Der Monat September war in Peru geprägt von Streiks: zuerst streikten die Lehrer fast einen Monat lang, bis sich die Lehrergewerkschaft SUTEP und das Erziehungsministerium sich auf eine einmalige Gehaltserhöhung einigen konnten. Viele Kinder, vor allem in den ländlichen Gebieten, verloren einen ganzen Monat Unterricht. Dann streikten die Ärzte, zuerst die der staatlichen Versicherung Essalud (staatliche Krankenversicherung für Angestellte und Arbeiter). Danach streikten bis Mitte Oktober die Ärzte des Gesundheitsministeriums, welche die staatlichen Gesundheitsposten und Krankenhäuser für Menschen ohne jegliche Versicherung betreuen.

Am 1. und 2. Oktober kamen 10 Staatschefs aus Südamerika und 26 Staatschefs aus der arabischen Welt nach Lima zum 3. Südamerikanisch-Arabischen Gipfeltreffen.  Südamerikanische Länder werden für reiche arabische Ölstaaten interessant als Investitionsziele sowie als Lieferanten von Nahrungsmitteln.

Der „Leuchtende Pfad“ machte mit Anschlägen von sich reden. Die im VRAEM-Tal (Tal der Flüsse Apurímac – Ene – Mantaro in den Regionen Ayacucho – Junin – Cusco) operierende Resttruppe unter der Führung der Gebrüder Palomino Quispe zerstoerten 3 Hubschrauber, welche zur Bewachung der Erdgasleitung von Camisea eingesetzt waren.  Immer wieder ueberfällt der „Leuchtende Pfad“ Polizei- und Militärposten im VRAEM-Gebiet.  Eine Spezialtruppe der Armee soll der bewaffneten Gruppierung nun Herr werden. Sollte der Leuchtende Pfad die Erdgasleitung sabotieren, so wäre der Energieengpass durchaus auch in der Hauptstadt und den Küstenstädten zu spüren.

Am 10. Oktober reichten die Kinder des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori ein Gnadengesuch für ihren Vater ein.  Ollanta Humala muss nun entscheiden, ob er den wegen Menschenrechtsvergehen zu 25 Jahren verurteilten Fujimori aus humanitären Gründen begnadigt.  Es ist unter Medizinern umstritten, ob  der Zungenkrebs lebensbedrohend ist, unter dem Fujimori seit Jahren leidet. Die Partei Fujimoris macht in der Öffentlichkeit Werbung, um eine amnestie-freundliche Stimmung zu schaffen.

Dazu die passende Karikatur von Carlin aus La República: „Wenn man seinen schwerwiegenden Gesundheitszustand berücksichtigt, soll Fujimori begnadigt werden ?“, fragt ein Meinungsforscher mit der orangefarbenen Jacke der Fujimori-Partei. „Ja, wenn er so krank ist, sicher“, antwortet die Bürgerin. „Wie Sie sehen, sind die Menschen mit der Begnadigung einverstanden“, berichtet daraufhin der Meinungsforscher in die Kamera.

Wirtschaftlich bleibt das Wachstum in Peru weiterhin  hoch zwischen 6 und 7%. Dies ist neben dem Rohstoffboom vor allem dem Bauboom in den peruanischen Städten geschuldet.

Der Bergbaukonflikt um das „Conga-Projekt“ in Cajamarca schwelt lokal weiter. Die Gegner des Projektes wollen, dass das Projekt endgültig eingestellt wird und nicht nur – wie es jetzt der Fall ist – auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Für die Menschenrechtsbewegung war September ein trauriger Monat: mit 83 Jahren starb die bekannte Menschenrechtsanwältin Pilar Coll in Lima.  Eine Woche später verstarb auch einer der bekanntesten peruanischen Dichter, Antonio Cisneros.

Die Menschenrechtsorganisation „Instituto de Defensa Legal“ durfte im September – Oktober zwei Auszeichnungen entgegen nehmen: das Frauenministerium überreichte dem IDL ihren jährlichen Friedenspreis.  Der lateinamerikanische Verband der investigativen Journalisten zeichnete die Journalistin Milagros Salazar von IDL-Reporteros für ihre Reportage über Betrug beim Grossfischfang aus.

(Zusammenstellung: Hildegard Willer)