Auch Südamerika hat seine Flüchtlingskrise: geschätzte 2 bis 4 Millionen Venezolaner haben ihr Land verlassen. Peru gilt als attraktives Zufluchsland.

Egal, wie man zur Regierung unter Präsident Maduro steht, viele Menschen verlassen das Land wegen der großen Versorgungskrise in Venezuela.

Nach jüngsten Angaben der Migrationsbehörde leben aktuell über 115.000 Menschen aus Venezuela in Peru. Deren Migrationsroute geht meist über Kolumbien (wo ca. 150.000 geblieben sind) nach Ecuador (wo ca. 230.000 angekommen, aber nicht alle geblieben sind). Einige fahren weiter nach Chile und Argentinien (ca. 27.000 Geflüchtete).

Kolumbianische Medienberichte sprechen von über 500.000 Migranten aus Venezuela. Die Regierung Kolumbiens hat einige tausend Soldaten an die Grenze und besonders an die Hauptroute der Migranten geschickt, um die – nach eigenen Aussagen – chaotischen Verhältnisse dort zu regeln.

Die peruanische Regierung erleichtert es, den venezolanischen Migranten ein Arbeits- oder Flüchtlingsvisum zu erteilen. Dies entspricht der Absicht des Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski, sich in der Region als Anführer der Anti-Maduro-Front zu profilieren.

Die peruanische Bevölkerung reagiert unterschiedlich auf die große Anzahl von venezolanischen Neu-Bürgern. Einige unterstützen die Migranten, andere befürchten, dass die Venezolaner den Peruanern die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Viele Venezolaner haben eine qualifizierte Berufs- oder Universitätsausbildung, sind zuerst aber auf dem informellen Arbeitsmarkt aktiv und stehen dort in Konkurrenz zu gering verdienenden Peruanern. Gerade im Strassenverkauf, in der Gastronomie und im Einzelhandel hört man in Peru immer mehr Migranten mit einem typisch venezolanischen Akzent.

Der Publizist Alberto Adrianzen lenkt den Blick darauf, dass Peru schon immer Menschen aus anderen Ländern aufgenommen hat.

Die Auswirkungen der spanischen Eroberer, die nach heutigen Begriffen Wirtschaftsflüchtlinge, Fremdenlegionäre und unausgebildete Missionare waren, sind bekannt. Später wurden in der Kolonialzeit Sklaven aus Afrika zwangsweise auch nach Peru verschifft. Ab 1849 kamen dann Arbeitskräfte aus China, um unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Vogeldung-Inseln vor der peruanischen Küste den Guano (Dünger) abzubauen. Dazu kamen auch zwangsweise Indigene von der Osterinsel.

Die Menschen aus China (ca. 100.000, meist Männer) wurden von der damaligen Oberschicht (Oligarchie) als minderwertige Rasse behandelt. Zwischen 1899 und 1930 kamen offiziell ca. 25.000 Menschen aus Japan. Diese arbeiteten speziell in der Baumwoll-Produktion, und nicht wenige konnten später Land kaufen und sich in der Baumwoll-Textilproduktion etablieren.

Zu nennen sind auch in dieser Zeit die Wirtschaftsflüchtlinge aus Tirol und Deutschland, die sich bei „Schleusern“ verschuldeten. Sie ließen sich nach vielen Mühen im zentralen Regenwald in Pozuzo oder Villarica nieder, wo sie sich als Spezialisten in Viehzucht und Kaffeeanbau etablierten. Ab 1930 kamen politische Flüchtlinge aus Spanien aufgrund des dortigen Bürgerkrieges nach Peru.

Migranten aus Europa wurden oft offiziell willkommen geheißen, weil rassistisch eingestellte peruanische Regierungen „die Rasse verbessern, sprich ver-weissen“ wollten.

1980 kamen ca. 10.000 Flüchtlinge aus Kuba, wobei die wenigsten davon in Peru blieben.

Peru war aber auch Auswanderungsland: heute leben ca. 10% der peruanischen Bevölkerung im Ausland, die meisten sind während der Krise 1985 – 1995 ausgewandert, nach Europa, USA, und sehr viele auch nach Venezuela.

Fraglich ist, ob der venezolanische Präsident Nicolás Maduro am 13./14. April zum Amerika-Gipfel nach Lima kommen wird. Die peruanische Regierung und die Staatschefs der „Grupo de Lima“ haben Maduro ausgeladen – dieser hat jedoch gesagt, er würde, wie auch immer, nach Lima kommen. Der peruanische Staatschef hat für diesen Fall die venezolanischen Migranten zum Protest gegen Maduro aufgerufen.

Und nicht nur Maduro kommt nach Lima, sondern auch Donald Trump. Am 13./14. April wird es in Lima also hoch hergehen!

Heinz Schulze/Hildegard Willer

Eine Antwort

  1. Gabriele Merz

    Interessanter Artikel über die verschiedenen und seit langer Zeit stattfindenden Migrantenwellen nach Peru. Abgesehen von den Interessen des PPK, war er der erste Präsident und Peru die erste Regierung in Lateinamerika, der den venezolanischen Migranten die Einreise erleichterten, und seit kurzem auch die Arbeitsbewilligung. Ich persönlich rechne ihm das hoch an. In Venezuela kenne ich einige PeruanerInnen. Es gibt auch einen bekannten Straßenmarkt am Sonntag in Caracas, auf dem man peruanisches Essen und Waren bekommt. Venezuela war immer ein Einreiseland; jetzt ist die Situation umgekehrt. Viele Grüße Gabriele Merz

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