„Es war einmal eine deutsche Familie, die 1861 aus Pommern nach Brasilien auswanderte…“

So beginnt eine dokumentarische Lesung über den Korruptionsskandal rund um die Firma Odebrecht, die der AK Lateinamerika in München im Oktober „uraufgeführt“ hat – eine lebendige Erzählung darüber, wie das Unternehmen mit einem raffiniert ausgeklügelten System der Korruption Einfluss auf Politik und Wirtschaft nahm und damit Aufträge für zahlreiche äußerst lukrative Aufträge bekam.

Protagonisten der Geschichte sind zwei Führungskräfte des Unternehmens und die Staatsanwaltschaft. In den Fragen der Staatsanwaltschaft und den Antworten der beiden Manager wird das Ausmaß des Korruptionsskandals in Peru deutlich. Fünf Präsidenten waren involviert: Begonnen mit Alan García, der in seiner Amtszeit regelmäßig Besuch von führenden Odebrecht-Mitarbeitern erhielt und u.a. das Bewässerungsprojekt Olmos an das Unternehmen vergab. Spargel, Avocados, Mangos von dort landen auch in deutschen Supermärkten. Weiter geht es mit Alberto Fujimori, der viele Millionen Bestechungsgelder erhielt. Seine Tochter Keiko erhielt eine Wahlkampf-Hilfe von 500.000 Euro, in einer Sporttasche überbracht. Als das nicht reichte, gab es noch mehr Geld. Auch Alejandro Toledo erhielt Wahlkampfhilfe. Und im Vorfeld des Baus der Interozeanischen Straße flossen 20 Millionen Dollar auf sein Konto.

„Wir unterstützen alle Präsidentschaftskandidaten, um unseren Interessen alle Türen zu öffnen und bessere Chancen zu bekommen. Wir unterstützen alle. Egal, wer die Wahlen gewann, wir standen bei allen gut da. Bei der Auftragsvergabe reden alle Parteien und ihre Parlamentsabgeordneten ein Wörtchen mit. Das muss man bedenken“, so ein führender Mitarbeiter des Unternehmens.

Kein Wunder also, dass auch Ollanta Humala und Pedro Pablo Kuczynski Geld von Odebrecht erhielten, auch wenn letzterer dies hartnäckig leugnete und erst im März 2018 zurücktrat, als die Beweislast erdrückend war.

Nicht nur die Verwicklungen der einzelnen Präsidenten in den Bestechungsskandal werden in der Lesung erörtert. Die Zuhörer*innen erfahren auch, wie die Kommunikation und das System der Schmiergeldzahlungen funktionierten, und was in diesem Zusammenhang eine „Schildkröte“, „fiktive Verträge“ und die Abteilung „Sondergeld“ bedeuten.

Die politische und juristische Aufarbeitung des Odebrecht-Skandals läuft. Das Justizministerium ermittelt gegen 27.000 staatliche Funktionäre und Bürgermeister wegen Bestechlichkeit.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Die kann nachlesen, wer die dokumentarische Lesung in der Geschäftsstelle der Infostelle bestellt. Gerne schicken wir sie zu. Und wir freuen uns, wenn sie nicht nur daheim im Wohnzimmer gelesen wird, sondern – so wie in München – auf einer öffentlichen Veranstaltung. Das Münchner Publikum jedenfalls war beeindruckt und diskutierte im Anschluss angeregt.

Das Lesestück kann per E-Mail in der Geschäftsstelle bestellt werden – gerne gegen eine kleine Spende.

Annette Brox

2 Responses

  1. Dr. Marita Kohmäscher

    Eine solche Lesung finde ich – Mitglied der Lateinamerikagruppe Osnabrück – sehr interessant. Deshalb würde ich mich freuen, wenn ihr mir den Text schicken könntet.

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  2. Hans Meister

    o ja, bitte schicke mir das zu.
    Danke Hans Meister, Lortzingstr. 15, 91074 Herzogenaurach

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