Der illegale Goldabbau im peruanischen Regenwald hat kilometerweite Wälder zerstört und Flüsse verseucht. Ist unter diesen Umständen ein sauberer Abbau überhaupt vorstellbar ?

 

Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski stellte während seiner Kampagne folgende Lösung für die Problematik des illegalen Goldabbaus vor:  die Nationalbank (Banco de la Nación) und die staatliche Institution zur Entwicklungsförderung (COFIDE) sollen das Gold aus der informellen / illegalen Produktion aufkaufen, dafür einen höheren Preis zahlen. Damit würde der kriminelle Kreislauf unterbrochen. Informelle Goldcamp-Besitzer sollen Kredite erhalten, um den Prozess für ihre Legalisierung zahlen zu können.

Allerdings wird damit das gravierende Problem der Umweltzerstörung nicht angegangen. Einige Goldgräber aus Madre de Dios setzen deshalb auf die Marke“sauber hergestelltes Gold“.

Allein in der Region Madre de Dios sind über 2.000 km² zerstört

In den Jahren 2001-2013 wurden bereits in dieser Region 1.680 km² tropischer Regenwald zerstört. Inzwischen sind es weit über 2.000 km².

Aus der Regierung der besonders betroffenen Region Madre de Dios im südlichen Regenwald kommt ein weiterer Vorschlag. Es soll kein Quecksilber mehr benutzt werden, dafür sollen „Rüttelmaschinen“ zum Einsatz kommen. Eduardo Salhuana C. war in seiner Zeit als Abgeordneter im peruanischen Parlament kein Fürsprecher einer „saubere Region Madre de Dios“. Jetzt ist er juristischer Berater für eine saubere Goldproduktion dort. Die Einnahmen aus dem hauptsächlich illegal geförderten Gold tragen mit ca. 48% zum Bruttoinlandsprodukt dieser Region bei. Geschätzt wird, dass die Goldvorkommen entlang der dortigen Flüsse  einen Wert von bis zu 5 Milliarden Dollar haben. Jetzt soll „sauberes Gold“ gefördert werden. Mitbeteiligt ist eine Organisation aus Finnland, „Besseres Gold“ (mejor oro). Die als erste Maßnahme angesetzte Machbarkeitsstudie wird mit Ing. Carlos Villachica Leon durchgeführt. Er ist Besitzer von Small S.A., die die „Rüttelmaschinentechnik“ (Mesa gravimétrica vibratoria) weiterentwickelt hat. Dieses „Rüttelprinzip“ ist seit Jahren bekannt, wurde aber nicht eingesetzt, weil die Produktion mit Quecksilber viel billiger ist.

Bevor überhaupt mit dieser Technik gearbeitet wird, wurde schon eine „Vereinigung zur Förderung von sauberem Gold in Madre de Dios“ gegründet. Grizelda Zubizarreta Vargas als Präsidentin dieser Vereinigung bemängelt, dass die Goldproduktion in ihrer Region einen schlechten Ruf wegen des Einsatzes des giftigen Quecksilbers hat. Sie verspricht: Madre de Dios wird weltweit die größte Region sein, die sauberes Gold produziert.

Gesiegelt werden soll, so Grizelda Zubizarreta Vargas, nach den Richtlinien von FAIRMINED (Minería Justa – Alianza por la Minería Responsable). Noch vor Ende 2016 soll „sauberes, ökologisch zertifiziertes Gold“ speziell in die Schweiz exportiert werden. Pilotprojekte soll es in den Goldgräbercamps Huepetue, Laberinto, Roca Colorado und Mazuko, in der Nähe der dortigen Urwaldstadt Puerto Maldonado, geben. (Die Alliance for Responsible Mining, die das Fairmined-Siegel vergibt, verneint allerdings, in Madre de Dios tätig zu sein, d.Red.)

 

Die brutale Wirklichkeit im „Mutter-Gottes-Goldland“

In einer im peruanischen Fernsehen ausgestrahlten Reportage  wird erneut die brutale Situation deutlich gemacht: Hunderte von Mädchen und jungen Frauen werden dort sexuell ausgebeutet. Die Besitzer der Bordelle kassieren 100 – 200 Soles (ca. 33 – 66 €) pro „Stich“, wie es dort heißt. Frauen, die bei ihrer Flucht gefasst werden, werden ermordet, sprich erdrosselt. Schätzungen besagen, dass ca. 30% der Frauen AIDS haben. Wenn die Männer sich dort anstecken und wieder zuhause mit ihrer Frau oder anderen Frauen schlafen, und diese anstecken, verbreitet sich AIDS auch in den Anden.

Der Ruf nach sogenanntem sauberem Gold mit entsprechenden Aktivitäten in England, Schweiz und Deutschland (Transfair) ist auch bei den Gold-Umweltgangstern in Peru angekommen. Wenn jetzt auch das Gold aus Madre de Dios als „sauberes Gold“ in den Handel kommt, dann heißt das aber immer noch:

– Es kommt aus einem dafür zerstörtem Regenwald, auch ohne Quecksilbereinsatz. So ist im Nationalpark Tarapoto, wo ein totales Verbot von extraktiver Industrie herrscht, allein im Jahre 2016 (bis September) schon 450 Hektar intakter Regenwald zerstört. Allein dort sind ca. 5.000 Goldgräber eingedrungen und der dortige, nicht kleine Fluss Malinowski ist teilweise von ihnen umgeleitet worden, um besser arbeiten zu können.

– Es ist weiterhin eine Goldproduktion mit allen sozialen Begleiterscheinungen bis hin zu Zwangsprostitution. In Peru sind im 2016 (bis Juni) 1.567 Fälle sklavenähnlicher sexueller und arbeitsmäßiger Ausbeutung bekannt geworden, überwiegend im Gebiet Madre de Dios – Mutter-Gottes-Land.

Fazit: KonsumentInnen, Händler und Goldschmiede müssen sehr aufpassen, um nicht mit – noch fragwürdigeren – Informationen und Siegeln getäuscht zu werden.

Heinz Schulze

(Aus: El Comercio, Lima, 11.10.2013, FEDEMIN 07.08.2016, inforegion Madre de Dios, 09.08.2016, Gobierno Regional Madre de Dios, 08.08.2016 und 12.08.2016, Sociedad Peruana de Derecho Ambiental, SPDA 12.08.2016, José Carlos Diaz Z. Servindi, www. Cuarto-poder reportajes Nr. 59324, 13.09.2016)

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