Zurzeit wird in Peru darüber diskutiert, ob der erst seit gut drei Monaten amtierende Interimspräsident José Jerí abgesetzt werden soll – und das kurz vor den Wahlen. Grund dafür sind die Ereignisse um den sogenannten «Fall Chifagate» (Chifa = chinesisches Restaurant in Peru). Bilder und Videoaufnahmen zeigen Jerí bei vertraulichen Treffen mit dem chinesischen Geschäftsmann Zhihua Yang, und zwar nicht in offiziellen Räumlichkeiten, sondern in Chifa-Lokalen in Limas Chinatown. Keines dieser Treffen war in der offiziellen Agenda oder auf dem Transparenzportal der Regierung aufgeführt. Verschiedene Erklärungen von Jerí, die die Treffen fadenscheinig rechtfertigten, überzeugten die Öffentlichkeit nicht. Nur schon deshalb, weil eins der Lokale auf Anordnung der Stadtverwaltung geschlossen worden war – und weil sich Jerí mit einer Kapuze vermummt hatte.
Die Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen wegen mutmaßlicher illegaler Förderung und Einflussnahme ein, während der Kongress Jerí vorlud, um die Umstände der Treffen zu klären. Die Krise verschärfte sich, als bekannt wurde, dass Ji Wu Xiaodong, ein chinesischer Geschäftsmann, gegen den wegen organisierter Kriminalität und illegalem Holzhandel ermittelt wird und gegen den ein Hausarrest verhängt wurde, in Begleitung von Yang dreimal den Regierungspalast betreten hatte und sich mehrere Stunden lang dort aufhielt.
Abgeordnete wie Segundo Montalvo, Ruth Luque und Jaime Quito haben Anträge auf Amtsenthebung wegen „dauerhafter moralischer Unfähigkeit” gegen Jerí eingereicht. Dessen Partei Somos Perú leitete ein internes Disziplinarverfahren gegen ihn ein. Er entschuldigte sich zwar für das informelle Verhalten, besteht aber darauf, dass keine böswillige Absicht oder illegale Handlungen vorlägen.