Kurz gemeldet – August 2022

Kurzmeldungen zu Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Politik und Kultur

Neu erschienen: Das ABC der Umweltschützer*innen

Das Projekt „Prevenir Amazonía“ hat ein 12seitiges „ABC der Umweltschützer*innen“ herausgegeben.

Umweltschützer*innen in Peru sehen sich mit zahlreichen Umweltvergehen konfrontiert, etwa mit illegalem Bergbau (aus dem 22 bis 28 Prozent des Goldes stammt), illegalem Holzeinschlag (der 37 Prozent der Holzproduktion Perus ausmacht) und illegalem Wildtierhandel (zwischen 2000 und 2018 wurden mehr als 79.000 lebende Wildtiere beschlagnahmt).

In Peru haben Bedrohungen und Angriffe auf Umweltschützer*innen in den letzten Jahren zugenommen, vor allem im Amazonasgebiet. Fast 75 Prozent der Morde an Umweltverteidiger*innen in Peru ereigneten sich im Amazonasgebiet. 2020 und 2021 wurden 12 von ihnen ermordet. Eine der gefährlichsten Gegenden ist das Grenzgebiet zwischen den Regionen Huánuco, Ucayali und Pasco. Die Zunahme des Drogenhandels hat die Spannung und Gewalt im Amazonas erhöht. In Ucayali wurden seit 2015 zehn indigene Anführer ermordet, die meisten, nachdem sie gefordert hatten, dass die Coca-Anbauer ihre Territorien verlassen. In Loreto stehen die meisten Konflikte im Zusammenhang mit illegalem Holzeinschlag, organisierter Kriminalität und Drogenhandel, aber auch mit der Ausbeutung von fossilen Brennstoffen und Infrastrukturmaßnahmen.

Das ABC der Umweltschützer*innen nennt und erklärt auch nationale und internationale Instrumente und Abkommen zum Schutz der Umweltschützer*innen.

 

Aufruf: Bauen wir unser Land wieder auf!

Ein Zusammenschluss von über 100 Organisationen ruft dazu auf, dass sich die Zivilgesellschaft das Land „zurückerobern“ muss.  Regierung und Parlament seien für die Aushöhlung der Grundrechte Bildung, Gesundheit, Ernährungssicherheit sowie der Rechte von Frauen und indigener Gemeinschaften verantwortlich. Das Bündnis fordert drei konkrete Maßnahmen: eine zivilgesellschaftliche Agenda mit konkreten mittel- und langfristigen Vereinbarungen, politische und Wahlrechts-Reformen sowie vorgezogene Parlamentswahlen. Ein erster Schritt ist die Mobilisierung der Zivilgesellschaft zu einem symbolischen, öffentlichen Akt. Leitgedanke: Unsere Fahne gemeinsam wiederherstellen“.

Den Aufruf und alle Unterstützer-Organisationen können Sie hier lesen.

 „Volkshochschule für Menschenrechte“ startet im September

 Die Volkshochschule für Menschenrechte“ soll ein Ort des Austauschs und der Fortbildung für Jura-Studierende aus den Anden und dem Amazonasgebiet sein, die sich für die Verteidigung der Rechte der indigenen Völker einsetzen. Es werden Kenntnisse zur juristischen Verteidigung der Rechte dieser Gruppen vermittelt. So soll ein aktives Netzwerk für eine juristische Strategie zum Schutz der Menschenrechte in Amazonien und den Anden geschaffen werden.

Die siebenwöchige Ausbildung in Quillabamba ist ein gemeinsames Projekt der Menschenrechtsorganisation IDL, der Interkulturellen Universität Quillabamba, der NGO Forest People Programme und der Universität von Coimbra.

Die Infostelle hatte die Crowdfunding-Initiative für dieses Projekt unterstützt.

Filmfestival in Lima

 Der Spielfilm “Willaq Pirqa, el cine de mi pueblo” (Willaq Pirqa, das Kino für mein Dorf) wurde beim 26. Filmfestivals von Lima als bester peruanischer Film ausgezeichnet. Der Film, der in Quechua mit spanischen Untertiteln produziert wurde, erzählt die Geschichte des zehnjährigen Sistu und seiner kleinen Gemeinde in den Anden von Cusco, die den Zauber des Kinos entdecken.

Eines Tages erfährt Sistu, dass ein “Wanderkino” in das Dorf gekommen ist. Begeistert geht er jede Woche hin und kehrt zurück, um seiner Gemeinde zu berichten, was er gesehen hat. Bis er eines Tages überrascht feststellt, dass das Kino nicht mehr da ist. Sistus Enthusiasmus, seiner Gemeinschaft weiterhin Geschichten zu erzählen, bringt ihn dazu, sein eigenes Kino zu schaffen, mit seinen eigenen Schauspieler*innen, seiner eigenen Kultur und vor allem in seiner eigenen Sprache.

Beim diesjährigen Filmfestival in Lima wurden 57 Werke präsentiert, darunter Spiel- und Kurzfilme. Der Film wurde von der Jury einstimmig ausgewählt „für die besondere Fähigkeit, eine große Bandbreite von Werten darzustellen, wertzuschätzen und zu diskutieren sowie eine Vielfalt von Themen zu zeigen, die für die andinen Dorfgemeinschaften in Peru typisch sind, und dabei magisch-religiöse Elemente der andinen Kosmovision zu wiederzuentdecken”.

 

50 Jahre Theater Yuyachkani

 Die Theatergruppe Yuyachkani hat zu ihrem 50jährigen Bestehen ein Kurzvideo produziert, das einen virtuellen Spaziergang durch ihre Räume beinhaltet und die Mitglieder des Theaterkollektivs vorstellt.  Inhaltlich beschäftigt sich das renommierte Teatro Yuyachkani in Lima mit politischen und sozialen Themen. Mit dem Stück „Contraelviento“ war die Gruppe 1991 auf Einladung der Infostelle Peru auf Tournee in Deutschland. Letztes Jahr hat sie zusammen mit dem Cargo-Theater Freiburg das Stück „Intercambios“ produziert (siehe Beitrag im letzten InfoPeru).

Die Infostelle Peru gratuliert herzlich zu 50 Jahren engagiertem, kreativem und beeindruckendem Theaterschaffen!

Lesetipp: Kriegsfotographin Vera Lentz erzählt aus ihrem Leben

Die deutsch-peruanische Fotographin Vera Lentz hat die Gräueltaten des bewaffneten Konflikts zwischen dem „Leuchtenden Pfad“ und den peruanischen Streitkräften in den 80-er und 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit eindrücklichen dokumentiert. Ihre Fotos sind wertvolle Zeitzeugnisse und sind in mehrere Ausstellungen über den Bürgerkrieg aufgenommen. In diesem lesenswerten Interview mit Isabelle Enzenbach, erzählt Vera Lentz aus ihrem Leben und wie sie dazu kam, praktisch auf eigene Faust, den Bürgerkrieg zu dokumentieren.

https://visual-history.de/2022/07/04/enzenbach-lentz-bilder-der-gewalt-ich-finde-man-muss-es-zeigen/

Bildband dokumentiert Ausgrabung und Identifizierung der Opfer  von Chuschi

 Im Andendorf Chuschi in Ayacucho verbrannten 1980 vier Studierende die Wahlurnen und gaben damit den Auftakt zum gewaltsamen Konflikt zwischen dem Leuchtenden Pfad und den peruanischen Streitkräften. Vier Jahre später wurden am selben Ort acht Bauern ermordet und in einem Massengrab verscharrt. Chuschi war aber auch der erste Ort, an dem das „Equipo Peruano de Antropologia Forense EPAF“  mit seiner archäologisch-ethnologischen Methode akribisch die sterblichen Überreste freilegte, die Toten identifizierte und damit ihren Familien zurückgab.

Eine Ausstellung im Lugar de la Memoria in Lima dokumentierte diese Arbeit. Sie ist nun im Online-Katalog „Chuschi – las ausencias para vivir manhana“ allgemein zugänglich.

 

Abkommen von Escazú: Ratifizierung zum zweitem Mal abgelehnt

 Der peruanische Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten hat zum zweiten Mal die Ratifizierung des Abkommens von Escazú abgelehnt. Das internationale Abkommen, 2018 von 22 lateinamerikanischen Staaten unterzeichnet und mittlerweile von 13 Ländern ratifiziert, sichert die Einhaltung von indigenen, Umwelt- und Menschenrechten. Der Ausschussvorsitzende Ernesto Bustamante argumentierte, das Abkommen sei überflüssig, da Peru bereits die nötigen gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Umwelt und der Menschenrechte umsetze. Die Abgeordnete Donayre stimmte dem zu und kritisierte, das Abkommen wolle die Raumordnungsverfahren von internationalen NGOs kontrollieren lassen. Das Abkommen würde zudem die Eigentumsrechte und die Freiheit der Unternehmen einschränken. Die Ratifizierung wurde mit zehn Stimmen bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung abgelehnt.

 „Linker“ Präsident gegen linke Lehrergewerkschaft und Rotes Vaterland

 Die „Derrama Magisterial“ ist eine private Sozialversicherung von und für Lehrer*innen, die in staatlichen Schulen tätig sind. Die Mitglieder, ca. 280.000 Lehrer*innen,  müssen auch einen Teil ihres Lohnes dafür abgeben. Im Gegenzug bietet Derrama Magisterial Kredite, Unterstützung z.B. bei Todesfällen oder Fortbildungen. Aber sie besitzt auch neun Hotels, u.a. in Asia (südlicher Strand bei Lima), in Arequipa, Ayacucho, Cusco, Ica (Oase Huacachina), Nasca und in Tarapoto. Ihr Führungsgremium setzt sich aus Mitgliedern der Lehrergewerkschaft SUTEP,  der Gewerkschaft der „Educación Superior“ und des Erziehungsministerium zusammen. Delikat und politisch relevant ist, dass die vier Vertreter*innen der linken Lehrergewerkschaft SUTEP Mitglieder der maoistisch ausgerichteten Partei „Patria Roja“ (Rotes Vaterland) sind.

Der jetzige Präsident Perus, der ehemalige Lehrergewerkschafter Pedro Castillos,  hatte schon vor den Wahlen eine eigene Abspaltung der Lehrergewerkschaft gegründet. Er will jetzt die Statuten der Derrama Magisterial  unter anderem so ändern, dass die Wahl des Führungsgremiums nicht nur durch die Lehrergewerkschaft SUTEP durchgeführt wird, sondern im Sinne „ein Lehrer eine Stimme“ von allen Lehrer*innen der staatlichen Schulen Perus (Wilson Quispe Mamani, Partei Peru Libre).

Der peruanische Unternehmerverband (CONFIEP) spricht sich gegen das entsprechende Dekret 009-2022 aus und betont dabei den Schutz des Privateigentums.

 

Nicht vergessen: Das Massaker von Bagua vor 23 Jahren

 Am 6. Juni 2009 protestierten indigene Organisationen gegen eine Serie von Gesetzen, die wichtige kollektive Rechte der indigenen Völker des amazonischen Regenwaldes verletzen. Bei den Protesten starben 33 Personen, sowohl Mitglieder der indigenen Organisationen als auch Polizist*innen.

Wir unterstützten als Informationsstelle Peru die Organisationen und forderten die Bestrafung der für den Polizeieinsatz politisch Verantwortlichen. Darüber hinaus riefen die peruanische Menschenrechtskoordination und andere Organisationen angesichts erneuter Gesetzesvorhaben des peruanischen Parlaments dringend dazu auf, die damals zum Aufstand führenden Forderungen endlich einzulösen. Genannt werden:

  • Besserer Schutz der Verteidiger*innen von Umwelt- und Menschenrechten,
  • Schutz der indigenen Bevölkerung angesichts der dauernden Erdölaustritte und Entschädigungen für die davon betroffenen Dorfgemeinschaften,
  • eine intensive und schnelle Durchführung der öffentlichen Anerkennung indigener Territorien (Titulierung), d.h. indigener Dorfgemeinschaften,
  • Einhaltung der freien, informativen und transparenten Vorab-Konsultation,
  • Durchsetzung der Gesetze zum Schutz der nicht kontaktierten indigenen Völker,
  • besserer Schutz gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit sowie
  • eine wirkliche Verbesserung der interkulturellen Bildung und Gesundheitsvorsorge;

All dies sind Forderungen, die wir als Informationsstelle Peru ebenfalls immer wieder erheben und für deren Durchsetzung wir uns engagieren.

Aus: Grupo de Trabajo sobre Pueblos Indígenas der Coordinadora Nacional de Derechos Humanos, Lima, 5.7.22

 

4.735 Hektar der ältesten Stadt Lateinamerikas, Caral, gerettet

 Der archäologische Komplex Caral wird als älteste Stadt Amerikas gesehen. Sie existierte vor ca. 5.000 Jahren und liegt 182 Kilometer nördlich von Lima, im Tal des Supe-Flusses und 30 km vom Atlantischen Ozean entfernt. In dieser Region lebten Menschen bereits vor 11 bis 12.000 Jahren von der Fischerei, der Jagd oder dem Gemüseanbau. Sie kultivierten bereits verschiedene Bohnensorten, Süßkartoffeln, Ajies, Kürbisgewächse und Früchte wie Papayas – und das weit vor der Nutzung von Kartoffeln oder Mais. Die Bevölkerung bestand aus ca. 20 bis 25.000 Menschen. Die Stadtplanung war sehr weitsichtig: Sakrale Bauten und Wohnhäuser wurden außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Fläche errichtet.

In diesen so wichtigen Komplex, als Heilige Stadt Caral bezeichnet und von der UNESCO im Juni 2009 zum Weltkulturerbe erklärt, drangen während der Hochzeit der Coronapandemie ab 2020 Landbesetzer mit schwerem Gerät ein, um z.B. Avocados anzubauen. Die Leitung hatte Alejandro R. Solís Saavedra, Direktor der Asoc. Agrícola Caral mit dem Schwerpunkt des Anbaus von Avocados (Sorte Hass) für den Export nach Polen und Russland.

Die leitende Archäologin und weitere Personen aus dem Ausgrabungsteam erhielten anonyme Morddrohungen wie diese: „(…) Wir wissen, wo ihr euch bewegt. (…) Zusammen mit dieser Sch…-Alten werdet ihr fünf Meter unter der Erde enden…“

Es dauerte Monate, bis im Juni 2022 Polizisten, begleitet von Personal des Innen- und Kulturministeriums die Invasoren ohne Zwischenfall vertreiben, die illegal angepflanzten Avocadoplantagen beseitigen und somit wichtige Teile dieses Weltkulturerbes retten konnten.

https://www.servindi.org/actualidad/03/07/2022/avanza-recuperacion-de-areas-invadidas-en-caral; https://elcomercio.pe/tecnologia/ciencias/coronavirus-caral-denuncian-invasion-de-zona-arqueologica-de-caral-durante-la-cuarentena-noticia/

Ukraine-Krieg: Die Nachfrage nach Palmöl betrifft auch den Amazonas-Regenwald  

 Indonesien, mit einem Anteil von 60 Prozent der weltgrößte Produzent von Palmöl, hat seit Mai die Ausfuhr von Palmöl eingestellt. Dies hat die globale Nachfrage nach diesem Produkt erhöht.

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine – beide Länder sind wichtige Produzenten von Sonnenblumenöl – hat zu einem Rückgang der Versorgung des Weltmarkts für Speiseöl durch diese beiden Länder geführt.

Indonesien verbraucht ein Drittel seines Palmöls im eigenen Land. Jetzt ist  der nationale Markt mit starken Preissteigerungen konfrontiert. Außerdem beabsichtigen die indonesischen Produzenten, ihre Lagerbestände auf den Weltmarkt zu exportieren, um von den dortigen Preissteigerungen zu profitieren. Die Preise für Speiseöl stiegen dort im März nach Angaben der FAO um 8,5 Prozent.  Also haben die indonesischen Behörden die Ausfuhr von Palmöl verboten, um der Versorgung des internen Marktes Vorrang einzuräumen.

Experten haben deshalb darauf aufmerksam gemacht, dass dies zu einer Ausweitung der Produktion führen und Auswirkungen auf den amazonischen Regenwald vor allem in Kolumbien und Peru haben könnte. Das wird den Druck auf Amazonien erhöhen, weil sich dort große Palmöl-Plantagen befinden und gefördert werden.

So ist der im Februar begonnene Krieg Russlands gegen die Ukraine in Peru und Kolumbien angekommen. Nach offiziellen Zahlen ist der Palmölverkauf Perus an andere Länder von 27.500 Tonnen im ersten Trimester 2021 auf 31.200 Tonnen im selben Zeitraum 2022 gestiegen. Aus Kolumbien wurden im ersten Trimester 2021 96.000 Tonnen, im selben Zeitraum 2022 198.000 Tonnen Palmöl exportiert, dessen Anbau dort (auch ohne die aktuellen Weltmarktanreize) am Anwachsen ist.

https://ojo-publico.com/3521/la-guerra-y-la-demanda-de-aceite-de-palma-presionan-la-amazonia

 

Appetitzügler: Der dritte Sonntag im Juli ist Tag des Brathähnchens

 Jedes Jahr am dritten Sonntag  im Juli wird er in Peru gefeiert, der „Tag des Brathähnchens“, wo allein in Lima rund 2.500 Hühnerbratereien vor allem am Wochenende mit den „Pollos a la brasa con papas fritas“, den Brathähnchen mit Pommes frites, ihr Geschäft machen. Ungefähr 135 Millionen Hähnchen werden so jährlich im Land verspeist und als typisch peruanisch deklariert. Angeblich kam diese Kombination aber aus der Schweiz nach Peru. Störender als das dürfte sein, dass der Mais, der in den peruanischen Geflügelfarmen verfüttert wird, meist  aus dem Ausland kommt – etwa 3.600 Tonnen jährlich, das meiste davon aus dem Nachbarland Bolivien. Die benötigte Holzkohle (allein in Lima circa 800.000 Säcke jährlich) stammt allerdings aus den Johannisbrotbäumen der Trockenwälder an Perus Nordküste sowie dem Regenwald.  2021 wurden so etwa 13.000 Hektar Wald vernichtet, hat die Regionalregierung Piura errechnet.

Für die begehrte Beilage zum Huhn, die Pommes frites, werden die Kartoffelstäbchen tonnenweise als Gefriergut von Belgien und Holland ins Kartoffelland Peru exportiert.

Bedenkt man die absurden Handelswege und dazu die Tierhaltung mit den üblichen „Beigaben“ von Hormonen und Antibiotika, wird der Genuss von Brathähnchen in Peru in vielerlei Hinsicht unappetitlich.

Auch in Deutschland ist das Grillhendl ein beliebtes und preisgünstiges Alltagsgericht. Allein auf dem Oktoberfest in München wurden 2019 435.000 Brathendl verkauft. Große Mastanlagen, Antibiotika, Wasserbelastung und –konsum sind enorm… einen Tag des Brathähnchens würden wir auch für Deutschland nicht empfehlen.

Der Ethnologe Ludwig Huber ist gestorben

 Ludwig Huber, geboren 1949, war seit 1990 Projektleiter beim IEP (Instituto de Estudios Peruanos) und Professor an den Universitäten Cristobal de Huamanga (Ayacucho) und San Marcos (Lima). Er beschäftigte sich intensiv mit Fragen zur ländlichen Entwicklung, mit den Ursprüngen der Korruption, sozialen Konflikte etc.  Der in Nürnberg geborene Professor berichtete häufig gegenüber Freunden und Kollegen von dem Verlust des fränkischen Dialektes, dem Erlernen des Bayerischen und des Hochdeutschen. Für ihn förderte diese Problematik der Sprachidentität das Verständnis der indigenen Bevölkerung Perus.  Zu seinen Kollegen sagte er, dass er die indigene Bevölkerung Perus gut verstehe, weil er, in einem kleinen Dorf bei Nürnberg geboren, zunächst seinen fränkischen Dialekt verlernen, dann nach Umzug nach München den bayerischen Dialekt lernen und später im Studium in Berlin Hochdeutsch sprechen musste. Sein Interesse für Peru entstand beim Lesen der Bücher von José María Arguedas. Bahnbrechend waren u.a. seine Studien über die Rondas Campesinas in Piura. Wichtig war seine Mitarbeit in der Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufarbeitung der brutalen Verbrechen des Leuchtenden Pfads und des Militärs. Interessant sind seine Arbeiten über den sog. „Etnocacerismo“, eine andine ideologische Doktrin, die die Rückgabe Perus an seine ursprüngliche Bevölkerung und die gleichzeitige Rückdrängung von Zuwanderern an ihre Ursprungsorte vorsieht. Ludwig Huber starb am 19. Juni 2022 nach schwerer Krankheit.

https://iep.org.pe/noticias/ludwig-huber-1949-2022/

Rondas Campesinas halten Frauen wegen angeblicher Hexerei gefangen

 Sieben Frauen und ein Mann wurden von den „Rondas Campesinas“ im Weiler Carhuacocha, Distrikt Pataz, Departament La Libertad im Norden Perus mehrere Tage gefangengenommen, entführt und angeblich misshandelt. Der Grund: die Frauen und der Mann hätten mit Hexerei Schaden angerichtet.  Nachdem die Entführung öffentlich wurde, ließen die „Ronderos“ die Gefangenen am 12. Juli 2022 wieder frei.

Der Vorfall führte zu einer öffentlichen Diskussion um die „Rondas Campesinas“. Als traditionelle ländliche Bürgerwehren – ursprünglich gegen Viehdiebe, aber auch in der Abwehr gegen den Leuchtenden Pfad  – haben sie in Peru eine legale Funktion und sich auch Verdienste erworben. Sie treten aber auch in Erscheinung als selbsternannte „Moralwächter“ nicht nur gegen Straftäter, sondern auch gegen Homosexuelle, Frauen und „Abweichler“.  Mit diesen Aktionen geraten sie in Konflikt mit den modernen Menschenrechten.

Hier erläutern vier Spezialisten ihre Sicht auf die Vorfälle in La Libertad https://convoca.pe/convoca-verifica/reportaje/que-dicen-expertos-en-derechos-humanos-sobre-los-ultimos

Auch Tarcila Rivera äussert sich zum Vorfall https://www.infostelle-peru.de/indigene-und-regenwald/wenn-die-tradition-gegen-die-frauen-und-persoenlichkeitsrechte-geht-muss-sie-veraendert-werden/

Zusammengestellt und übersetzt von

Hildegard Willer, Heinz und Trudi Schulze, Svenja Pesch, Annette Brox

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.