Peru ist längst nicht mehr nur katholisch. Rund 20% der Peruaner gehören einer evangelischen Kirche an. Besorgniserregend ist die starke Zunahme stramm rechtskonservativer Evangelikaler, wie Heinz Schulze im folgenden Bericht feststellt.

 

Es geht in diesem Artikel nicht um die evangelisch-lutherische Kirche in Peru sondern um die sog. Iglesias Cristianas Evángelicas.

Natürlich soll jeder glauben dürfen, was er mag.  Etwas anderes ist es, wenn Religionsgemeinschaften gesellschaftspolitisch  Einfluss nehmen.

Als Informationsstelle Peru haben wir immer wieder gegen die Aktivitäten rechter katholischer Organisationen und ihrer Vertreter Stellung genommen. Zu nennen ist z.B. die vatikanische Politik zur Diskriminierung der Theologie der Befreiung oder gegenüber Aktivitäten des Opus Dei oder dem sexuellen Missbrauch durch Priester der Sodalicio-Organisation.

Der „Arbeitskreis ILV“ veröffentlichte bereits 1979 das Buch „Die frohe Botschaft unserer Zivilisation – Evangelikale Indianermission in Lateinamerika“.  Das Buch deckte auf, wie gross der Einfluss der Missionare  auf die Ausbildung von indigenen LehrerInnen war. Die Missionare hatten ihren Sitz im peruanischen Regenwald in Yarinacocha und  ihre Büros im peruanischen Erziehungsministerium in Lima. Der Vorwurf damals lautete : Manipulation und Kulturentfremdung der indigenen Bevölkerung und Zuarbeit für die ausländischen (Erdö)lfirmen. Deswegen wurden wir  aus dem Umfeld der „Evangelikalen Allianz“ als Lügner beschimpft. Aber unsere Aktivitäten und  die  anderer Personen haben dazu geführt, dass der Einfluss der evangelikalen Indianermission  auch von offizieller Seite immer kritischer gesehen wurde und ihnen die Lizenz für die Lehrerausbildung entzogen,  und sie ihre Büros im Erziehungsministerium aufgeben mussten.

Heute schätzt man,dass 17-20% der peruanischen Bevölkerung  einer evangelikalen Religionsgemeinschaft angehören.

Die Erinnerung an die Reformation Luthers vor 500 Jahren hat schliesslich zu einer intensiven Diskussion und Recherche über den heutigen Einfluss dieser Gruppierungen geführt.

Auf Initiative der Parlamentsmehrheit der Fujimori-Partei wurde  der 31.Oktober als Gedenktag für die Evangelikalen Kirchen in Peru  beschlossen.

 

Von Luther zum Movimiento Mission Mundial 

In den evangelischen Gruppen Perus ist einiges in Bewegung. Waren früher das Nationale Evangelische Konzil (CONEP) und die Evangelische Vereinigung (UNICEP) die Speerspitzen konservativer Christen, so distanzieren sich diese heute von den „neuen Kollegen“.

Der Vorsitzende der maßgeblichen CONEP, Victor Arroyo, ist besorgt, weil ein „fundamentalistischer und radikaler Sektor der Evangelikalen in Peru auf Ausgrenzung und Diskriminierung setzt“.

Besonders im Blick ist das Movimiento Mission Mundial des kubaflüchtigen Pastors Rodolfo Gonzales. Gegen ihn und seinen Sohn sowie andere Mitglieder seiner Gemeinde wird wegen Verdacht auf Geldwäsche ermittelt. In diesem Zusammenhang spricht Sigrid Bazán von der Zeitung La República von einer Mafiaorganisation unter Pastor Gonzales. Sie nennt dabei den Pastor Vicente Diez und dem Betrag von 9 Millionen Euro, die im Laufe der Jahre angeblich aus den Zahlungen des „Zehnten“, also der Abgaben der Gemeindemitglieder, zusammen gekommen sind und mit denen der Kauf von Immobilien getätigt wurden.

Es laufen auch Untersuchungen darüber, woher  die 34 Millionen Soles stammen, mit denen der Pastor alte Filmtheater aufgekauft hat.

Auch gegen die evangelikale Religionsgemeinschaft Agua Viva wird ermittelt.  Deren Verantwortliche haben z.B. ein großes Sportzentrum, das Coliseo Amauta,  für sechs Millionen Dollar gekauft.

Die „traditionellen“ evangelikalen Organisationen werfen den „neuen“ evangelikalen Gemeinden vor, dass sie sich durch eine Anhäufung von Reichtum auszeichnen, dass sie teure Autos kaufen und ihren Reichtum protzig zur Schau stellen.

Das Movimiento Misionero Mundial ist im Juni 2016 aus dem o.g. Forum der evangelikalen Kirche (IMICEP) ausgetreten, weil dieses nicht mit aller Macht ihren  Kampf gegen die von ihnen so genannte „Gender Ideologie“ unterstützt habe.

 

Immer mehr politischer Einfluss

Die evangelikalen Führer haben sich 1990 aktiv für die Wahl des Ex-Diktators Fujimori (1990) eingesetzt und sind dafür mit Parlamentssitzen belohnt worden. Sie haben auch den Wahlkampf der Fujimori-Tochter Keiko  unterstützt.  Das ist belegbar mit  einem Vertrag zwischen der Coordinadora Civica Cristiana Pro Valores und Keiko F.

Prominente Evangelikale sind Abgeordnete im Parlament für die Fujimori – Fraktion: Juan  Carlos Gonzales von der  einflussreichen Alianza Cristiana Misionera . Oder Pastor Humberto Lay, ein ehemals enger Vertrauter von Ex – Präsident Alberto Fujimori, der 2006 mit seiner eigenen Partei „Restauración Nacional“ für die Präsidentschaft kandidierte – erfolglos, er erreichte nur 4,3% der Stimmen.

Gegenwärtig kommen 15 Parlamentsabgeordnete  aus Führungspositionen  im Spektrum der Evangelikalen.

Diese Gruppen haben mit grossem finanziellen Einsatz  die Kampagne für Gendergerechtigkeit bekämpft, wie auch die Aktivitäten gegen Gewalt gegen Frauen, Ni Una Menos (http://www.infostelle-peru.de/web/finger-weg-von-meinen-kindern-kreuzzug-gegen-gender-in-peru/).

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass es eine starke Kooperation mit dem rechten Sektor der Katholischen Kirche dabei gab und gibt.

Diese evangelischen wie katholischen fundamentalistischen Kreise wollen die Gleichberechtigung homosexueller Lebensweisen und die Gendergerechtigkeit um jeden Preis verhinern.

Ein paar Beispiele, wie evangelikale Kirchen dabei vorgehen:

Pastor Julio Rivas ist Sekretär der Parlamentskommission für Justiz und Menschenrechte. Er sagt u.a.: “ Wer homosexuell ist,ist morgen ein Kinderschänder“. Pastor Santana sagte: „Wenn ein Homosexueller Rechte bekommt, wird man die Homosexualität legitimieren“. Und der uns schon bekannte Pastor Gonzales – MMM – predigte: „Wenn Du zwei Frauen triffst, die Sex miteinander haben, töte beide“.

Zwei evangelikale Parteien streben nach Zulassung für die nächsten  Präsidentschaftswahlen.

Eine, Peru Nacion Poderosa ( Peru Starke Nation), wird wohl 2021 antreten.  Diese Gruppierung wurde vom Pastor Alberto  Santana ins Leben gerufen, er hat 1994 die Kirche „Aposento de Dios“ in den Hügeln von Lima gegründet.

Selbst die sonst eher „traditionellen“ evangelikalen Kirchen zeigen sich von dieser ganzen Entwicklung besorgt. Sie sprechen davon, dass diese „Neupfingstler“ „einen fundamentalistischen und radikalen Sektor der Evangelikalen in Peru darstellen, die auf Ausgrenzung und Diskriminierung setzen“ .(Pastor Arroyo, Vorsitzender des Nationalen Evangelikalen Konzils (CONEP).

Kommentatoren sprechen, im Gedenken an die vor 500 Jahren erfolgte Reformation Luthers  an 500 Jahre Luthers Reformation davon, dass eine neue protestantische Reform innerhalb der Evangelikalen Lateinamerika notwendig sei, besonders ihren Umgang mit der „Hure Geld“ müssten diese überdenken.

 

Zusammenfassende Übersetzung und eigene Kommentare, Heinz Schulze

(Quellen: Artikel und Kommentare u.a. El Comercio, 31.10.17, La República pe/politica/11.38.190, La República, 2.11.17, und weiteren)

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