Diesmal stellen wir den Verein „Freundeskreis Peru Amazonico e.V.“ mit Sitz in Untergruppenbach/Unterheinriet bei Heilbronn vor.
Das Interview führte Mechthild Ebeling  mit den beiden Vereinsvorständen Eugen Bruder und Nelly Hendrichs
Nelly Hendrichs ist Peruanerin, wohnt seit 35 in Deutschland und jetzt in Berlin; sie ist mit einem ehemaligen DED-Entwicklungshelfer verheiratet. Auch Eugen Bruder war als Diplomagraringenieur in den Jahren von 1974 bis 1976 DED-Entwicklungshelfer und arbeitete in der damaligen Zentralgenossenschaft im Aucayacu-Gebiet in der Region Tingo Maria. In jenen Jahren waren in dieser Region eine große Anzahl von DED-Entwicklungshelfern eingesetzt. Aus dieser Gruppe ist im Jahr 1989 der Freundeskreis Peru Amazonico e.V. entstanden, der heute ca. 135 Mitglieder hat. Nelly und Eugen gehören zum dreiköpfigen Vereinsvorstand, der bei seiner Arbeit des öfteren die Expertise des erweiterten Vorstands einbezieht; auch peruanische Experten werden gefragt. Interkultureller Austausch ist allen wichtig, und die Jahrestreffen sind auch jedes Mal ein Treffen mit der Vergangenheit und der Erfahrung vieler mehrfach in binationalen Ehen lebenden Mitglieder, die mehrheitlich in Süddeutschland wohnen und untereinander freundschaftlich verbunden sind.

Wichtigstes Projekt….

…ist zur Zeit ist eine Maßnahme mit dem Namen „Cero Deforestación„, das – vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziell unterstützt- in 17 Dörfern der Region von Tingo Maria und 3 von Pucallpa wirksam wird. Etwa 200 Kleinbauernfamilien werden unterstützt in der Umwandlung ihrer Agrartätigkeiten: Der Primärwald wird nicht mehr flächig gerodet, es wird aufgeforstet und Mischkulturen gefördert. Kaffee- und Kakaopflanzungen und auch das Weideland werden immer mit einheimischen Bäumen durchsetzt – dadurch entsteht eine Agroforstwirtschaft. Das Programm wurde vor Ort gemeinsam entwickelt und wird von einem peruanischen Projektkoordinator vor Ort begleitet. Auch Weltwärtsfreiwillige sind vor Ort und arbeiten unterstützend mit. Wichtig ist neben der nachhaltigen kleinbäuerlichen Landwirtschaft und dem Schutz des Regenwaldes  die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen – es wurden z.B. auch cocinas mejoradas (brennholzsparende und benutzerfreundlichere Kochherde) eingeführt und Gemüsegärten in Schulen und bei interessierten Bauernfamilien. Insgesamt, so meinen Nelly und Eugen, ist das eine Win-Win-Situation: für die Kleinbauernfamilien und für die Umwelt!

Aber nicht nur Umwelt und nachhaltige Entwicklung ist dem Verein wichtig, sondern eben auch der kulturelle und interkulturelle Dialog und Austausch. So wurde schon die peruanische Musikgruppe „Siembra“ eingeladen, oder Jugendliche aus La Oroya , die nach dem Besuch des evangelischen Kirchentags eine Rundreise in Deutschland machten, und von Vereinsmitgliedern vor Ort betreut und intensiv begleitet wurden.

Der bisher grösste Erfolg war…..

…eine schnelle Hilfe für das Dorf Huamancoto in der Nähe von Tingo Maria, das im Jahr 2001 durch eine Überschwemmung stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Der Verein konnte spontan Hilfe organisieren, und so konnten in dem Dorf nach den Zerstörungen der Papaya-Pflanzungen neue Mischkulturen von Kakao, Bananen, Zitrusfrüchten, Bäumen etc. entwickelt werden und : „Dieses Projekt ist aufgegangen!“

Kooperationen hat „Perú Amazónico“ …

…mit dem KAB Kreisverband Iller-Donau bestehen langjährige Kooperationsbeziehungen finanzieller und technischer Art, zumal dieser auch in der Region um Tingo Maria aktiv ist: So wurde das Gehalt eines technischen Lehrers vor Ort gemeinsam aufgestockt, der Bau eines Gästehauses gemeinsam finanziert und gezielt kleine Maßnahmen unterstützt. Finanziert wird die Arbeit von Perú Amazónico durch die Vereinsmitglieder, durch Spenden, sowie durch Projektfinanzierungen des BMZ und auch der SEZ (Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Stuttgart). Bei den „Eine-Welttagen“ in Untergruppenbach arbeitet man eng mit lokalen Akteuren zusammen.

 

Neue Mitglieder wirbt der Verein ……

…. hauptsächlich über die Arbeit mit Freiwilligen . Auch hier kooperiert man mit dem Verein Ecoselva e.V. Durch das BMZ-Programm „Weltwärts“ sind zur Zeit über beide Vereine 16 junge Menschen in Peru, ihre Vorbereitung auf den Einsatz wird auch zum Zeitpunkt der Jahreshauptversammlung durchgeführt, so dass dadurch die Möglichkeit zu einem lockeren Austausch entsteht. Man will Brücken bauen zwischen Jungen und den traditionellen Mitgliedern. Bisher sind drei ehemalige Freiwillige aktive Vereinsmitglieder geworden.

Über die Arbeit von Perú Amazónico erfährt man….

….Die Öffentlichkeitsarbeit von Peru Amazonico muss verbessert werden, betonen beide Gesprächspartner einhellig. Vor allem die Website muss dringend aktualisiert werden, man will dafür ein neues Konzept. Aber das braucht Zeit und kostet Geld! Der Flyer allerdings ist bereits aktualisiert und mit vielen Fotos sehr ansprechend. Auch über Facebook gibt es einen lebhaften Austausch.

Für Peru und die PeruanerInnen wünscht sich Peru Amazónico….

… eine  Vision einer nachhaltigen Entwicklung für Peru: „Wir müssen dazu beitragen, den Nachhaltigkeitsgedanken in allen Regionen zu verbreiten, denn nur dadurch kann es ein menschenwürdiges Leben für alle geben!“

Kontakt: Eugen Bruder, eugen.bruder@t-online.de

 

Peru-Gruppen, die in einem der nächsten InfoPeru vorgestellt werden möchten, können sich gerne bei uns melden: newsletter@infostelle-peru.de

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