Mitte Februar veröffentlichte der Bergbau-Berater Miguel Santillana eine Studie, in der er vor allem französische Solidaritätsgruppen und europäische Freiwillige der Unterstützung für bergbaukritische Gruppierungen in Peru bezichtigte und sie in die Ecke des Terrorismusverdachtes stellte. Die Infostelle Peru schrieb Herrn Santillana daraufhin folgenden Brief:

Berlin, den 18. März 2014

Sehr geehrter Herr Santillana,

Mit Erstaunen und Enttaeuschung haben wir in mehreren peruanischen Medien von Ihrer Studie ueber die europaeischen Gruppen gelesen, die , wie Sie sagen, die „Bergbaugegner“ in Ihrem Land unterstuetzen.

Erstaunen deshalb, weil Sie etwas als Enthuellung praesentieren, was immer schon oeffentlich war. Es reicht der Blick auf die Unterschriften zahlreicher oeffentlicher Kommuniques oder auf einige Webseiten, um zu wissen, welche Personen und Institutionen in Europa die von Ihnen so genannten „Bergbaugegner“ unterstuetzen. diese einfach zu findenden Praesentieren Sie etwa diese offensichtlichen Daten als Enthuellungs-Sensation , um Ihr Honorar zu rechtfertigen, gegenueber denen, die die Studie bei Ihnen in Auftrag gegeben haben ?

Vor allem aber sind wir enttaeuscht von Ihrem Bericht. Sie sagen nicht die ganze Wahrheit. Sie erwaehnen uns nicht.

Wir solidarisieren uns ebenfalls mit den Gruppen in Peru, die mit dem aktuellen, auf ungehemmte Rohstoffausbeutung basierendem Entwicklungsmodell , nicht einverstanden sind, und die sich den Vorgaben der grossen Bergbauunternehmen nicht einfach unterordnen. Die Mitglieder unseres Netzwerkes der Informationsstelle Peru sind unterschiedlichster Herkunft: einige haben in Peru gearbeitet, andere haben freundschaftliche Verbindungen ueber ihre katholische oder evangelische Kirche; andere haben Partnerschaften mit peruanischen Gemeinden ueber ihr Engagement in ihrer Kommune.

Unsere politischen Glaubensbekenntnisse sind so unterschiedlich wie unsere Verbindungen mit Peru, aber uns eint eine Ueberzeugung: der Bauer, die Baeuerin in Conga, Puno oder Piura hat dasselbe Buergerrecht und soll ueber die Verwendung seines Grund und Bodens ebenso entscheiden duerfen, wie der Bewohner von Lima.

Das nennen wir nicht Terrorismus, sondern einfach Demokratie. Sie haben am Ende Ihres Auftritts im Fernsehsender N gefragt: wie waere das, wenn ich als peruanischer Staatsbuerger  offen in Paris (oder Berlin) gegen franzoesische oder deutsche Politik protestieren wuerde ? Nun, wir versichern Ihnen, dass Ihnen absolut nichts passieren wuerde. Sie haben, wie jeder Mensch, das Recht auf freie Meinungsaeusserung, immer wenn sie gewaltlos ist. So wie es keine nationalen Grenzen fuer die von Ihnen so gefeierten Investoren gibt, so gibt es auch keine nationalen Grenzen fuer internationale Solidaritaet.

Seine Meinung aeussern, zu informieren und Debatten anzuregen: das sind die Fundamente jeder lebendigen Demokratie. Genau dies tun wir mit unserer solidarischen Unterstuetzung fuer diejenigen, die in Peru immer noch als Buerger zweiter Klasse behandelt werden.

Sehr gerne treten wir auch mit Ihnen in die Debatte ueber das Pro und Contra von grossen Bergbauprojekten. Aber zuerst bitten wir sie darum, dass Sie uns in Ihre Liste der sinistren auslaendischen Gruppen aufnehmen, welche die peruanischen Bergbaukritiker unterstützen.

Berlin, den 18. März 2014

 

Hochachtungsvoll

Mechthild Ebeling

Norma Escobedo – Driever

Elke Rothkopf-Falley

Vorstand Informationsstelle Peru e.V.

Spanische Original-Fassung des Briefes: CartaSantillana03-14-1

 

 

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