Die Frage hat schon in der Kolonialzeit heftige Diskussionen aufgeworfen, wie man an den „Cuadros del mestizaje“ im Ethnologischen Museum in Lima unschwer sehen kann: wer ist Indigena ? Im Land   „Aller Rassen“, wie sich Peru in Anspielung an den Roman „Todas las sangres“ von José María Arguedas auch nennt, ist es alles andere als einfach zu sagen, wer indigen ist und wer nicht.  In der Kolonialzeit hatte ein „Indigena“  gesellschaftliche Verachtung und Versklavung zu erleiden.

Wie aber ist es, wenn man als Indigena nun Spezialrechte geniesst, wie sie die ILO-Konvention 169 als Recht auf Konsultation für alle indigenen Gruppen formuliert ? Es war das erste Gesetz, das Präsident Ollanta Humala gleich nach Amtsantritt erliess. Es sollte eine Lösung bieten für die anhaltenden Ressourcenkonflikte. Statt dessen hat die Regulierung des Gesetzes selber zu Misstrauen und Zwietracht geführt.

Die Umsetzung des Gesetzes sollte erfolgen durch eine offiziell gültige Datenbank in Peru registrierter indigener Völker, die  das Recht auf Vorab-Konsultation vor Grossprojekten für sich in Anspruch nehmen konnten. Das Vizeministerium für Interkulturalität wurde mit dieser Aufgabe beauftragt. Während über die Registrierung der Indigena-Gruppen des Regenwaldes schnell Einigkeit erzielt wurde, sah es bei den Ethnien in den Anden anders aus. Denn diese haben  in jahrhundertelangen Mestizierungsprozessen oft ihre einheimische Sprache aufgegeben und sich mit den Nachfahren der Spanier vermischt.  Das Vizeministerium wollte den Gebrauch einer einheimischen Sprache als Ausschlusskriterium anbringen – damit wären z.Bsp. die Bauerngemeinschaftenaus Nord-Peru (u.a. Cajamarca und Piura) ausgeschlossen vom Recht auf Consulta.  Gerade dort aber – in den Andengebieten – bauen grosse Bergwerke Mineralien ab und haben weitere Projekte geplant.

Schliesslich mischte sich sogar Präsident Humala selber in die Diskussion ein und sprach den Andenbewohnern ab, dass sie „Indigenas“ seien.  Auch wegen des Widerstands des mächtigen Bergbauministeriums kam es zu keiner Einigung in der „Indigena-Frage“. Vizeminister Iván Lanegra warf schliesslich das Handtuch und trat zurück. Minister Luis Peirano verkündete, dass es kein offizielles Indigena-Register geben würde, und dass die Frage pragmatisch entschieden würde, dann wenn eine Gemeinschaft eine Consulta durchführen moechte.

Die ersten Orte, an denen eine Consulta Previa durchgeführt werden wird, stehen bereits fest. Auf Betreiben der zuständigen Regionalregierungen wird die Gemeinschaft der Maijuna in Loreto über die Gründung eines Naturschutzparkes abstimmen. Zwei Quechua-Dorfgemeinschaften in Puno werden über die Erlaubnis für ein Bergbauprojekt abstimmen.

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