Liebe Leserin, lieber Leser des InfoPeru,

Nach 100 Tagen ziehen Journalisten und Analysten oft eine erste Bilanz eines neuen Amtsträgers. Ende Oktober werden es drei Monate sein, dass der linke Dorfschullehrer Pedro Castillo Präsident ist. Meine erste Regierungsbilanz fällt heute verhalten hoffnungsvoll aus: zuerst war die Zeit der ersten linken Regierung Perus seit 30 Jahren durch chaotische Ministerernennungen, durch interne Konflikte mit dem Parteivorsitzenden Vladimir Cerron und durch Stillstand geprägt. Präsident Castillo tat sich vor allem durch sein Schweigen hervor.

Einen Wendepunkt bracht die erste Auslandsreise Castillos, zuerst nach Mexiko und danach zur UN-Hauptversammlung nach New York. Die verschiedenen Treffen mit Politikern und Wirtschaftsführern verliefen recht reibungslos und zeigten, dass die Hysterie, mit der vor allem städtische Kreise der Mittel- und Oberschicht den peruanischen Präsidenten als „Kommunisten“ bezeichnen, doch eine recht innerperuanische Angelegenheit ist, und die Sorge, dass Peru bald zu einem zweiten Venezuela werden könnte, im Ausland nicht geteilt wird.

Wieder zurück in Lima tat Castillo dann, was er nach Ansicht vieler schon längst hätte tun sollen: er schasste seinen Premier Guido Bellido, stellte stattdessen die Menschenrechtsanwältin Mirtha Vazquez ein und ersetzte ein paar fragwürdige Minister durch immerhin drei Frauen mehr aus den Reihen der eher moderaten Linken.

Das neue Kabinett ist ein Schlag gegen die Fraktion des marxistischen Hardliners Vladimir Cerron, der auch gleich ankündigte, dass Castillo seine Ideale verrate und seine Partei dem neuen Kabinett das Vertrauen nicht aussprechen werde. Die Spaltung innerhalb der Regierungspartei „Peru Libre“ dürfte nur eine Sache von Tagen sein.

Castillo hat viel Zeit verloren zu Beginn seiner Präsidentschaft und dementsprechend wenig ist von seiner politischen Handschrift  bisher sichtbar. Immerhin ist die sogenannte “zweite Agrarrreform” in die Wege geleitet.  Sie stellt die Kleinbauern ins Zentrum, die fast 80% der in Peru konsumierten Lebensmittel liefern.

In diesem InfoPeru werden Sie u.a. über die zweite Agrarreform lesen können, ebenso wie über die Kabinettsumbildung, und was der Tod des wohl berüchtigtsten Terroristen Lateinamerikas für Peru bedeutet.

Die erfreulichste Nachricht ist aber die, dass wir dieses Mal nicht über neue Corona-Opfer berichten müssen. Denn bisher verläuft die Impfkampagne so gut, dass bereits die Hälfte der peruanischen Bevölkerung geimpft ist, und die angekündigte dritte Welle noch hoffentlich lange  auf sich warten lässt.

 

Hildegard Willer

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