Pablo Paz aus Peru erklärt Migranten in Hamburg, wie Deutschland funktioniert – und das sogar in arabisch.

 

Pablo Paz aus Lima, 36 Jahre alt, Brille und Lippenbärtchen, ist in der Welt herumgekommen: vor 17 Jahren ging er zum Soziologie-Studium nach Italien,  machte seinen Master in Frankreich und arbeitete anschliessend zwei Jahre für eine spanische NGO in Mauretanien, bevor er nach Peru zurückkehrte.

Nach Deutschland kam er vor 4 Jahren, eigentlich um in München zu promovieren.  Doch das Leben verschlug ihn noch weiter nach Norden.  Seit drei Jahren arbeitet Pablo Paz in Hamburg als Sozialpädagoge in einer Flüchtlingsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes.

 

InfoPeru:  Seit wann beschäftigt Dich das Thema Migration ?

 

Pablo Paz: Ich wuchs in den 80er Jahren in Peru auf. In den Familien der Mittelschicht in Lima war Migration damals ein aktuelles Thema.  So auch in meiner Familie: ein grosser Teil meiner Verwandten wanderte damals in die USA und nach Kanada aus. Als ich sie einmal in Kanada besuchte, war ich erstaunt, wie viele Leute unterschiedlicher Kulturen und Religionen in einer Großstadt wie Toronto zusammenleben.

 

InfoPeru: Du hast 2014 in München in einer Erstaufnahmeeinrichtung begonnen, mit Flüchtlingen in Deutschland zu arbeiten. Wie war das damals ?

 

Pablo Paz: Damals kamen noch viele Flüchtlinge aus dem Balkan, die eigentlich Arbeitsmigranten waren, aber nur noch via Asylantrag eine Möglichkeit hatten, sich in Deutschland aufzuhalten. Das hat sich 2015 mit der Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten geändert. Seitdem hat Deutschland viel investiert in Integrationskurse, Sprachkurse sowie in Anreize, eine Ausbildung zu machen.

 

InfoPeru: Du bist erst seit 4 Jahren in Deutschland, sprichst sehr gut deutsch,  hast einen regulären Job, kennst das deutsche Ämtersystem besser als mancher Deutsche.  Du bist also selber so etwas wie ein Muster-Migrant. Was hat Dir geholfen, Dich so schnell zu integrieren ?

 

Pablo Paz: ich lerne immer die Sprache vom Land in dem ich wohne, anstatt eine dritte Sprache wie Englisch zu verwenden. Durch die Sprache kann man viel über eine Gesellschaft lernen, deshalb ist dies ein erster wichtiger Schritt. Außerdem bin ich sehr neugierig und versuche, offen zu bleiben, um Sachen von meinem neuen Zuhause auszuprobieren, Erfahrungen zu machen und Leute kennenzulernen. Dafür muss man immer aktiv sein: ein Praktikum absolvieren, an Veranstaltungen teilnehmen, Bücher lesen, sich ehrenamtlich engagieren, mehrere Jobs probieren… je mehr desto besser.

 

InfoPeru: ein Peruaner, der arabisch spricht und Flüchtlingen aus dem Nahen Osten Deutschland erklärt. Inwiefern hilft Dir da Deine Erfahrung als Peruaner ?

 

Pablo Paz:  Vieles aus den eher laizistisch ausgerichteten Staaten wie Syrien oder Irak ist mir auch aus Peru bekannt:  die konservativen Moralvorstellungen,  die Frage der  Familienehre, die prüde Sexualmoral, der Machismus. All das kennen wir auch in Peru. Z.Bsp. den letzten grossen Protestmarsch gegen die sogenannte Gender-Ideologie in Peru, sowas könnte auch in arabischen Ländern stattfinden.  Diese Mentalität ist in Peru nicht so fremd wie die Peruaner selbst denken. Man kann manche Ängste nachvollziehen, ohne sie zu rechtfertigen. Aus diesem Verständnis heraus kann man kritisch bleiben und danach versuchen,  Änderungen zu fördern.

 

InfoPeru:  wie sieht Deine Arbeit heute im Erstaufnahmelager in Hamburg aus ?

 

Pablo Paz: Seit Februar 2016 kommen kaum mehr Flüchtlinge an.  Die Planung ist einfacher geworden. 2015 konnten wir nicht planen,  die Flüchtlinge wurden nicht registriert, bekamen keine Krankenversicherung.  In Deutschland ist es schwierig, zu improvisieren.

 

InfoPeru: Italien, Frankreich, Mauretanien, Deutschland. Wohin zieht es Dich als nächstes ?

 

Pablo Paz: Ich habe vor, in Hamburg zu bleiben. Die Stadt gefällt mir und ich habe hier viel Stabilität erreicht. Es war nicht immer einfach, in Deutschland Fuß zu fassen, aber am Ende hat sich die Mühe gelohnt.

Das Interview führte Hildegard Willer

 

 

 

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