Was interessiert den deutschen Aussenminister in Peru so sehr, dass er trotz Ukraine- und Griechenlandkrise die weite Reise nach Lima unternahm?

 

Es gibt Momente, da wird einem in Peru sehr bewusst,  im toten – und damit im Vergleich zu Europa heute erstaunlich ruhigen –  Winkel der Weltgeschichte zu leben. Die Pressekonferenz mit  dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier am Samstag in Lima war ein solcher Moment. Die Ukraine-Krise und das jüngste Islamisten-Attentat in Kopenhagen bestimmten die Runde.

Warum aber nahm ein nach den Minsk-Gespraechen uebernaechtigter Aussenminister eine dreitaegige Gewalttour zuerst ueber den Atlantik nach Brasilien und dann ueber die Anden nach Peru und Kolumbien ueberhaupt auf sich, wenn es zu Hause in Europa an allen Ecken und Enden brennt ? Sicher nicht, um den peruanischen Journalisten die Ukraine-Krise zu erklaeren  Und sicher nicht nur, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das es  Angehoerigen von Botschaftsmitarbeitern in Peru erlaubt, einer gewerbsmaessigen Beschaeftigung nachzugehen.

Hauptanliegen des knapp eintaegigen Steinmeier-Aufenthalts in Peru war es, die politischen Beziehungen zu verstaerken – u.a. mit geplanten bilateralen regelmaessigen Konsultationsgespraechen. Und Geschaefte zu machen: Deutschland koenne gerade im Mobilitaetssektor und im Ausbau einer nachhaltigen staedtischen Infrastruktur Hilfe leisten, betonte der Aussenminister.  Duerfen wir also bald die Ankuendigung erwarten, dass Siemens eine der seit Jahren im Raum stehenden Eisenbahnlinie in Peru realisiert oder mit einer weiteren Metro-Linie aufwartet?

 Deutsche Unternehmen haben  sich mit Direktinvestitionen in Peru  bisher nicht hervorgetan. Waehrend vor allem die spanischen Telekommunikations- und Finanzunternehmen kraeftig zugriffen, als die peruanischen Staatsbetriebe in den 90-er Jahren privatisiert wurden; und waehrend  US-amerikanische, australische, britische, Schweizer, mexikanische und zunehmend chinesische Firmen  den Rohstoffsektor in ihrer Hand haben, ist die einzig nennenswerte deutsche Investition der Flughafen in Lima. Er wird seit  15 Jahren sehr erfolgreich von der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport betrieben.  Ansonsten waren deutsche Firmen bisher eher daran interessiert, den neu-reichen Peruanern Maschinen, Luxus-Autos und Gummibaerchen zu verkaufen (und damit deutsche Arbeitsplaetze zu erhalten), als im Land selber zu investieren (und damit Arbeitsplaetze und Wertschoepfung in Peru zu betreiben).

Eine deutsche Offensive, bei Grossprojekten im Infrastrukturbereich mitzubieten, koennte beiden Laendern zugute kommen: den Deutschen mit Arbeitsplaetzen; den Peruanern mit einer topmodernen und oekologisch-nachhaltigen Infrastruktur.

Steinmeier betonte immer wieder  die gemeinsamen Werte, die Europa und Lateinamerika verbinden. Auf dem peruanischen Hintergrund kann man das lesen als eine Anspielung Richtung China: “Ihr , Lateinamerikaner , gehoert kulturell zu uns (und nicht zu Asien)”. Denn im Gegensatz zu den deutschen, sind chinesische (Staats-)Unternehmen in Peru mit ihren Milliardeninvestitionen inzwischen omnipraesent. Sie betreiben z.Bsp. die beiden groessten neuesten Kupferminen in Peru und sind der wichtigste Handelspartner.

Hildegard Willer

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