Während meiner Peru-Reise im letzten Sommer war ich in Yurimaguas und Barranquita, um mich vor Ort über einen sozialen und ökologischen Konfliktherd zu informieren, dessen Bedeutung rasch zunimmt. In dieser Region werden von Kleinbauern und großen Firmen Flächen im Regenwald gerodet und mit Ölpalmen bepflanzt. Die Suche der Industrieländer nach neuen Energiequellen angesichts des zur Neige gehenden Erdöls läuft auf vollen Touren – so wächst auch die weltweite Nachfrage nach Palmöl, das bei uns z. B. in Blockheizkraftwerken verbrannt wird.
Der Export von peruanischem Palmöl wuchs von 2013 auf 2014 um 191%.

„Hier war bis vor einiger Zeit alles Primärwald“, sagte Padre Mario Bartolini in Barranquita, der seit 40 Jahren hier lebt. Das peruanische Unternehmen Grupo Romero bepflanzt hier in der Region 20.000 ha mit Ölpalmen, aber es produzieren auch viele Kleinbauern Palmöl. Sie verkaufen das Öl und z. T. auch die Früchte an die Romero-Gruppe.
Schwester Lucero Guillen von der Landpastoral in Yurimaguas berichtet, dass Gemeinden und Einzelpersonen gegen die Romero-Gruppe geklagt hätten; sie seien dabei von der Kirche unterstützt worden. Obwohl sich die Leute wehren, gebe es aber einige, die ihr Land an die Romero-Gruppe verkaufen. Der Fluss unterhalb von Barranquita ist durch die von der Romero-Gruppe eingesetzten Agrochemikalien verschmutzt.
Padre Bartolinis Position ist klar und eindeutig: „Deutschland, Europa muss sich ändern, dann ändert sich auch etwas in Peru.“ Eine Veränderung des Wirtschafts-, Konsum- und Entwicklungsmodells sei notwendig, die Landwirtschaft müsse den Bauern nützen.

Kampf ums Land

Am nächsten Tag erklärt mir Schwester Lucero Guillen im Büro der Landpastoral die Entwicklung des Palmölanbaus in der Region, den es hier seit 1987 gibt. 2006 wurde das Gesetz zur Förderung des Palmölanbaus verabschiedet, seit diesem Jahr breiten sich die Plantagen der Romero-Gruppe hier aus. Sie musste zu Beginn wegen des lokalen Widerstandes Abstriche an ihrer ursprünglich geplanten Ausdehnung in der Provinz San Martin machen, hat aber in der Nachbarprovinz Loreto weitere 7.000 ha und plant, künftig 50.000 ha zwischen Barranquita und Yurimaguas zu bepflanzen.
Viele Siedler  kommen von außerhalb, siedeln sich ( z.B. in Pampa Hermosa) an, nehmen einfach Land und verkaufen das dann. Dabei kommt es zu Konflikten mit der ansässigen Bevölkerung. In den Gemeinden gibt es Obergrenzen für den Verkauf. Die Romero-Gruppe kauft z. T. über Mittelsmänner.
In anderen Anbaugebieten sind auch andere Firmen aktiv, in Ucayali z. B. die Firma Mainas und eine malaysische Firma.
Viele Leute haben Angst vor Konfrontation, die Arbeit der Landpastoral ist schwierig, für manche ist sie „schuld“ am Konflikt. Schwester Lucero ist auch Koordinatorin des “Runden Tischs zur Armutsbekämpfung” von San Martin, auch von da aus begleiten und unterstützen sie die Campesinos.
Eine Alternative für manche Bauern ist der Anbau von Bio-Kakao, er wird über eine Genossenschaft vermarktet.

Besuch auf der Pflanzung

Mit Mitgliedern des Landpastoral-Teams bin ich nach Pampa Hermosa und Puerto Peru gefahren.
In Pampa Hermosa haben wir mit einem Palmito-Anbauer gesprochen, von der Zwergpalme wird die Delikatesse Palmenherz geerntet. Er berichtet, dass sich Öl- und Zwergpalme seit einigen Jahren hier stark ausbreiten, zur Einführung gab es Kredite von der Firma. Viele Bauern haben den Reis- und Mais-Anbau aufgegeben: Palmöl und Palmenherz sind rentabler. Das bestätigte uns eine ehemalige Reisbäuerin, die wir unterwegs trafen: Ölpalmanbau gehe besser als Reisanbau
Für eine rentable Palmölproduktion braucht es mindestens 5 ha, Zwergpalmenanbau ist schon auf kleineren Flächen möglich. Der Palmito-Anbauer zeigt uns sein Feld: Die Preise seien schlecht, aber es bliebe für die Bauern etwas übrig. Er verdient mit seinen 4 ha Zwergpalmen im Schnitt 900 Soles pro Monat.
Die Klein-Produzenten haben einen Verband, der  einen Verarbeitungsbetrieb unterhält. Dort kann aber nicht alles verarbeitet werden, die restlichen Früchte werden an die Romero-Gruppe oder an andere Firmen verkauft
Das Palmenherz wird von einer Firma in Tarapoto gekauft und nach Frankreich exportiert

Nach dem Gespräch sind wir nach Puerto Peru gefahren und haben dort in Begleitung eines Lehrers eine Familie besucht, die direkt am Fluss Yanayacu wohnt und Tiere hält. Sie berichtete, dass das Wasser aus dem Fluss früher ganz klar und für Menschen und Tiere brauchbar war. Jetzt ist es ungenießbar: verdreckt durch Erde und vergiftet durch Agrochemikalien, die der Regen von der Plantage der Romero-Gruppe in den Fluss gespült hat. Es sind Tiere gestorben, die von dem Wasser getrunken haben, ein Nachbar hat darin gebadet und einen Ausschlag bekommen Eine Studie hat ergeben, dass das Wasser nicht für den Konsum geeignet ist. Deshalb lässt die Romero-Gruppe alle 8 Tage gratis Wasser vorbeibringen, das in Behälter abgefüllt wird.

Die Zerstörung des Regenwaldes durch den Ölpalm-Anbau war auf dieser Fahrt deutlich zu sehen, die Konsequenzen für Menschen und Tiere durch die Gespräche konkret erfahrbar.
Ich hatte Padre Bartolini am Vortag zugestimmt, dass der Schlüssel zur Veränderung bei uns liegt, und ihm versichert, dass die Arbeit der Informationsstelle Peru genau da ansetzt: bei der Information über die Zusammenhänge zwischen der Situation in Peru und unserer Wirtschafts- und Lebensweise und bei den politischen Bemühungen, zusammen mit vielen anderen Bewegungen und Organisationen eine Veränderung dieser Nord-Süd-Beziehungen zu erreichen.

Jimi Merk

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.