Impfstand, Regenwald, Schulsituation – aktuelle Meldungen aus Peru.

 

 Schlechte Aussicht auf Impfung

Am 8. Februar kamen die ersten Impfdosen der chinesischen Firma Sinopharm in Peru an, am 9.3. wurde der erste Arzt geimpft.  Der Impflan sah das an der vordersten Linie tätige Gesundheitspersonal als prioritär an.  Auf Drängen der Bevölkerung wurden danach auch die Senioren in den Impflan aufgenommen. Nachdem die Impfungen bisher schleppend verliefen und mit Schummeleien im Impfregister – so wurden Berufsgruppen geimpft, die keinen Kontakt mit Covid-Kranken hatten – , hat die Regierung Anfang April eine neue Impfstrategie vorgelegt. Zuerst sollen die über 80-Jährigen geimpft werden, und zwar unabhängig vom Versicherungsinstitut, dem sie angehören. Die Impfung ist gratis und universal – also auch für Ausländer*innen. Dazu wurden in allen Stadtteilen – zuerst in Lima, danach sollen auch Provinzstädte drankommen – Impfzentren errichtet. Am 16. April fand der erste universelle Impftag für Menschen ab 80 Jahren in Lima statt.

Am 15. April sind in Peru 676 140 Menschen geimpft worden, das sind 2 – 3 % der Bevölkerung. Bis Ende Juli, also zur Regierungsübergabe, werden erst 20% der bereits gekauften Impfdosen ausgeliefert sein.  Momentan werden Impfstoffe der Firmen Sinopharm, Pfizer und Astra Zeneca verimpft.

Es wird mindestens bis Ende Jahr dauern, bis alle Peruaner*innen geimpft sind. Die Impfung bietet also keine kurz- oder mittelfristige Strategie, um das Corona-Virus in Schach zu halten.  Peru hat weltweit die höchste Übersterblichkeit (die Zahl der Toten im Vergleich zur durchschnittlichen Todeszahl vor Corona). Die zweite Welle ist nie abgeebbt, seit Auftauschen der brasilianischen Mutante steigen die Zahlen der Infizierten erneut steil an.

 

 

Regenwald für Landwirtschaft geopfert

 

Von den 4,9 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die das Amazonasgebiet 2018 verzeichnete, sind mehr als 1,1 Millionen Hektar Waldfläche gewesen und zwischen 2001 und 2017 verloren gegangen. Das geht aus einem neuen Bericht des „Proyecto de Monitoreo de la Amazonía Andina“ hervor, der den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Entwaldung im peruanischen Amazonasgebiet untersucht. In den Regionen Loreto, San Martin, Ucayali und Madre de Dios wurden die abgeholzten Flächen für den Anbau von Ölpalmen und Kakao genutzt.

https://www.servindi.org/actualidad-producciones-audios/15/03/2021/nuestro-resumen-semanal-de-noticias-de-peru

Eine weitere neue Studie von Oxfam mit dem Titel „Agronegocios y crisis climática en el Perú“ untersucht den Kohlenstoffausstoß pro Hektar Land, der von den riesigen Ölpalmenplantagen (89.725 Hektar) und Kakaoplantagen (5.458 Hektar) verursacht wurde. Seit 2013 sind das allein auf den Kakaoplantagen 87.040 Tonnen Treibhausgase gewesen, das ist vergleichbar mit dem jährlichen Ausstoß von etwa 69.000 PKW. Oxfam und seine Partner hoffen, ihr Bericht werde helfen, auf das Agrarministerium Druck auszuüben, damit es seine Forstpolitik verstärke und Waldschutzmaßnahmen verbessere.

https://www.oxfamamerica.org/explore/stories/new-data-shows-deforestation-in-peruvian-amazon-responsible-for-sizable-carbon-emissions/

 

 

Frauenhaus in Cajamarca eröffnet

 

Die Wohltätigkeitsorganisation von Cajamarca kündigte an, dass sie eine Notunterkunft in der Stadt Cajamarca einrichten wird, die bis Ende März fertig gestellt sein soll. Cajamarca ist eine der wenigen Städte, die bis jetzt noch keine Unterkunft hatte für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

Es handelt sich um eine vorübergehende Unterkunft für drei Jahre, währenddessen soll ein größeres Frauenhaus gebaut werden. Bis zum vergangenen Jahr wurden Frauen in der Herberge „Nuestra Señora de la Caridad“ betreut, die aber aufgrund der Covid-19-Pandemie den Betrieb eingestellt hat.

Die Idee ist, ein nachhaltiges Projekt in Gang zu setzen, bei dem die Frauen während ihrer Zeit in der Unterkunft ein Produkt herstellen, bis sie ihre rechtliche Situation geklärt haben. Sie sollen ökonomische Autonomie bekommen, denn die meiste Gewalt ist darauf zurückzuführen, dass einige Frauen, die nicht arbeiten, von ihren Männern abhängig sind. Außerdem bekommen sie dort psychologische Behandlung, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen soll.

https://andina.pe/agencia/noticia-cajamarca-implementara-casa-refugio-para-mujeres-victimas-violencia-834811.aspx

 

Fridays for Future Peru organisiert Umweltdebatte zum „Escazu-Abkommen“ mit Präsidentschaftskandidat*innen

In einer „Umweltdebatte“ stellten sich sieben Präsidentschaftskandidat*innen am 12. März den Fragen von Fridays for Future und 20 anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Kandidat*innen Veronika Mendoza (Juntos por el Peru), Julio Guzman (Partido Morado), Marco Arana (Frente Amplioi) und Ollanta Humala (Partido Nacionalista) präsentierten ihre Vorschläge zu Umweltthemen und positionierten sich für das Abkommen, während Rafael Santos (Patria Segura) und Rafael Lopez Aliaga (Renovacion Popular) immer wieder wiederholten, dass sie gegen das „Escazu-Abkommen“ seien, weil es angeblich die Souveränität Perus beeinträchtigen würde. Diese Behauptungen waren Teil einer Desinformationskampagne gegen den internationalen Vertrag. https://redaccion.lamula.pe/2021/03/12/debate-ecologico-presidencial-elecciones-acuerdo-escazu-medio-ambiente-emergencia/redaccionmulera/?fbclid=IwAR0prD93jXrSPej9AmB-xIPeUSaaAOYpaFlYUwAjDnFODtDRY8pFnoWoC38

Eine Woche später, am 19. März, dem weltweiten Klima-Aktions-Tag, beteiligte sich Fridays for Future Peru auch in einem Bündnis aus mehr als 20 Netzwerken und sozialen Institutionen, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Klimanotstand und die Zerstörung der Natur eine reale Gefahr sind. Sie fordern „Schluss mit falschen Lösungen!“ und fordern die Präsidentschaftskandidat*innen auf, den „Pacto Ecosocial“ zu unterzeichnen, um der Klimakrise entgegenzutreten. In einem digitalen Streik organisierten sie ein Panel mit Vertreter*innen von AIDESEP, FEMUCARINAP und Viernes Por El Futuro, um den „Pacto Ecosocial“ vorzustellen und zu diskutieren.

https://www.servindi.org/19/03/2021/alianza-ecosocial-se-une-jornada-global-de-accion-climatica

 

Mehr als 700.00 Schüler und Schülerinnen in Peru gefährdet, die Schule abzubrechen

Ein Jahr nach der Pandemie sind Lateinamerika und die Karibik noch immer die Weltregion mit der größten Anzahl Schüler*innen, die nicht in ihren Klassenzimmern unterrichtet werden. In Peru hat die Regierung eine Richtlinie beschlossen, nach der zuerst Schulen in Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten geöffnet werden sollen, im zweiten Schritt diejenigen, die fließendes Wasser zum Händewaschen, genügend Masken, Seife, Desinfektionsmittel und Reinigungsprodukte vorweisen können.

Die Unicef-Direktorin für Lateinamerika und die Karibik Jean Gough, warnt: „Das ist die schlimmste Bildungskrise, der die Region in ihrer modernen Geschichte erlebt hat. Viele Kinder haben bereits ein Jahr ihrer Schulzeit verloren, jetzt sind sie dabei ein weiteres zu verlieren. Und jeder weitere Tag ohne Präsenzunterricht bringt die vulnerabelsten Kinder weiter in die Gefahr, die Schule für immer abzubrechen.“

https://www.inforegion.pe/283585/mas-de-700-mil-estudiantes-estarian-en-peligro-de-dejar-la-escuela-en-el-peru/

 

 

Peru ist weit entfernt davon, Ziel 6 der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen von sauberem Wasser für alle bis 2030 zu erreichen

Zurzeit haben noch immer 3 Millionen Peruaner*innen keinen Zugang zu Wasserversorgung und nur 50% der Bevölkerung nutzt eine sichere Trinkwasserversorgung. 8,2 Millionen Menschen fehlt außerdem der Zugang zur Abwasserentsorgung, während das Gefälle zwischen Stadt und Land sehr groß ist. So haben 25,3 % der Landbevölkerung und 4,7 % der Stadtbevölkerung keinen Zugang zu den öffentlichen Wassernetzwerken.

Peru ist weit entfernt davon, SDG 6 zu Wasser und Sanitärversorgung zu erreichen, auch weil die Indikatoren für dieses Ziel fordern, dass Trinkwasser- und Sanitärversorgung sicher geführt werden, was nur für 50% der Bevölkerung zutrifft. Städte wie Arequipa, Callao, Lima und Tacna liegen mit einem sicheren Zugang zu Wasser für 74% der Bevölkerung weit über dem nationalen Durchschnitt.

Der kürzlich erschienene Bericht der OECD gibt nach seiner Analyse auch Empfehlungen zur Stärkung und Verbesserung des Zugangs zu Wasserressourcen.

https://www.servindi.org/actualidad/29/03/2021/ocde-gobernanza-del-agua-en-el-peru

 

 

Gletscherschmelze verstärkt Gefahr von Überschwemmungen in Huaraz

 

Im Jahr 1941 stürzten große Felsen der Gletscher Paicaraju und Pucaranra in den See Palcacocha in den zentralen peruanischen Anden. Dieser trat über seine Ufer und zerstörte mit einer riesigen Schlamm-Wasserlawine die darunter liegende Stadt Huaraz. Dabei wurden 4.800 Personen getötet.

Der dort lebende Bauer und Bergführer Saul Luciano hat, mit Unterstützung durch GermanWatch das Energieunternehmen RWE verklagt. Die Begründung: RWE ist mit schuldig für die Erderwärmung und somit für die Gletscherschmelzen und somit auch anteilmäßig für die mögliche Gefahr einer neuen Überschwemmungskatastrophe in seiner Stadt.

Aktuell ist die Gefahr einer neuen Überschwemmung des Sees Palcacocha hoch. Der vorhandene Schutzdamm reicht nach Expertenmeinung nicht mehr aus.

Der Geologe, Ing. Juan Torres vom peruanischen Institut zur Überwachung der Gletscherrisiken (INAIGEM) zeigt anhand seiner Studien, dass die vorhandenen Überflussrohre und die vorhandene Schutzmauer nicht mehr ausreichen angesichts der zunehmenden Gletscherschmelze. Er weist auf Vorzeichen hin wie im Jahr 2003 und am 31.5.2017, als große Felsen in den See gefallen waren und eine Flutwelle von bis zu drei Metern erzeuigten. Seine Befürchtung: Eine neue Überschwemmung kann über 20.000 Menschenleben kosten.

 

Zusammengestellt von Clara Uhlemann, Heinz Schulze, Hildegard Willer und Annette Brox

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