Ausgerechnet in Deutschland etwas zum geplanten Bau des Internationalen Flughafens Chinchero bei Cusco anzumerken (Stichwort BER), ist gewagt.

Im südlichen Peru ist der Wunsch nach einem größeren und sicheren Flughafen seit vielen Jahren ein Dauerthema. Der aktuelle liegt mitten in der Stadt Cusco und wird als gefährlich eingestuft. Ein neuer Flughafen soll im Gebiet des Urubamba-Tals im Distrikt Chinchero entstehen, genauer: im Heiligen Tal der Inca (Valle Sagrado de los Incas), 26 Kilometer von Cusco entfernt.

Der Airport sollte ursprünglich als öffentlich-private Partnerschaft zwischen peruanischem Staat und der argentinisch-peruanischen Holding „Sociedad Aeroportuaria Kuntur Wasi“ betrieben werden; im Juli 2017 hat der peruanische Staat jedoch – aufgrund von Enthüllungen eines umstrittenen Zusatzvertrages – den Konzessionsvertrag aufgelöst. Kuntur Wasi hat darauf eine internationale Schiedsgerichtsklage gegen den peruanischen Staat eingereicht.

Peru hat die Baumassnahme deswegen erneut ausgeschrieben, dieses Mal als öffentliches Gemeinschaftsunternehmen mit einem anderen Land, das eine weitreichende Erfahrung mit dem Bau großer Flughäfen aufweist.

Gültig beworben haben sich Kanada, Südkorea, Spanien, Frankreich und die Türkei. Noch im April soll die Entscheidung fallen, mit welchem Land Peru bei dem Flughafen-Bau zusammenarbeiten wird.

Obwohl hinter der Betreibergesellschaft des Flughafens in Lima (Lima Airport Partners) mit mehr als 57 % Anteil die Fraport AG Frankfurt steht, ist Deutschland nicht unter den Bewerbern (BERechtigt?);  man kann aber wohl in der globalisierten Welt vermuten, dass auch deutsche Baufirmen beteiligt werden.

Die Meinungen zum neuen Flughafen und dem Standort im Heiligen Tal gehen weit auseinander.

Von Befürwortern wird als positiv ins Feld geführt:

* Er wird, meint die vorherige Betreiberfirma, während der Konzessionslaufzeit von 30 Jahren über 6 Milliarden Dollar in die Kassen der Region Cusco spülen.

* Er wird 100%ig ökologisch gebaut (Juan Stroessel in Peru 21, am 6.5.2016). Der Bau wird nachhaltig und sozial verträglich erfolgen.

* Das Touristenaufkommen wird sich von jetzt ca. 3 Millionen Personen auf 6 Millionen pro Jahr steigern.

* Die in der Provinz Urubamba produzierten Lebensmittel wie Quinoa können direkt exportiert werden.

* Die neue Einflugschneise ist bedeutend sicherer als die aktuelle.

Kritiker halten dagegen:

* Schon in der Planungs-Anfangsphase gab es Unregelmäßigkeiten und die vorgeschriebene Konsultation der Bevölkerung war mangelhaft.

* Die Standortwahl ist Ergebnis von Korruption. Daran beteiligt waren u.a. der frühere Präsident Kuczynski und der jetzige Präsident Vizcarra in seiner damaligen Funktion als Verkehrsminister der Regierung Kuczynski. Schon vor Kuczynski kaufte unter Präsident Humala dessen Schwester Ivoska Seiffert Humala für 115.000 € ein Grundstück mit 15.000 Quadratmeter in der jetzigen Flughafenregion, das nunmehr ca. 5,5 Millionen € wert sein soll.

* Die Hochebene von Chinchero wurde 2006 zum Nationalen Kulturerbe erklärt, das ca. 350 archäologische Denkmäler und Plätze umfasst, darunter Machu Picchu, Pisac, Ollantaytambo.

* Noch mehr Tourismus zerstört den Tourismus. Der Flughafen kann in dieser Region nicht dem Tourismus dienen, wenn er die großartige Landschaft und Kultur gefährdet. Die UNESCO warnt, dass der Status als Weltkulturerbe verloren gehen könnte.

* Viele betroffene Dorfgemeinschaften (Ayllus) haben sich gegen den Bau ausgesprochen. Präsident Vizcarra hat darauf nicht reagiert.

* Flugspezialisten verweisen darauf, dass der neue Flughafen nur eine Piste für Starts und Landungen haben soll und die Flugzeuge zwischen den Andenriesen Pumahuanca und Chicon (5.300 m.ü.M.) durch müssen und dabei kräftig durchgeschüttelt werden.

* Die Lärmbelastung für die Menschen in der Tourismus-Region wird sehr hoch sein.

Die Kritiker stellen den Bau eines neuen Flughafens im südlichen Peru nicht in Frage, fordern aber, dass er in eine nachhaltige regionale Entwicklungsplanung eingebunden, Korruption unterbunden und dass dort gebaut wird, wo die kulturellen, sozialen und ökologischen Schäden geringer sind als in Chinchero, im Heiligen Tal der Inca.

 

April 2019, Heinz Schulze

(Quellen: Diariocorreo.pe/peru, 13.3.19; Natalia Majluf: Chinchero: la barbarie del „progreso“?, El Comercio, 11.3.19; inforegion, 3.4.19; Carlos Herz Saenz: Es pertinente un aeropuerto en Chinchero, DAR, 4.4.19; www.lima-airport.com sowie Informationen aus Mitteilungen der Regierung und Betreiber aus dem Jahr 2016.)

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