Die Coronavirus-19-Pandemie und ihre Auswirkung auf das weltwärts-Programm in Peru.

Am 6. März 2020 bestätigte das Gesundheitsministerium Perus den ersten Infizierten mit Covid-19 in Lima. Es handelte sich um einen 25jährigen Mann, der von einer Europareise nach Lima zurückkam. Bis zu diesem Zeitpunkt lief seit zwölf Jahren erfolgreich und störungsfrei das weltwärts-Programm des  Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Im August 2019 kamen 276 Deutsche nach Peru (BMZ-Liste 2020) um einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu machen. Das weltwärts-Programm als Lernprogramm arbeitet mit dem Ziel beteiligte Organisationen in Peru und in Deutschland in ihrer Arbeit zu stärken sowie Solidaritätsnetze und Partnerschaften zu knüpfen und zu unterstützen.

Während der steigenden Fälle von Covid-19 Infizierten in Europa (Italien, Spanien, Deutschland), China und Südamerika  (Brasilien, Chile und Ecuador) ergriff Peru rechtzeitig Maßnahmen zur Abwehr der Corona-Pandemie. Am 11. März hatte Peru 21 Infizierte und die peruanische Regierung setzte die ersten Maßnahmen zu Bekämpfung von Covid-19 in Kraft: Der gesundheitliche Notstand wurde erklärt, die Suspendierung des Unterrichts in den öffentlichen und privaten Schulen, in den Universitäten bis Ende März sowie ein Verbot sämtlicher Veranstaltungen von mehr als 300 Leuten.  Mit diesen Maßnahmen wurden auch Freiwillige, die in Schulen und Umwelt-, sozialen und Bildungseinrichtungen arbeiteten, von heute auf morgen arbeitslos, aber immer mit der Hoffnung wieder mit der Arbeit zu beginnen. Jeden Tag setzte die Regierung neue Verordnungen in Kraft, und am 13. März wurden sämtliche Inlandsflüge sowie alle Auslandflüge von und nach Europa und Asien verboten.

 

Bei den Entsendeorganisationen in Deutschland begann in dieser Woche die Sorge um eine mögliche Verschärfung der Maßnahmen in Peru. Diese Maßnahmen wurden   unter den Mitarbeiter*innen kontrovers diskutiert. Einige favorisierten die sofortige Rückkehr der Freiwilligen nach Deutschland, andere lehnten diese Möglichkeit ab, weil es ihrer Meinung nach zu früh wäre jetzt solch eine Entscheidung zu treffen, und plädierten fürs Warten auf die Empfehlungen vom BMZ. Für die Eltern und Trägerorganisationen war klar, dass eine schnelle Verbreitung der Pandemie auch die Freiwilligen treffen könnte. Das Gesundheitssystem Perus ist seit Jahren sowohl finanziell als auch personell unterversorgt und die Gefahr, dass mit dieser Seuche das System kollabiert, wurde als sehr wahrscheinlich eingeschätzt.

Parallel ließen sich die lateinamerikanischen Regierenden in einer gemeinsamen Video-Konferenz mit dem Chef der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus beraten. Durch den Austausch unter den südamerikanischen Regierenden gewann die Position jetzt starke Maßnahmen durchzusetzen, um die Verbreitung der Covid-19-Pandemie einzudämmen, immer mehr Anhänger*innen.

Am 15. März gab es 87 Infizierte in Peru. Präsident Martin Vizcarra erklärt gemäß Dekret Nr. 044-2020-PCM den nationalen Ausnahmezustand und die Schließung der Landesgrenzen ab 16. März für 15 Tage. Flüge aus und nach Europa und Asien wurden für 30 Tage ausgesetzt. Der peruanische Staat hat damit eine obligatorische soziale Isolierung verhängt, allerdings dafür gesorgt, dass die Versorgung mit Lebensmittel und Medikamenten gesichert bleibt, d. h. Banken, Supermärkte und Apotheken blieben geöffnet.

Im diesem Rahmen kam am 16. März die offizielle Mitteilung vom BMZ an die

Trägerorganisationen, dass alle deutschen Freiwilligen weltweit und damit auch aus Peru zurückgeholt werden. Nach Meinung verschiedener Beteiligter kam diese Entscheidung vom BMZ spät, was unter anderem von zahlreichen Gesprächen und Informationen, die dieser Anordnung vorweg gingen, abhing. In diesem Zusammenhang lässt sich feststellen, dass der Informationsfluss über die Kommunikationskette hin zu den Trägerorganisationen auf sich warten ließ.  

 

Da die Zahl der Infizierten in Peru inzwischen auf 136 Fällen angewachsen war, verhängte der peruanische Präsident am 17. März eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr und landesweit ein Verbot mit privaten Fahrzeugen auf der Straße zu fahren. Für Notfälle standen allerdings öffentliche Verkehrsmittel oder Taxis zur Verfügung.

Unmittelbar danach wurde das Rückholprogramm der Bundesregierung weltweit aktiviert und in Peru über das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft in Lima umgesetzt.  Bis zu diesem Augenblick befanden sich in Peru ca. 4000 deutsche Tourist*innen und Freiwillige. Das Auswärtige Amt begann sofort mit den Verhandlungen  mit der peruanischen Regierung. Der Botschafter, Stefan Herzberg, sendete täglich sogenannte „Landsleutebriefe“ an die deutschen Tourist*innen in Peru, die in ihren Hotels saßen und über das ganze Land verteilt waren, sowie an die Freiwilligen, die ebenfalls auf gepackten Koffern saßen und warteten.

Als das erste Flugzeug der Lufthansa am 23. März von Lima nach Frankfurt starten sollte, kündigte der Präsident Vizcarra tags zuvor die Schließung der Flughäfen an, womit faktisch alle Auslands- und Inlandsflüge hinfällig wurden. Trotz der Schließung gingen die intensiven Verhandlungen zwischen den peruanischen Behörden und den EU-Vertreter*innen weiter, damit Sonderflüge für die Rückholaktion deutscher Staatsbürger*innen über den Militärflughafen der Grupo 8 in Lima stattfinden konnte.

Am 26. und 27. März konnten die ersten Flüge der Lufthansa nach Deutschland fliegen, allerdings nur mit Tourist*innen und Freiwilligen aus dem Großraum Lima.

 

In der Zeit vom 17. März bis zum 6. April  waren die Mitarbeiter*innen des Auswärtigen Amts und der Deutschen Botschaft in Lima pausenlos mit dieser Rückholaktion beschäftigt. Währenddessen waren die Mitarbeiter*innen der Trägerorganisationen und die Peru-Mentor*innen ständig aktiv um den sicheren Transport ihrer Freiwilligen zu den Sammelpunkten in den drei Regionen Perus zu organisieren. Teilweise musste die Evakuierung über die Städte Cusco, Trujillo, Piura und Tarapoto mit LATAM über Santiago de Chile nach Deutschland erfolgen, um den Flughafen von Lima zu entlasten.

 

Nach Meinung unterschiedlicher Beteiligter in Deutschland und nach Berichten einiger Medien zeigte sich die peruanische Regierung für die Rückholaktion wenig kooperativ. Die ganze Rückholaktion dauerte nach Ansicht der deutschen Behörden vergleichsweise lange; dies lag vor allem daran, dass sich die peruanischen Behörden bei der operativen Umsetzung sehr viel Zeit ließen. Für peruanische Verhältnisse ist dies aber völlig normal – so etwas passiert in ganz Peru auch bei normalen Behördengängen. Außerdem war die peruanische Regierung durch die strengen Maßnahmen verpflichtet ihr Land vor der Verbreitung und Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus zu schützen. Nach einer Umfrage vom 22. März unterstützen 95% der Peruaner*innen die Regierungsmaßnahmen wie die Ausgangssperre.

 

Die Auswirkung der Pandemie brachte am Anfang für die Freiwilligen in Peru Isolation und bei der Rückkehr emotionale Trennung von ihren Projektorten, von ihren Arbeitskolleg*innen, Vorgesetzten und Freund*innen, von denen sie sich nicht wie üblich verabschieden konnten. Geplante Projekte für das nächste Halbjahr des Freiwilligendienstes wurden gestoppt. Viele Aktivitäten, Aktionen, Kampagnen, die für die Zielgruppe im Projekt organisiert wurden, werden nun nicht mehr stattfinden. Ihr Freiwilligendienst wurde abgebrochen und nicht abgeschlossen. Einige Freiwillige betrachteten die schwierige Rückkehr als ungewollt, für die anderen war es einfach eine Pflicht, der Anordnung zu folgen. Gleichzeitig erlebten sie, dass in ihren Städten Polizei und Militär patrouillierten und sie als deutsche Staatsbürger*innen privilegiert waren, da sie über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes nach Deutschland fliegen und Peru verlassen konnten . 

Während Präsident Vizcarra am 27. März gemäß Dekret Nr. 051-2020-PCM die Verlängerung der Ausnahmezustands bis zum 12. April erklärte, warteten die Freiwilligen in den drei Regionen Perus auf die nächsten Rückholflüge nach dem Motto „Sicherheit vor Schnelligkeit“. Bis dahin gab es nach Informationen des Gesundheitsministeriums bereits 950 Infizierte und 24 Tote in Peru.

 

Die Andenstadt Cusco war aufgrund der sehr hohen Konzentration von Tourist*innen aller Art, vom Backpacker bis zur Pauschalreisenden, besonders gefährdet, vor allem nachdem ein paar infizierte Tourist*innen in ihrem Hostel in Quarantäne bleiben mussten. Teilweise veränderte sich die Stimmung im Land und wuchs die Angst bei einigen peruanischen Bürger*innen vor der Ansteckungsgefahr mit Covid-19. Über die sozialen Medien verbreiteten sich Falschaussagen mit Fotos von Ausländer*innen, die Geldautomaten beim Geld abheben infiziert haben sollen. Auch falsche Namenslisten von Infizierten und mit Europäer*innen, „Gringos“, kursierten. Von rassistischen Übergriffen war die Rede, in einigen Geschäften wurden Tourist*innen nicht mehr reingelassen,

Backpacker durften nicht mehr in Busse einsteigen. Nach Aussage von Adaluz, unserer Mentorin, baten Busfahrgäste in Cusco aus dem Busfenster heraus, an die Tourist*innen gerichtet, nicht in den Bus einzusteigen. „Wir sind arm und leben ohne Unterstützung des Staates und haben kein Geld uns nach einer Ansteckung behandeln zu lassen. Ihr seid Touristen, ihr habt Geld, ihr könnt euch ein Taxi leisten“.

Offensichtlich verursacht die Pandemie große Angst vor Fremden, jeder „ausländische“ Mensch wird verdächtigt in Bezug auf eine potenzielle Ansteckungsgefahr, den wenigen Freiraum möchte man nicht mit Fremden teilen müssen.

 

Die Partnerorganisationen und die Gastfamilien in Peru zeigten eine sehr verständnisvolle Einstellung zur Rückkehr der Freiwilligen und waren bis zum Verlassen ihrer Einsatzsorte stets telefonisch erreichbar und voller Hilfsbereitschaft. In der Zusammenarbeit mit den Mentor*innen, die eine wichtige Funktion während des Freiwilligendienstes leisten, versuchten sie den Abschied so wenig schmerzhaft wie möglich zu gestalten.

Die meisten Freiwilligen kehrten mit gemischten Gefühlen nach Deutschland zurück. Einerseits freuten sie sich ihre Familie und Freund*innen in Deutschland wieder zu sehen und auf der anderen Seite machten sie sich Gedanken über die Ausgangsbeschränkungen in Deutschland, eben nicht die Möglichkeit zu haben anderen Menschen zu begegnen um so ihre Erfahrung verarbeiten zu können.

 

Nach Angaben der Deutschen Botschaft wurden bis zum 3. April knapp 2.400 Deutsche aus Peru ausgeflogen.  Kurz danach, am 8. April, erklärte Präsident Martin Vizcarra gemäß Dekret Nr. 064-2020-PCM die zweite Verlängerung des Ausnahmezustands und damit auch die Ausgangssperre bis zum 26. April.

Die Koordinierungsstelle weltwärts von Engagement Global schrieb in ihrer Danksagungs-E-Mail vom 9. Aprilsinngemäß „die Rückreise von über 3100 Nord-Süd Freiwilligen zu organisieren ist damit weitestgehend abgeschlossen. Inzwischen sind fast alle Nord-Süd-Freiwilligen sicher nach Deutschland zurückgekehrt. Für einzelne wenige Freiwillige steht die Rückreise in den nächsten Tagen noch bevor.“ Davon sind 276 Freiwillige aus Peru zurückgekehrt.

 

Am 16. April, dem Tag, an dem dieser Artikel geschrieben wurde, gab es nach Angabe des Gesundheitsministeriums in Peru 11.475 Infizierte und 254 Tote durch Covid-19. Der letzte Rückholflug wurde am 19. April mit Lufthansa von Lima nach Frankfurt durchgeführt, nachdem das peruanische Außenministerium am 10. April alle ausländischen Botschaften in Lima aufgefordert hat, sämtliche Rückholflüge bis zum 22. April abzuschließen (siehe „Landsleutebrief“ von 11.04.)

Das Krisenmanagement des Auswärtigen Amtes hat in Peru und auch weltweit bestanden. Die Auswirkungen der Coronakrise auf das weltwärts-Programm haben alle Akteur*innen sehr betroffen.

Es bleibt die große Aufgabe aller Staaten der Welt die Pandemie und den unsichtbaren Feind zu bekämpfen. Dann können die nächsten Freiwilligen wieder weltwärts gehen.

 

Dr. Norma Driever, ISP-Vorstandsmitglied und Koordinatorin für Peru-weltwärts im Welthaus Bielefeld

 

 

3 Responses

  1. Anmne-Dorothea Segger

    Mehrere Fragen (und z.T. Andeutung von Antworten von mir selbst):
    1) Gab es für die Weltwärts-Freiwilligen (Nord-Süd) auch die Option , an ihrem Einsatzort zu bleiben? (Ich habe Kenntnis von einem deutschen Freiwilligen von Eirene, der auf eigenen Wunsch an seinem Einsatzort in El Alto/Bolivien bleibt – ohne staatliche Zuschüsse) .
    2) Ist sicher gestellt, dass es sich an allen Einsatzstellen tatsächlich um einen Lerndienst handelt? (Das ist z.B. seit 2008 an einem Ort in Peru nicht der Fall! Dort leisten Welthaus/weltwärts-Freiwillige einen Dienst, der ohne sie nicht fortgesetzt werden kann, der – durch ihre Rückholung – Versorgungslücken für behinderte Menschen schafft. Wiederaufnahmetermin: ungewiss!)
    3) Welche Erklärung sehen die Verantwortlichen dafür, dass die Süd-Nord-Freiwilligen von Vamos – im Gegensatz zu denen aus dem Nord-Süd-Programm – an ihren Einsatzstellen in Deutschland bleiben?
    4) Zeigt die recht finanzaufwändige Rückholaktion u.U. einen auch schon vor Corona-Zeiten bestehenden eklatanten Widerspruch zwischen Kosten und Nutzen der Nord-Süd-Einsätze von Freiwilligen? (Weiterhin, seit den 70er Jahren: keine echte Steigerung des BIP-Anteils für Entwicklungszusammenarbeit! Wäre für Erhöhung nicht mehr advocacy -Arbeit auch der deutschen Entsendeorganisationen sinnvoll – zumal die Nachhaltigkeit des entwicklungspolitischen Lernens der Freiwilligen wohl zu Recht hinterfragt werden darf!)

    Antworten
  2. Andreas Baumgart

    Info einer Bekannten, die dabei war: Die Durchführung der Rückholaktion von Lima aus war von Seiten der peruanischen Polizei, Militärs und deutschen Botschaft sehr professionell organisiert. Vom Treffpunkt beim Club Germania bis zum Militärflughafen, Einchecken und Abflug wurde sehr freundlich aber bestimmt auf die Einhaltung der nötigen Sicherheitskriterien geachtet, einschließlich der Maskenpflicht. Ein riesiges Zelt mit Stühlen in 1 1/2m Abstand am Flughafen und ein exakt geplanter Ablauf der Gepäckaufgabe und Dokumentenkontrolle nach entsprechenden Abstandskriterien. Einige Backpacker nahmen es anfänglich beim Club noch nicht so genau mit dem Abstand, reagierten Älteren gegenüber pampig, wenn sie darauf hingewiesen wurden und murrten ziemlich rum. Letztich mussten auch sie sich fügen.
    Dagegen bei der Ankunft in Frankfurt keinerlei Kontrolle auf Fieber, Abstand und kein Empfang durch niemanden. Keine Infos, Nichts. Für die Weiterreise musste man sich durchfragen, wenn man überhaupt jemanden Kompetentes in dem nazu leeren Gebäude antraf. Im Flugzeug mussten Formulare mit Angaben für die spätere Lokalisierung wg. möglicher Ansteckung und Quarantäne ausgefüllt werden. Sie sollten am Flughafen eingesammelt werden, was nicht der Fall war. Alles ziemlich dilettantisch.

    Antworten
  3. Driever, Norma

    Fr. Anmne-Dorothea Segger. Anbei beantworte ich Ihre Fragen:
    1. In Zeiten der Krise ergeben sich nicht nur Optionen, also die Frage ob jemand will oder nicht. Die Lage in Peru bot nicht mehr die Rahmenbedingungen für einen Freiwilligendienst an. Die Freiwilligen wurden schlagartig beschäftigungslos. Falls ein_e Freiwillige_r sich infiziert hätte, wäre eine Belastung für die jeweilige Partnerorganisation und für die Mentor`*innen, die wegen des Notstandes und der Ausgangssperre nicht hätten helfen können, entstanden. Freiwillige_r, die sich geweigert hätten an dem Rückholprogramm des Auswärtigen Amts teilzunehmen, hätten automatisch ihren Status als Freiwillige_r verloren. In diesem Fall wurden sie von ihren Entsendeorganisationen ausführlich über die Konsequenzen beraten. Sie wären als Privatpersonen und auf eigene Verantwortung im Land geblieben. Von solch einem Fall habe ich unter meinen Kolleg*innen nicht gehört. Aber Ausnahmen gibt es ja bekanntermaßen überall.
    2. Ja, der entwicklungs-politische Freiwilligendienst vom BMZ ist ein Lernprogramm. Die Freiwilligen lernen, leisten aber auch gemäß ihren Einsatzplätzen eine Dienst in ihren Projekten. Es gibt einige Freiwillige, die einen Beruf haben und diese leisten eine sehr professionelle Arbeit. Es gibt aber auch Ausnahmen, wo eine_r Freiwillige_r sich von der Arbeit überfordert fühlt, weil das Projekt personell unterbesetzt ist. Dies muss immer wieder geprüft werden.
    3. Ich antworte nicht im Namen von VAMOS, sondern aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Engagement Global hat eine Verlängerung des Süd-Nord- Freiwilligendienstes bis Ende des Jahres bewilligt. Süd-Nord Freiwillige haben selbstständig diesen Wunsch an ihre Aufnahmeorganisation gerichtet. Falls die jeweilige Arbeitsstelle die Verlängerung weiter anbieten kann und alle Parteien einverstanden sich, kann eine_r Freiwillige_r in Deutschland bleiben. Die Rückkehr der Süd-Nord Freiwilligen in ihre Länder ist zurzeit schwierig, da die Flughäfen immer noch geschlossen sind, zudem einige Freiwillige vor Ort ihre Arbeit verloren haben und die Angst vor einer Ansteckungsgefahr in ihren Ländern größer als hier in Deutschland ist. Ihnen ist bewusst, dass Deutschland ein gutes Gesundheitssystem hat und im Falle einer Infektion mit Covid-19 wären sie hier besser aufgehoben.
    4. Ihre Bemerkung bezüglich der Kosten /Nutzen Bewertung der Nord-Süd-Einsätze von Freiwilligen ist eine alte, seit Jahren kontrovers geführte Diskussion. Eine reine prozentuale Steigerung der EZ gemessen am BIP kann man selbstverständlich auch hinterfragen. Aber heißt eine nominelle Steigerung der EZ, dass diese auch positiv – im Sinne einer „gerechten“ Entwicklung – ist? Das weltwärts-Programm ist seit 12 Jahren in Kraft und zeigt ihre Früchte. Viele junge Leute zeigen nach ihrer Rückkehr ein aktives kulturelles, soziales und politisches Engagement und tragen – direkt oder indirekt – zum sozialen und ökologischen Wandel in Deutschland bei. Rückkehrer*innen werden in Entsendeorganisationen tätig, übernehmen dort eine wichtige pädagogische Arbeit, sind in kleinen Fairtrade- oder Partnerschaftsinitiativen aktiv und wirken in politischen Kampagnen als Multiplikator*innen in der Bildungsarbeit bzw. in Vereinen, wie den Zugvögeln, dem Süd-Nord Freiwilligendienst, etc.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.