Indigene Völker erklären Klimanotstand für Amazonien

Eine Erklärung des 10.  Internationalen Treffens des Panamazonas-Sozialforums FOSPA

Anlässlich des 10. Internationalen Treffens des Panamazonas-Sozialforums FOSPA (Foro Social Panamazónico) Ende Juli in Brasilien haben indigene, schwarze und andere Völker aus den neun Ländern des Amazonasbeckens den Klimanotstand in der Pan-Amazonas-Region ausgerufen.

Grund für die Erklärung ist die besorgniserregende Situation im Amazonasgebiet, das “von Regierungen verwüstet wird, für die die Natur eine Ware ist und die Rechte der indigenen Völker keine Gültigkeit haben.“

Ziel ist es, sich für die aktive Wiederherstellung und den Schutz der biologischen Vielfalt in Panamazonien einzusetzen und ein neues Verständnis der Beziehung zur Natur zu entwickeln.

Das FOSPA-Treffen, das in Belém do Para (Brasilien) stattfand, brachte Vertreter*innen der verschiedenen Völker zusammen, die in Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana leben. Für diese Völker befindet sich der Amazonas heute in seiner schlimmsten Phase, da die derzeitige Klimakrise, eine Folge des herrschenden Entwicklungsmodells, den Amazonaswald an einen Kipppunkt gebracht hat, von dem es kein Zurück mehr gibt.

„Unter einer falschen Prämisse von Entwicklung hat sich der Extraktivismus in den verschiedenen Gebieten Amazoniens ausgebreitet und eingefügt in Modelle, die koloniale Strukturen schützen”, so die Autor*innen. Unter diesem Vorwand würden “Territorien militarisiert, Gemeingüter geplündert, um Profite zu erzielen, soziale Ungleichheit, strukturelle und faktische Gewalt in der Pan-Amazonas-Region vertieft.“

Es drohe der unwiederbringliche Verlust des wichtigsten Tropenwalds der Erde, in dem mehr als 50 Millionen Menschen leben, sowie eines großen Teils der biologischen Vielfalt des Planeten.

“Wenn wir diesen Trend jetzt nicht stoppen, wird morgen die Panamazonas-Region sterben, die für die Eindämmung der globalen Erwärmung und die Sicherung des Lebens auf dem Planeten unerlässlich ist. Die Zeit läuft ab”, erklären die Unterzeichnenden.

Mit der Ausrufung des Klimanotstandes in Panamazonien hoffen die Völker auch, ein neues Verständnis der Beziehung zur Natur zu fördern. Sie fordern ein politisches, soziales und wirtschaftliches Modell, das die Territorien und die Rechte der Völker Amazoniens und die Rechte der Natur anerkennt und respektiert. Das Wissen der Indigenen und ihre Organisationsformen für die Pflege und Bewirtschaftung des Wassers und den Schutz ihrer Gebiete, zu denen auch die Flüsse gehören, müssten wertgeschätzt und geschützt werden.

Die Unterzeichnenden schlagen ein alternatives Entwicklungsmodell für den Amazonas vor: eine diversifizierte Land- und Forstwirtschaft im Einklang mit der Natur, Agrarökologie, Projekte für die lokale Produktion und den lokalen Konsum, gemeinschaftliche Bewirtschaftung der Territorien und der Wälder, die Verwendung einheimischen Saatguts, gemeinschaftlichen Ökotourismus, alternative Energieprojekte, integrierte und partizipative Pflege und Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten und andere Initiativen, die auf das Leben und nicht auf die Kommerzialisierung der Natur ausgerichtet sind.

Die Regierungen der panamazonischen Staaten werden aufgefordert, ihre Reden gegen die Klimakrise und die Rechte von Mutter Erde in die Tat umzusetzen, und zwar mit echten Maßnahmen gegen die Abholzung und den Anstieg der Emissionen, und „nicht mit dem Make-up der so genannten grünen Ökonomien“. Die auf internationaler Ebene eingegangenen Verpflichtungen müssten erfüllt und verstärkt werden.

Die Regierungen müssten das Eigentum und die rechtliche Garantie der Territorien der indigenen Völker und Gemeinschaften, einschließlich des Untergrunds garantieren, damit diese dauerhaft vor dem Abbau von Mineralien und fossilen Brennstoffen geschützt sind.

Dies erfordere die Bereitstellung erheblicher Mittel für die Wiederherstellung und Pflege des Amazonasbeckens und eine Transformation des internationalen Rohstoffhandels der regionalen Wirtschaft, indem die Produktion und Vermarktung von klimaverträglichen Gütern gefördert wird und die Ausfuhr von Fleisch, Soja, Holz, Mineralien und fossilen Brennstoffen auf die Märkte Europas, Asiens, Nordamerikas und anderer Länder beschränkt wird.

Auch sollen Bildung, Forschung und Kommunikation, gegenseitiges Lernen und partizipative und transformative Aktionsforschung gefördert werden.

Gemeinsam soll das Ziel erreicht werden, die Abholzung der Wälder auf Null zu reduzieren. Der Vertrag über die Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe müsse eingehalten werden, damit das Erdöl im Boden bleibt und die Energiewende eingeleitet wird.

Die Unterzeichnenden schlagen außerdem regelmäßige lokale und globale Kampagnen vor, um die Ausfuhr von Produkten zu stoppen, die die Verschmutzung und Abholzung des Amazonas fördern.

Die Ernährungssicherheit müsse gefördert und das Lebens und der Schutz von Menschenrechtsaktivist*innen gefördert werden. Dies müsse mit der Ratifizierung und Erfüllung des Abkommens von Escazú beginnen.

“Wir rufen die vielen verschiedenen Organisationen, die sich für den Schutz und die ganzheitliche Pflege des Amazonas einsetzen, dazu auf, ihre transformativen Fähigkeiten in die weiteren Prozesse einzubringen und die FOSPA-Aktionsinitiativen weiter zu stärken”, heißt es in der Erklärung abschließend.

Die vollständige Erklärung von Belém auf Spanisch können Sie hier lesen.

https://www.servindi.org/actualidad-noticias/05/08/2022/pueblos-indigenas-declaran-en-emergencia-climatica-la-panamazonia

Zusammenfassung und Übersetzung Annette Brox

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