Viele Jahre war Peru ein Auswanderungsland. Heute ist es das auch noch, aber mit rund 350 000 MigrantInnen aus Venezuela ist Peru auch Einwanderungsland geworden.

Ein Blick in peruanische Zeitungen und „soziale Medien“ zeigt, dass es jetzt auch in Peru um Konzepte und ideologische Vorstellungen wie hier in Europa geht.

Anfangs überwogen positive Kommentare gegenüber den Menschen, die vor der Diktatur und dem Mangel in Venezuela in das „demokratische Peru“ flüchteten. Ein Teil der Bevölkerung ist weiter für offene Grenzen und der Einhaltung liberaler Prinzipien. Ein anderer Teil spricht sich immer stärker für Einreiseverbote, Aufenthaltsbeschränkungen und evtl. schnelle Ausweisungen aus.

Im Unterschied zu reaktionären und rassistischen Positionen und Formulierungen à la AFD und CSU („Asylantenschwemme“, „Asyltourismus“ etc.) gehen die Meinungsäußerungen in Peru mehr in die Richtung, von wirtschaftlichen Problemen durch VenezolanerInnen zu sprechen. Die Argumente sind dann auch: Diese MigrantInnen nehmen die Arbeitsplätze weg und drücken die Löhne. In den Bereichen wie Service oder Gastronomie ist das zu spüren. Es wird angemerkt, dass diese engagiert, freundlich und zuverlässig arbeiten. Das hat wohl eine kleine, positive Revolution in diesen Bereichen gebracht.

Die Diskussion darüber, wie mit den vielen neuen Menschen umzugehen ist, ist nicht einheitlich. Ein Vorschlag ist, Anreize für eine Aufenthaltssicherheit zu geben, wenn diese aus der Hauptstadt Lima wegziehen. Das in Deutschland oft gehörte Argument, dass Asylsuchende/MigrantInnen hierherkommen, um den Wohlfahrtsstaat zu plündern, trifft für Peru nicht zu. Da gibt es wenig für Arme vom Staat zu „plündern“.

Ein Argument für eine Elite-Einwanderung ist zu hören: EinwandererInnen aus Europa sind willkommen. Die sind kultiviert, gut ausgebildet, oft FacharbeiterInnen – und die braucht man in Peru. So könne man Menschen aus Venezuela brauchen, die gut ausgebildet sind. Die anderen könnte man getrost in angrenzende Länder weiterschicken.

Nicht so laut sind die Stimmen, die daran erinnern, dass bis vor nicht allzu langer Zeit viele PeruanerInnen zumeist aus wirtschaftlichen Gründen nach Venezuela ausgewandert sind und dort aufgenommen wurden, und dass man nicht weiß, wann das wieder geschehen wird.

Heinz Schulze

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