decretos Leyes 1015 und 1073), musste durch die starken Proteste vor allem im Regenwald, von der Regierung Garcías wieder zurückgenommen werden.

Jetzt ist es angesagt, die aktuelle Situation der Landfrage in Peru anzusehen

Die Landnutzung durch Kleinbauern (campesinos) oder indigene Dorfgemeinschaften  ist stark zurückgegangen. Große Bewässerungskanäle ändern das Bild der trockenen Wüste, besonders an der nördlichen Küste, Immer mehr Land im Regenwald wird abgeholzt für die Produktion von Erdöl, Erdgas oder die Produktion von Agrotreibstoffen (u.a. Ölpalmen).

Das Konzept der neo-liberalen, gewinnorientierten Nutzung und Besitzkonzentration ist nicht nur auf dem Mist peruanischer Politiker gewachsen, sondern wurde bereits 1990 als interamerikanische Globalpolitik – Strukturanpassungspolitik – im sog. Washingtonkonsens umgesetzt. Der peruanische Ex-Diktator-Präsident Fujimori war dazu ein williger Mitarbeiter: Liberal in der Wirtschaftspolitik, autoritär in der Staatsführung, zerstörerisch im sozialen Bereich und gegenüber den sozialen Bewegungen.

Wachstumsorientierte Zeitgenossen sehen Peru gerne als gutes Beispiel, dass mit Ausweitung der industriellen Landwirtschaft gute Gewinne zu machen sind: Sie haben, wenn sie nur die Statistiken sehen, durchaus Recht:

Lag 1999 der Wert der landwirtschaftlichen Exporte bei ca. 300 Millionen Dollar, so waren es 2009 ca. 2.600 Milliarden Dollar.

Die meisten Einnahmen stammen von nicht traditionellen Agrarprodukten wie Spargel, Paprika, Weintrauben, Artischocken, Mangos – alles vorrangig an der Küste mit Hilfe von Bewässerungsanlagen  produziert. Erstaunlich dabei, dass der Kaffee (ein eher schon traditionelles Exportgut) an erster Stelle steht.

Kaffee-Export:

Wer in Peru Kaffee bestellt, bekommt meist diese komische lösliche Masse von Nestlé , produziert in Kolumbien, weniger den selbst hergestellten „cafe pasado“. Schätzungen sagen, dass 99% bis 99,5% der Kaffeeernte exportiert werden. Der Kaffee steht an erster Stelle der landwirtschaftlichen Exportgüter.

Im Jahr 2000 lagen die Einnahmen aus Kaffee unter 250 Millionen Dollar, im Jahr 2009 waren es ca. 600 Millionen Dollar.

Der Kaffee wird zu ca. 70% von Kleinbauern produziert. Diese sind aber nicht organisiert und müssen ihren Kaffee zu schlechten Bedingungen verkaufen. Die großen Kaffee-Exportunternehmen sind: Romero Trading (Grupo Romero – dazu später mehr) und Parales Huancanuna AG. 30% des Kaffees werden (vorrangig an den Andenabhängen und im Hochregenwald) auch von Kleinbauern produziert, die sich in Genossenschaften organisiert haben und an den „Nischen-Markt“ (Premiumqualität) bzw. Öko-Fairen Handel verkaufen können. Sie erhalten bessere Preise.

Es muss natürlich daran erinnert werden, dass die Export-Haupteinnahmen Perus mit ca. 61% aus dem Bergbau stammen und der „Landverbrauch“ mit Bodenzerstörung und die Landkonzentration hierdurch am stärksten ist.

Weltweit betrugen die Zuwachsraten bei Investitionen im Bergbau im Zeitraum 1990 bis 1997 ca. 60%, in Lateinamerika ca. 400% und in Peru ca. 2000% (Bebbington, 2007). Mit entscheidend dafür war natürlich der hohe Preis für knapper werdende Metalle wie Gold und auch, dass die von offizieller Seite immer hoch gelobte Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung – EIA – als Garantie für eine umweltverträgliche Bergwerkstätigkeit beim Ministerium für Energie und Bergbau liegt, wie auch dort gleichzeitig die Förderung der Bergwerkstätigkeit – sicher kein Zufall. Die Bergwerks-Lobbygruppen haben es bis jetzt auch geschafft, dass die Zuständigkeit für Umweltverträglichkeitskontrollen nicht an das Umweltministerium übertragen worden ist.

Der peruanische Regenwald hat mit  ca. 750.000 qkm  mehr als die doppelte Fläche wie  Deutschland. Davon wurden  speziell  in der zweiten Regierungszeit von A. García ca. 560.000 qkm als Konzessionen vergeben, u.a. an Erdöl-, Gas- und Holzfirmen,  sowie  ca. 30.000 qkm für bäuerliche Neusiedler (colonos). Lediglich 140.000 qkm sind als Schutzgebiete ausgewiesen (Reservas Comunales, Naturparks oder Gemeinschaftsland der indigenen Völker). In diese dringen jedoch  massiv illegal z.B. Holzfäller, Goldsucher oder Coca-Anbauer ein

Die peruanische Politik vernachlässigt die Kleinbauern nicht deshalb, weil sie grundlegend unsozial ist, sondern gemäß der Theorie: Die weniger effektiven Bauern müssen letztendlich den effektiveren – also agroindustriellen Konzernen – ihr Land übergeben (Feder y Feeny 1991). Natürlich gibt es weltweit Erfahrungen, dass dieses so nicht stimmt, sondern die bäuerliche Landwirtschaft mehr zur Ernährungssicherheit beiträgt, nicht so anfällig wie ein Monopolanbau ist und somit effektiver, weil nicht so gefährdet ist. Das ist aber kein Schwerpunkt im Landkonzept der Marktliberalen.

Hier gilt auch aktuell:

Der „freie Markt“ ist alles beherrschend. Dieser “Markt” fordert im ganzen Land die Ausweitung der landwirtschaftlichen Fläche, z.B. durch Bewässerung der bisher unfruchtbaren Wüste. Das schafft aber der „Markt“ nicht alleine, sondern  „er“ erhält die großzügige Unterstützung des Staates, also der Steuerzahler.

Die Umwandlung der ehemals 12 Zuckergenossenschaften, mit ca. 128.000 Hektar Land, war ein gutes Geschäft im Zuge der Privatisierung für große Unternehmen.

Der „Freie Markt“ wird massiv unterstützt durch den Verkauf von unbearbeitetem Land, das dem „Staat“ gehört . wenn dieses Land  „landwirtschaftliches Potential“ hat. Das ist nach teuren Bewässerungsprojekten oder auch bei ausgemachtem Waldpotential (für die Anlage von  Plantagen) der Fall.

Die aktuelle Landkonzentration in immer weniger Händen:

Einige Zahlen sollen nun das vorher Gesagte etwas untermauern:

(Anmerkung: Zum Vergleich: München hat ca. 31.000 Hektar,

  • Grupo Gloria erkaufte sich ca. 52.000 Hektar im Dept. La Libertad (Trujillo, Provinz Ascope), inkl. 7.000 Hektar im Dpt. Arequipa – für Ethanol und Zuckerproduktion. Grupo Gloria hat somit 45% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in der Provinz Ascope.
  • La Corporación Miraflores (COMISA) erwarb 26.300 Hektar an der Küste von Piura (für Ethanol) und im Regenwald für Ölpalmproduktion.
  • Grupo Olviedo kaufte ca. 22.000 Ha und besitzt einen Großteil des Aktienkapitals der Zuckerrohrbetriebe Tumán und Pomalka (Rum), wobei der peruanische Staat aktuell wohl seine Anteile noch verkaufen will.
  • Camposol S.A. (ausländisches Kapital, u.a. aus Norwegen ) hat 22.000 Ha. in den Dpts. Lamayeque, Piura und Tumbes gekauft, speziell für Agrotreibstoffe.
  • Grupo Romero hat ca. 19.000 Hektar dazugekauft, spez. für die Produktion von Palmöl, in den Regenwaldregionen Loreto (9.000 Ha), San Martin (3.000) und an der Küste Piura (9.000 Ha). –

Weitere Käufe:

  • Grupo Picasso 16.000 Hektar  im unteren Teil des Santa-Tals im Dept. Ancash,

Grupo Wong (die mit den großen Warenhäusern)  ca. 10.000 Hektar in Paramonga  (Dpt. Lima-Barranca),

  • Grupo Manuelito (aus Kolumbien) 9.170 Hektar im Dpt. La Libertad, Vini,
  • Die nordamerikanische Firma Estate Servicies (REGO) hat 4.000 Ha. gekauft

Das sind einige Zahlen von 21 Unternehmen, die im Zeitraum von 2004 bis 2010 ca. 200.000 Hektar Land in größeren Mengen gekauft haben, mehrheitlich für die Produktion von Zuckerrohr für Ethanol und Ölpalmen.

Hinzu kommt noch eine Anzahl von Landverkäufen durch Regionalregierungen. Hier fallen besonders die im Urwald-Deptartement Ucayali, San Martin und Loreto auf. So wurden zusätzlich zu den o.g. Verkäufen durch Behörden der Zentralregierung noch z.B. 12.000 Ha. im Dpt. Ucayali an Grupo Romero verkauft (Agrotreibstoffe, Ölpalmen) und im nördlichen Küstengebiet hat die Regionalregierung 26.000 Hektar verkauft, davon 12.000 Ha. an Maple Gas Corp. und 7.000 Ha. an – ja wieder Grupo Romero.

Die Nennung der konkreten Firmen ist sicher nicht für alle interessant, aber es ist so zu sehen, wer die NEUEN LANDBESITZER PERUS sind.

Die „grüne Wüste“ wird sich noch ausweiten

Der Stausee Tinajojes/Jequetepeque-Tal im nördlichen Peru, BRD-finanziert und mit deutschen Firmen gebaut, mit allen Fehlern großer Stauseen behaftet (Verschlammung, Versalzung, mit der Notwendigkeit, neues Wasser aus den Anden von Cajamarca zuzuleiten) hat nicht zum Umdenken bei Regierung und Konzernen geführt. Neue Stauseen sind im Bau, an deren Namen man sich gewöhnen muss:

Chavimochic (Dpt. La Libertad), Fertigstellung 2016, „neues Wüstenland“ 50.000 Ha.

Majes-Siguas (Dpt. Arequipa), Fertigstellung 2015, neues Land 46.500 Ha.

Olmos (Dpt. Lambayeque), Fertigstellung 2013, neues Land 43.500 Ha.

Lagunillas (Dpt. Puno – Südanden), neues Land 31.000 Ha.

Concon-Topara (Dpt. Lima-Ica), neues Wüstenland 30.000 Ha.

Alto Piura (Dpt. Piura), neues Wüstenland 19.000 Ha.

Pasto Grande (Dpt. Moquegua, Südküste), neues Wüstenland 5.500 Ha.

Bei einer Investition von fast 2 Milliarden Dollar und allein durch diese neuen Stauseen wird es Landkonzentrationen von über 220.000 Hektar geben,  und es steht fest: Auf diesem Boden  werden keine Lebensmittel produziert.

Eher unbekannt sind, wie schon erwähnt, die Möglichkeiten der Regionalregierungen, ebenfalls im großen Stil Land zu verkaufen.

Das peruanische Landwirtschaftsministerium gab über Vorbereitungen von Landverkäufen folgende Zahlen bekannt:

Edusac Etanol Ucayali wird ca. 60.000 Ha. im Dpt. Ucayali (Regenwald) kaufen zur Produktion von Ethanol,

die Samoa Fiber Holdings (USA) wird ca. 58.000 Hektar im Dpt. Loreto (Regenwald) kaufen zur Produktion von Ethanol,

CIAVAZA ist mit ca. 50.000 Ha. im Dpt. Ucayali dabei: Ethanolproduktion

Biodiesel Ucayali ist mit bescheidenen 5.000 Ha. dabei  für falsch bezeichnetes „Bio“-Diesel und Palmagro 1.200 Ha. in Ucayali für Palmölproduktion.

Allein diese Zahlen ergeben weitere 211.000 Hektar Land in hochkonzentriertem Besitz, besonders problematisch, weil das eine weitere Zerstörung des amazonischen Regenwaldes bedeutet.

Ländereien in hochkonzentriertem Landbesitz  wuchsen zwischen 1996 und 2010 auf über 325.000 Hektar. Zählt man die aktuellen Projekte hinzu, werden es bis 2015 über 800.000 Hektar sein, das sind über 800 qkm.

Damit der Kopf nicht vor lauter Zahlen schwirrt: das ist mehr als die Fläche von Hamburg (755 qkm), fast die Fläche von Berlin (871 qkm).

 Landgrabbing in Peru?

Das weltweit  aktuelle Thema, nämlich die Inbesitznahme, Landnutzung und Landkonzentration durch ausländische Unternehmen, mit Beteiligung der jeweils nationalen Regierungen, ist sehr Besorgnis erregend.  Denn  damit geht Ackerland, das der möglichen Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Lebensmitteln dient, verloren.

Wie sieht es damit in Peru aus?

Wie gezeigt wurde, ist die Landkonzentration sehr stark. Im engeren Sinn ist hier – noch – keine so intensive Beteiligung ausländischer Konzerne (wie beispielsweise in afrikanischen Staaten) im Gange.

Die neuen „Hazendados“ in Peru sind u.a.

–        Die schon mehrmals erwähnte GRUPO ROMERO, deren Familienoberhaupt seit Jahren zu den 10 wichtigsten Personen in Peru zählt. Zur Grupo Romero gehören u.a. Textil Peru, Nahrungsmittel Alicorp, Teile der Banco de Crédito, Hauptexporteur des peruanischen Kaffes mit Romero Trading, in Bolivien besitzen sie Industrias del Aceite S.A. (Soya), im peruanischen Regenwald Palmölproduktion (Shanusi, Palmas del Espino, Industrias del Espino), Primax SA (Benzin mit Empresa Nacional de Petroleo de Chile), die großen Lebensmittelmärkte Minka, Ransa Comercial SA mit eigenen Schiffen für den Export, etc.

–        Die auch schon erwähnte GRUPO GLORIA, Familie Banda, die die Milch-Firma „Leche Gloria“  aufkaufte und heute in vielen Bereichen Geld macht: Milchprodukte, Lebensmittel, Zement,  Pharmaerzeugnisse, Kartonherstellung, Transport und Zollangelegenheiten, u.a. unter dem Namen: Suiza Dairy Corp., Suiza Fruit Corp. Seit 2006 besitzt sie 45% der Zuckerfirma „Casa Grande“.

–        Die Firma Dyer und Coriat besitzt mehrere Großfischfang-Kutter und 28% Aktien im ca. 25.000 Hektar großen agroindustriellen Komplex „Camposol“, ca. 15% Anteil hält hier die Deutsche Bank.

Die Landkonzentration, die hauptsächlich der Produktion von Agrotreibstoffen und dem Anbau von Exportnahrungsmitteln wie Spargel dient, hat eine weitere fatale Folge:

Die Importe von Nahrungsmittel werden höher. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Weizen, Mais und Soya. Die Ausgaben für Nahrungsmittel waren z.B. 1991 ca. 510 Millionen Dollar, 2008 bereits 2.500 Milliarden Dollar. Seltsam, das ist fast die gleiche Summe, die 2009 den Wert von Agrarexporten aus Peru hatte (2,6 Milliarden Dollar). Die Tendenz ist steigend, die Gefahr der Nahrungsmittelunsicherheit damit auch steigend.

Aktivitäten zur Begrenzung des Landbesitzes?

In der Regierungszeit von Präsident A. García gab es einen Antrag der APRA-Partei für eine Begrenzung des Landbesitzes auf 40.000 Hektar pro Person. Das gab heftige Diskussionen, speziell aber aufgrund unterschiedlicher Interessen der Landbesitzer-Lobby, wie die Firmen Picasso oder Oviedo, die weiter wachsen wollten, aber dabei durch massivere Landkäufe durch die Gruppe Gloria gebremst wurden.

Die Nationalistische Partei spricht sich für10.000 Hektar pro Person aus. Der Bauernführer Andrés Luna Vargas begründet dies , dass z.B. im Tal Chira Kleinbauern auf einer Fläche von jeweils bis zu 2 Hektar sehr effektiv Bananen produzieren und durch gute Zusammenschlüsse diese auf dem internationalen Markt verkaufen und so gegen eine internationale Firma bestehen können, die auch dort produzieren lässt..

Der Generalsekretär der CCP (Confederación Campesina del Peru – gegründet als linke Organisation 1945 ), Roberto Lopez Cruz, betont, dass Kleinbauern und Mittlere Bauern die Nahrungsmittel wie Kartoffel, Mais, Reis etc. für den internen Markt produzieren – und das zu so geringen Preisen, dass das eher ein Verlustgeschäft ist. Die CCP spricht sich für eine Besitzgröße von bis zu 250 Hektar aus.

Efraín Gonzales de Olarte, Wirtschaftsprofessor an der katholischen Universität in Lima, plädiert dennoch für große Anbauflächen ,  denn  nur so könnten seiner Meinung nach  Nahrungsmittel gut und billig produziert werden. Das sei gut für die Armutsbekämpfung in den Städten und ein Beitrag zur Überwindung der sozialen Ungleichheit.

Und die  CONFIEP (Nationaler Zusammenschluss der privaten Unternehmen Perus) lässt verlauten, dass die Festsetzung einer Obergrenze beim Landbesitz ein „Attentat gegen die Fundamente der sozial-liberalen Marktwirtschaft“ sei.

Und, wer will schon ein Attentäter, ein Terrorist sein.

Und wo bleibt das „Positive“?

Da fällt einem doch die kleine „Wunderwaffe“ ein: PINON BLANCO – JATHROPA – PURGIERNUSS – aus der Familie des Wolfsmilchgewächses.

Die Nuss dieser genügsamen Pflanze soll das schlechte Image der Agrotreibstoffe wie Zucker oder Palmöl verbessern. Ein Vorteil, der auch von einigen, agrartechnisch tätigen Hilfsorganisationen betont wird, ist, dass diese Pflanze auch auf Böden gedeiht, wo sonst nichts wächst. Es ist hier nicht der Platz, intensiv darauf einzugehen. Klar ist, dass dort der Ertrag sehr gering ist, also wirtschaftlich nicht wirklich interessant. Und warum befördert die Regionalregierung in San Martín, im peruanischen Regenwald, den intensiven Anbau von Jathropa? Sie betont, dass Jathropa sich gut eignet für Gebiete, die bereits abgeholzt seien. Erfahrungen in anderen Regionen haben gezeigt, dass es noch lukrativer ist, zuerst den Regenwald abzuholzen, das Holz teuer zu verkaufen und dann darauf z.B. Jatropha anzubauen (inforegion, 15.10.2012).

Zum Welternährungstag am 16.10. wurde z.B. durch Oxfam, erneut darauf hingewiesen, dass es die Bäuerliche Landwirtschaft ist, die zukunftsfähig ist. Bei einer Zahl von immer noch 49 Millionen Menschen in Lateinamerika, die hungern, ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn die dortigen Regierungen die agroindustrielle Landwirtschaft für den Export fördern. Nein, die kleinen Landwirte, besonders die Frauen, campesinas, sind zu fördern, denn nur so kann die Ernährungssicherheit der Bevölkerung sichergestellt werden. Das ist bekannt und belegt,  muss aber  immer wieder und  konsequent eingefordert werden.

Die meisten Daten in diesem Artikel stammen aus der Studie: FAO: Dinámicas del mercado de la Tierra en América Latina y el Caribe. Concentración y Extranjerización, Perú 2012 von CEPES; Peru.

http://www.rlc.fao.org/fileadmin/content/events/semtierras/acaparamiento.pdf  – Kapital zu Peru ab Seite 425

(Heinz Schulze)