Heinz Schulze kommentiert den Wechsel an der Spitze des Erzbistums Lima.

Am 28. Dezember 2018 wurde Erzbischof und Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne 75 Jahre alt und bot deshalb, wie vorgeschrieben, dem Papst seinen Rücktritt an. Für vatikanische Verhältnisse nahm Papst Franziskus sehr schnell seinen Rücktritt an und ernannte am 25.1.2019 den Theologieprofessor an der Katholischen Universität Perus, Dr. Carlos Castillo Mattasoglio (69) zum neuen Erzbischof der Erzdiözese Lima. Erzbischof Castillo hat Erfahrungen in der Pfarrgemeindearbeit, zuletzt in der Pfarrei St. Lazaro im Armenviertel Rimac (Lima) und in der Jugendpastoral.
Der zweite peruanische Kardinal, Pedro Barreto SJ, der engagierte Erzbischof von Huancayo, sagt vom neuen Limaer Erzbischof Castillo, dass er immer nah bei den Menschen war und dass er ein Priester in der Linie des Papstes Franziskus sei. Erzbischof Castillo hat in Rom studiert und über den Bischof der Indigenen in der Kolonialzeit, Bartolomé de las Casas, promoviert. Er wird am 2. März geweiht und in sein Amt eingeführt.

Kardinal Cipriani ist also nicht länger Chef der Erzdiözese Lima. Jetzt sollte er seinen Ruhestand in Muße und Buße verleben und Schluss machen mit seinen reaktionären Predigten und Radiobotschaften (über einige hatten wir auch in unserem Newsletter berichtet). Die heftigste Angriffsfläche boten sicher seine Äußerungen über Männer- und Frauenrolle wie (sinngemäß): Gott setzt den Vater über seine Kinder und alle sollen ihm Respekt zollen. Die Mutter schaut, dass alles zuhause gut funktioniert. Das ist das Wort Gottes: Der Vater ist die maximale Autorität, die Mutter ist  diejenige, die den internen Ablauf im Haus zuständig ist. Sie organisiert die Geburtstagsfeste, kümmert sich darum, dass die Kleidung sauber ist, stellt Blumen in die Zimmer, belehrt die Kinder, damit ihnen nichts geschieht (1999).

Als an die hunderttausend Personen – meist Frauen –  im Jahr 2016 in Peru gegen sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen auf die Straße gingen, verstieg sich Kardinal Cipriani zu der Äußerung, dass die Schuld schließlich nicht bei den Vergewaltigern, sondern bei den jungen Frauen zu suchen sei, die sich provozierend anzögen.
Im Fall der aktuellen Haft von Keiko Fujimori (Vorsitzende ihrer Mehrheitspartei im peruanischen Parlament und Tochter des zu langer Haft verurteilten Ex-Präsidenten) – sie ist in U-Haft, um die staatsanwaltlichen Untersuchungen gegen sie wegen Korruptionsvorwürfen zu ermöglichen –, sprach Kardinal Cipriani über die „unerträglichen Schmerzen der Mutter Keiko Fujimori und ihrer Kinder“, weil sie jetzt im Gefängnis ist. Im Fall des wegen enormer Korruptionsvorwürfe gegen Ex-Präsident García verfügten Verbots, Peru zu verlassen, und nach dessen untauglichem Versuch, politisches Asyl in der Botschaft Uruguays zu suchen, sprach Cipriani vom Recht aller, politisches Asyl zu suchen. Kardinal Barreto dagegen sprach sich klar dafür aus, dass die peruanische Justiz gegen Korruption vorgehen muss, egal gegen wen.

Insgesamt verlieren die Angehörigen des ultrarechten katholischen Sektors, das Opus Dei und auch die ultrakonservativen evangelikalen Interessensgruppen, ihren wichtigsten Verbündeten. Ein Verlust, der dem Wohle der Menschen dient.

All das könnte Kardinal Cipriani weiterhin so sagen, aber nicht mehr als „Kardinal im Amt eines Erzbischofs“.
Nun ist es so, dass Kardinal Barreto am 12. Februar 2019 gleichfalls 75 geworden ist , und damit routinemäßig seinen Rücktritt angeboten hat. Er kann, muss aber noch nicht angenommen werden.

Heinz Schulze

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