Neuigkeiten aus der Arbeit der Infostelle Peru in Deutschland

Bundesrepublik Deutschland ratifiziert ILO 169
Am 15. April 2021 hat der Bundestag die Ratifizierung der Konvention Nr. 169 der Internationen Arbeitsorganisation zum Schutz indigener Völker beschlossen. Damit bekennt sich Deutschland solidarisch gegenüber den etwa 6.000 indigenen Völkern auf der Welt. Allein in Peru sind 64 dieser Völker beheimatet, deren offiziell durch den peruanischen Staat anerkannten Rechte heute vielfach bedroht sind. Die Rohstoffförderung (bspw. Kupferbergbau in den Anden, Gold- und Erdölförderung im Regenwald) und die monokulturelle Nutzung großer Regenwaldflächen durch internationale Konzerne (etwa in Form von Palmölplantagen) gefährden zunehmend den die Lebensräume der indigenen Völker. Dabei sind es gerade die indigenen Gemeinschaften, die einen erheblichen Teil zum Erhalt der Umwelt und zum Klimaschutz weltweit beitragen.

Durch die Ratifizierung der ILO-Konvention 169 übernimmt Deutschland globale Verantwortung im Menschenrechts- und Klimaschutz.

Die Informationsstelle Peru e.V. hat als Mitglied des Koordinationskreis ILO 169 Deutschland, einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen,  die Unterzeichnung des Abkommens schon lange gefordert. Nun gilt es, eine Strategie zu erarbeiten, die die Umsetzung und Anerkennung der Rechte indigener Völker in allen Politikbereichen zur Selbstverständlichkeit macht.

 

Jetzt kommt‘s drauf an: Lieferkettenbrief schreiben

Anfang März hat sich das Bundeskabinett auf einen Kompromiss zum Lieferkettengesetz geeinigt. Einerseits ein wichtiger Erfolg, andererseits bleibt der ausgehandelte Kompromiss weit hinter den Forderungen der Initiative Lieferkettengesetz zurück.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass deutsche Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden ab 2023 verpflichtet werden, in ihren globalen Lieferketten die Menschenrechte zu achten und ökologische Risiken zu minimieren. Allerdings soll die Verantwortung abgestuft werden: Je weiter „unten“ in der Lieferkette, desto geringer sollen die Auflagen sein. Handelt es sich nicht um direkte Vertragspartner, muss nur „anlassbezogen“ ermittelt werden – also erst, wenn bereits Menschenrechtsverletzungen passiert sind. Das entspricht nicht dem Prinzip der Prävention der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Detailliertere Informationen und weitere Kritikpunkte am Gesetzesentwurf können Sie hier nachlesen.

Ab 22. April wird nun der Bundestag über das Lieferkettengesetz beraten. Die Abgeordneten haben dann die Möglichkeit, Nachbesserungen einzufordern. Dies ist aus unserer Sicht dringend notwendig. Wir finden: Ein Lieferkettengesetz muss entlang der gesamten Lieferkette präventiv wirken und die Rechte von Betroffenen stärken!

Der jetzige Entwurf wird dem nicht gerecht.

Daher ruft die ISP zusammen mit der Initiative Lieferkettengesetz zu einer neuen E-Mail-Aktion „Lieferkettenbrief“ auf, um die Abgeordneten aufzufordern, sich für ein starkes Lieferkettengesetz einzusetzen.

Hier können Sie mitmachen!

 

Schattenpandemie: Zunehmende Gewalt gegen Frauen im Hinblick auf Straflosigkeit und COVID-19

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 nimmt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu. UN Women spricht deshalb von einer Schatten-Pandemie. Fest verankerte sozio-kulturelle Strukturen, die schon zuvor Gewalt gegen Frauen und Mädchen förderten, wurden durch die Pandemie verstärkt. Der erschwerte Zugang zu sozialen und medizinischen

Basisdienstleistungen und zur Justiz, eine größere Bedrohung durch Armut und die allgemeine Unsicherheit im Kontext der Pandemie wirken dabei als Katalysator. Häusliche Gewalt nimmt zu, Frauen sind physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt im eigenen Haushalt ausgesetzt. Gleichzeitig erzwingen Arbeitsplatzverlust und Ausgangsbeschränkungen mehr häusliche und räumliche Nähe, was es vielen Frauen erschwert, aus dem Überwachungsradius der Täter zu gelangen. Prekäre Arbeitsverhältnisse

und wachsende Frauenarmut verschärfen Abhängigkeits-verhältnisse und fördern so Gewalt gegen Frauen – sei es im eigenen Heim, auf der Straße oder am Arbeitsplatz.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit sowie dysfunktionale Institutionen erschweren es Frauen zusätzlich, medizinische oder juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dadurch werden existierende Mechanismen der Straflosigkeit für Gewalt gegen Frauen verstärkt.

Die Infostelle Peru ist Mitglied des Bündnisses Internationale Advocacy Netzwerke, das anlässlich des Internationalen Frauentages ein Fachgespräch mit Bundestagsabgeordneten veranstaltet und dazu ein aktuelles Hintergrundpapier über die Situation in den verschiedenen Ländern des Netzwerkes herausgegeben hat.

 

 

Corona und das Gesundheitssystem in Peru

Wo der Staat nicht präsent ist, schlägt die Stunde des bürgerschaftlichen und kirchlichen Engagements

Die ISP hat gemeinsam mit dem Referat Weltkirche der Erzdiözese Freiburg eine Online-Veranstaltung „Die Corona-Krise und das Gesundheitssystem in Peru“ veranstaltet. Liliana la Rosa, Dekanin des peruanischen Verbandes der Krankenschwestern und Krankenpfleger und ehemalige Ministerin für Entwicklung und Inklusion, und Lourdes Ninapayta, Leiterin eines pfarreilichen Gesundheitszentrums aus Ica, teilten ihre Erfahrungen in der Pandemie und skizzierten Umrisse eines veränderten Gesundheitswesen in Peru.

Einen kurzen Bericht über die Veranstaltung können Sie hier lesen.

 

Jahresbericht 2020 der Infostelle Peru 

Hier finden Sie den Jahresbericht 2020 der Infostelle ISP_Jahresbericht 2020

 

Ankündigungen

 

Peru: Die Corona-Krise und ihre Folgen

Peru-Seminar online

Freitag, 23. April 2021, 19 bis 21 Uhr, und Samstag 24. April, 14.00 bis 21.15 Uhr

Die Corona-Pandemie hat Peru besonders hart getroffen. Nach einer nur kurzen „Verschnaufpause“ nach dem ersten Lockdown ist die Situation inzwischen wieder dramatisch: Peru hat eine der höchsten Sterblichkeitsraten weltweit, es mangelt akut an Sauerstoff und Intensivbetten. Das Gesundheitssystem ist in der Krise kollabiert. Der Lockdown hat zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit und trotz staatlicher Hilfsprogramme zu einer Verschärfung der Armut geführt. Indigene Völker im Amazonasgebiet sind besonders von der Corona-Krise betroffen. Das staatliche Gesundheitssystem ist hier völlig unzureichend.

Wir beschäftigen uns auf dem Seminar mit der aktuellen Situation, aber auch mit den Ursachen dafür, dass die Krise Peru besonders trifft: Das Gesundheitssystem ist seit Jahren wegen staatlicher Sparmaßnahmen unterfinanziert. Gute medizinische Versorgung ist privatisiert und teuer. In Peru sind 70% der Erwerbstätigen informell beschäftigt und ohne soziale Absicherung. Um die Wirtschaft möglichst schnell wieder anzukurbeln, wird die Extraktiv-Wirtschaft gefördert. Dafür werden auch Menschenrechts- und Umweltstandards gesenkt.

Aber es gibt auch unzählige Initiativen der Zivilgesellschaft, um die Versorgung mit dem Nötigsten zu organisieren. Auch hiervon werden wir berichten.

Wie immer geht es in dem Seminar auch um den Blick zu uns: Welches sind die globalen Ursachen dafür, dass Gesundheitssystem und Wirtschaft in Peru besonders stark getroffen sind? Was muss sich bei uns ändern? Wie reagiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die Krise? Welche Initiativen zur Zusammenarbeit und Unterstützung des zivilgesellschaftlichen Engagements in Peru gibt es bei uns und was können wir selber tun?

Mit Fabiola Torres von der Plattform Salud con lupa, Rocío Meza vom Instituto de Defensa Legal, Giancarlo Castiglione (Ökonom und Uni-Dozent), Pilar Arroyo vom Instituto Bartolomé de las Casas, Benjamin Back von der Deutschen Botschaft in Lima, Vertreter*innen indigener Organisationen und jungen Freiwilligen aus Peru.

Den Flyer mit Programm finden Sie hier  ISP Seminar flyer neu. (bitte noch verlinken)

Eine Anmeldung ist noch bis 15. April an info@infostelle-peru.de möglich.

 

Mitgliederversammlung der ISP am 4. Mai

Unsere Mitgliederversammlung findet aus bekannten Gründen auch dieses Jahr wieder online statt, und zwar am Dienstag, 4. Mai, um 19 Uhr.

 

 

 

Online-Veranstaltung 5. Mai: Chinas Grossmacht – Hafenpolitik in Lateinamerika

Das Projekt zum Bau des größten Containerhafens Lateinamerikas in Peru 

Vortrag und Diskussion am Mittwoch, den 5. Mai, 19 bis 20:30 Uhr

mit  Miriam Arce, Bürgerinitiative  Chancay und Alejandro Chirinos, Cooperaccion

Sprache: Spanisch mit Simultanübersetzung

Anmeldung: info@infostelle-peru.de

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